Das traditionelle Handwerk im Rheinland – präsenter als gedacht

Schon etliche Male wurde dem Handwerk sein Untergang prophezeit. Bereits mit dem Beginn der Industrialisierung im frühen 19. Jahrhundert hieß es, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die letzten Handwerksbetriebe schließen müssten.

Service – Heute, mehr als 200 Jahre später, gibt es immer noch Handwerksbetriebe und der Trend geht sogar zu einer Mehrung dieser. Das gilt zumindest bei einem genaueren Blick auf das Rheinland. So ist es für Besucher aus anderen Bundesländern oder für Anwohner, die Naherholung in bester Qualität genießen möchten, ein Leichtes, eine handwerkliche Kulturreise in der Eifel zu machen.

Vieles wird derzeit wiederbelebt oder vom Neuem entdeckt. Der hauptsächliche Grund dafür ist der, dass sich viele Verbraucher wieder nach einem Mehr an Qualität sehnen. Derjenige, der den Qualitätsunterschied bei Produkten bemerkt hat, weiß, dass sich ein höherer Kaufpreis lohnt, da sich die Lebensdauer des Produkts exponentiell steigert. Ein klassisches Produkt, das heute wie vor mehreren hunderten von Jahren nicht wegzudenken ist, sind Scheuerbürsten. Mögen sie für den ein oder anderen vielleicht sogar ein bloßer Wegwerfartikel sein, so zeigt sich primär bei der professionellen Reinigung, wie sich Qualitätsunterschiede überraschend schnell bemerkbar machen können.

Foto: Detmold/Pixabay

Handwerk als fester Bestandteil der wirtschaftlichen Zukunft

Schneller, höher, weiter – das olympische Motiv lässt sich bisweilen problemlos auf die Ansprüche an das Wirtschaftswachstum anwenden. Bezüglich der Luftqualität in Nordrhein-Westfalen braucht es allerdings ein Umdenken und hierbei kann das Handwerk eine Rolle spielen. Bedingt lassen sich industrielle Betriebe durch das Handwerk ersetzen, aber die kleinen, oft familiengeführten mittelständischen Betriebe verfügen über das Potenzial, um neue und nachhaltige Konzepte vorzuleben.
Es gibt zahlreiche gute Gründe für eine nachhaltige Unternehmensführung und nicht jeder davon lässt sich ohne Weiteres auf industriellem Maßstab anwenden. Das Handwerk allerdings hat einfachere Möglichkeiten zum Einstieg und kann damit als Motor in der Region fungieren.
Die Schäden des Waldes im Rheinland sind nicht immer auf die Industrie zurückzuführen. Die Dürre, Stürme und sogar Brände haben viele Hektar vernichtet. Hier können nachhaltige Konzepte, ausgehend vom Handwerk, eine Stärkung regionaler Flächen bedeuten.

Das Handwerk als gutes Beispiel

Die Skihalle Neuss ist klimaneutral. Ähnliches gelingt immer mehr Handwerksbetrieben im Rheinland, die etwa mittels der Aufforstung zur eigenen Klimaneutralität beitragen oder etwa ihren eigenen Strom für die Fertigung gewinnen. Es ist ein Leichtes, derartige Projekte in einem kleineren Maßstab umzusetzen. Umso wichtiger ist es, dass sich die handwerklichen Betriebe zusammenschließen und gegenseitig unterstützen. So kann die Wichtigkeit dieses Wirtschaftszweigs eindrücklich dargestellt werden und zudem wird damit automatisch Druck auf andere Zweige ausgeübt, deren Emissionen die des Handwerks deutlich übersteigen.

Das Handwerk steht wirtschaftlich gut da, dennoch sind die Prognosen durchwachsen. Wie so oft ist auch der Verbraucher gefragt, der täglich die Wahl hat, sich für oder gegen ein bestimmtes Produkt zu entscheiden. Wer zu einer Ware aus der Region greift, der unterstützt den Arbeitsmarkt und hat zudem Einfluss auf die vorher beschriebenen Prozesse hinsichtlich der Nachhaltigkeit. Jedes Element beeinflusst viele andere, weshalb es niemals schadet, die Präsenz des modernen und noch immer sehr lebendigen Handwerks zu würdigen. Diese schreitet zwar in kleineren Schritten voran, dafür aber weitaus zielgerichteter. (opm)