Der 37. Kreuzritter der KG „Die Kreuzherren Wickrath“ ist Michael Schmitz

Zur feierlichen Proklamation des Kreuzritters hatte die KG „Die Kreuzherren Wickrath“ in die Filiale der Volksbank eingeladen.
von RS-Redakteurin Marlene Katz

Jochem Enzenmüller mit Michael Schmitz

Mönchengladbach – Von dort setzte sich der Zug der Kreuzritter sowie der geladenen Gäste unter den Klängen des Bundesschützen-Tambourcorps „Mit Vereinten Kräften“ Wickrath in Richtung der Stele am Bahnhof in Bewegung, um dort den Namen des neuen Kreuzritters zu enthüllen.

Dort nahm Jochem Enzenmüller Kreuzritter und Ehrensenator der KG die Begrüßung vor.

„Liebe Corona genesenen, geimpfte, getestete und dennoch nicht mutlose und hoffentlich sehr gut gelaunte und auf die Session gespannte Karnevalisten.

Lange haben wir uns hier nicht gesehen. Genau genommen 2 Jahre. Corona machte es möglich. Und viel, ja so viel hat sich in dieser Zeit ereignet.

Leider auch trauriges: So gedenken wir zunächst mit einer Schweigeminute aller verstorbenen Mitglieder und Freunde unserer KG, insbesondere der verstorbenen Kreuzritter: Ernst Heinen, Donat Kirchhoven und Heinz Feldhege.

Wir Karnevalisten dürfen uns aber in der Tat auch freuen.

Die letzte Gala-Sitzung der Kreuzherren wurde von unserem Kreuzritter Heinz Ritters moderiert. Grund war die Erkrankung von Stefan Schmitz. Besonders gefreut haben wir uns vor nunmehr 1,5 Jahren, dass Stefan Schmitz, unser Präsident, nach schwerer OP und großer körperlicher, wie auch seelischer Belastung, wieder den Weg ins Leben und auch in das Brauchtum zurückgefunden hat. Lieber Stefan- es ist einfach klasse, dass wir Dich wieder so erleben dürfen! Weiterhin gute Gesundheit!!!“

Weiter ging er auf politischen und klimatechnischen Probleme hier in Mönchengladbach und in der Welt ein.

„Das Thema Corona kam natürlich auch zur Sprache. Denn in Deutschland wurde lange über Mittel gegen Covid 19 diskutiert. Ein Vorschlag war: 3 Knoblauchzehen roh zu zerkauen und zu sich zu nehmen. Hilft nicht gegen die Krankheit, sorgt aber für den Mindestabstand von 1.50 Metern!

Auch 3 G war und ist ständig ein Thema:

  • Vom Gesundheitsministerium kam die amtliche Definition: geimpft, genesen oder getestet.
  • Von Seiten der Kirchen: geimpft, genesen und getauft.
  • In den Kneipen: gebraut, gezapft, getrunken.
  • Im Karneval: gelacht, geschunkelt, gebützt. In der Politik; komme ich gleich noch darauf zurück.
  • Die Stichworte Querdenker, Impfverweigerer, Coronaleugner usw. möchte ich nicht näher bewerten. Sie verdienen es einfach nicht!!

Viele Wahlen gab es übrigens, seit wir 2019 hier zusammenkamen.

Wir haben den jüngsten OB NRW‘s gewählt und bekommen – Felix- den Glücklichen- Heinrichs. Anders ausgedrückt kann man auch sagen: Der Rathaussturm fand schon im September 2020 statt, wohl wissend, dass er an Rosenmontag 2021 ausfällt. Sehr vorausschauend.

Der Boss (also Frank) blieb auf der Strecke. Und weil Felix gerade mal 30 Jahre alt war, als er gewählt wurde, dokumentiert er das nun auf vielen Schildern in der Stadt. Wie Pilze sprießen nun die 30er Zonen im Stadtgebiet aus dem Boden. Viele Autofahrer wünschten sich, er wäre 50. Dann wäre der Verkehrsfluss in der Stadt sicherlich deutlich besser. Wenigstens haben wir bisher keine „rote“ Fahrradroute zu der Blauen dazubekommen.

Immerhin wurde Dr. Günter Krings für den Bundestag in MG direkt gewählt. Doch auch hier galt für die CDU: 3 G: gewählt, gewonnen, gewatscht.

Desgleichen bei Gülistan Yüksel. Sie kümmert sich im Bundestag immer um ihr spezielles, am Herz liegendes Thema: Familienpolitik. Beinahe hätte sie dies wieder zu Hause machen dürfen, kam aber über den Listenplatz wieder nach Berlin in den Bundestag. Die Familie freut sich.“

Zurück zum Karneval:

„Wir haben als Kreuzherren wieder Fahrt aufgenommen. Im Sommer gab es wieder eine Fahrradtour. Unter anderem dabei unser Kreuzritter Jürgen Wackerzapp. Geschwächt durch diverse Pannen mit seinem Fahrrad, konnte er um ein Haar fast selbst seine berufliche Hilfe als Bestatter annehmen.

Wir haben in diesem Jahr wieder eine präsente Jahreshauptversammlung abgehalten, ein Oktoberfest bei ausgelassener Stimmung gefeiert und heute ist nachher im Schloss unsere offizielle Sessionseröffnung, zu der Sie und ihr alle herzlich eingeladen seid.

Wir Karnevalisten, insbesondere die Kreuzherren, wählen ja auch ständig. Wir wählen den Humor, das Lachen, die Geselligkeit, die sozialen Kontakte, dass Jemanden in und auf den Arm nehmen,

All` das, was wir vermissen durften. Und diese Wahlen fallen bei uns natürlich einstimmig aus. Und – einen neuen Kreuzritter haben wir auch gewählt:

Die Kreuzherren haben sich entschieden, diesmal jemanden zu titulieren, der vom Namen her nicht so verbreitet ist.

Wie heißt es so schön: And the winner is: Michael Schmitz.

Sein Nachname hat den Ursprung vom Begriff Schmied. Und das passt umso mehr, als dieser Typ ja echt der Hammer ist.

Der Name Schmitz kommt in Deutschland etwa 116.340 Mal vor / Stand 2019.

Ein Tausendsassa, ein Hans Dampf in allen Gassen ist er. Beruflich und privat bei den Schützen engagiert und dem Brauchtum auch eng im Karneval verbunden.

Stefan Schmitz

Und natürlich wird der Sprecher der Kreuzritter, unser lieber Norbert Spieker, gleich allen offenkundig machen, um wen es sich bei Michael Schmitz genau handelt. Er wird das Innere nach außen kehren und schonungslos seine Laudatio in bekannter Manier halten. Und wer könnte es besser?

Seine Laudatio hält er gleich in der Volksbank, welche schon lange insgeheim Spiekers Corner genannt wird.

Doch vorher lade ich Sie alle ein, nun Zeuge zu sein, wenn Michael Schmitz die Stele enthüllt und kontrolliert, ob sein Name auch schon, in welcher Schreibweise auch immer, darauf steht.“

Nach dieser bewegenden Rede zog Michael Schmitz mit einem Ruck die Verhüllung von der Stele und musste feststellen, dass sein Name korrekt geschrieben wurde.

Dann begab man sich zurück zur Volksbank, wo Stefan Schmitz, Vorsitzender und Präsident der Gesellschaft, die Gäste schon erwartete.

Seine Begrüßung erfolgte mit diesen Worten:
„Liebe Gäste, herzlich willkommen zum 37. Kreuzritterschlag unsere Gesellschaft hier in der Volksbank Wickrath. Wir werden in diesem Jahr 40 Jahre alt und proklamieren heute unseren 37. Kreuzritter. In der Chronik, die zu unserem Jubiläum, 33 Jahre Kreuzherren herausgekommen ist, war zu lesen, dass es erstmalig nach zwei Jahren einen Kreuzritterschlag der Gesellschaft gegeben hat. Das heißt, wir müssten heute rechnerisch den 38. Kreuzritterschlag durchführen. Dies ist aus den Ihnen bekannten Gründen, leider nicht der Fall. Wir alle hoffen, dass sich diese 2 Zahlen 37. Kreuzritter und 40-jähriges Jubiläum, nicht weiter entfernen und wir diese so eng wie nur irgendwie möglich zusammenhalten. Ein nochmaliger Ausfall einer gesamten Session wünscht sich keiner von uns. Umso schöner ist es wieder hier zu sein und Normalität zu erleben.

Nicht desto trotz bitten wir euch, soweit es möglich ist Abstand zu halten, wer sich unsicher fühlt darf gerne die Maske tragen. Wichtig, dass im Karneval so beliebte Bützen, sollte in der heutigen Zeit ausfallen und vielleicht durch ein Augenzwinkern ersetzt werden.

Wie in jedem Jahr, außer halt im letzten, habe ich die Aufgabe, Sie liebe Gäste hier zu begrüßen. Das tue ich sehr gerne und freue mich, dass es tatsächlich wieder so ist. Wie im vergangenen Jahr, möchten wir darauf hinweisen, dass wir Bild und Tonaufnahmen von dieser Veranstaltung machen. Den blauen Sack, für den der es nicht möchte, haben wir immer dabei.

Begrüßen darf ich, als wichtigste Person des heutigen Tages, meinen Namensvetter, zumindest bei dem Nachnamen, Michael Schmitz. Wie weltgewandt unser Name ist, haben wir ja eben von Jochem Enzenmüller, unserem 30. Kreuzritter, an der Stele gehört. Auch Dich lieber Jochem möchten wir herzlich willkommen heißen und für die sehr schöne Rede unseren herzlichsten Dank aussprechen.

Unser (noch) designierter Kreuzritter hat natürlich mitgebracht, seine Ehefrau Heike, die durch die Hochzeit mit Michael, auch diesen wunderschönen Nachnamen bekommen hat, und seine Kinder Dominik und Yvonne. Natürlich begrüßen wir auch alle Freunde und Verwandte, die Du lieber Michael, zu dieser Feierstunde eingeladen und mitgebracht hast.“

Dann folgte die beliebte Laudatio von Norbert Spieker, auf die alle gespannt warteten.

Als Gefreiter (mit Helm) meldete Norbert Spieker an den Oberstabsfeldwebel Michael Schmitz, dass Kreuzritter, Kreuzherren, der Oberbürgermeister Felix Heinrichs und die Gäste zu Ehren des neuen Kreuzritters angetreten seien. Er bat um Freigabe der Laudatio, die Michael Schmitz bestätigte. Dies wurde untermalt von der Deutschen Nationalhymne.

Zwei Jahre mussten vergehen, bis man sich in den Örtlichkeiten wieder sehen konnte. Er dankte Ute Paulußen der Filialleiterin sowie dem Vorstand der Bank, Franz Meurers, die die Brauchtumspflege immer unterstützen.

Dann schilderte in bewegenden Worten den Lebenslauf von Michael Schmitz.

Dieser wurde Sylvester 1968 in Rheydt geboren, im Kreißsaal ging eine Rakete ab und ein kleiner Junge schrie „Helau“. Er wurde Michael genannt und seine Kopfhaut sah so aus wie heute. Er war der 2. Sohn nach seinem Bruder Uwe und sieben Jahre später kam dann noch Schwester Heidi.

Nach schönen Kinderjahren besuchte Michael dann später die Hauptschule Wickrath und Rektor Corsten machte 3 Kreuzzeichen, als er sie verließ. Zunächst versuchte er im Holiday Inn eine Lehre als Koch bzw. Restaurantfachmann zu starten. So sollte er auch kellnern, aber das Essen war oft schneller am Tisch als der Teller.

Dann wollte er Stewart bei der Luftwaffe werden. Dafür musste er aber zunächst den Wehrdienst ableisten und so entschied er sich, direkt zur Bundeswehr zu gehen. Hier wurde das Lied „Rot sind die Rosen“ eingespielt.

Heike mit Michael Schmitz

Das bezog sich auf das Kennenlernen zu seiner Heike. Er wollte eigentlich eine Arbeitskollegin von Heike kennen lernen, aber daraus wurde nichts. Heike wurde seine Trumpfkarte, seine Rose. Zu ihr kommt er abends heim und findet bei ihr den schönsten Platz.

Am 25. Januar 1991 haben sich dann zwei Steinböcke getroffen, um die Ehe miteinander zu schließen. Aus der Ehe gingen die beiden Kinder Dominik und Yvonne hervor.

Michael Schmitz setzte seinen Dienst vom kleinen Gefreiten bis zum Oberstabsfeldwebel bei der Bundeswehr im Sanitätsdienst fort. Für seine Verdienste erhielt er das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold und weitere Medaillen für seine Natoeinsätze in Afghanistan und in der Türkei. Den Ausgleich zu diesen oft tragischen Vorgängen findet er bei seinen geliebten Vereinen im Brauchtum. Es folgte das Lied „Seemann, deine Heimat ist das Meer“.

Zuerst zu seiner St. Antonius-Sebastianus Bruderschaft in Wanlo. Dort ist er in der Marine-Gruppe, war 2002 und 2010 König und 2005 Minister. So träumte er davon, einmal Kaiser zu werden, was ihm auch 2019 gelang und dieses direkt auch für drei Jahre.

Eine besondere Anekdote wurde ebenfalls bekannt. Als er nach seiner ersten Krönungsmesse 2002 und dem gemütlichen Ausklang im Gut Wildenrath nach Hause ging, fiel Heike in den Schnee und Michael wollte sie aufheben. Er legte sich jedoch daneben, mit Nasenbeinbruch, Gehirnerschütterung und späterem Krankenhausaufenthalt. Jeder frug sich, war es der Schnee, wankte etwa das Schiff oder war es etwas anderes. Das wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Seine Liebe gilt den Schützen und so wird es wohl auch immer bleiben.

Auch hängt sein Herz am Karneval, den Wanloer Ströpp. Dort hat er viele Posten mit Bravour ausgeübt. Auch war er als Jungfrau im Dreigestirn mit Tom Meuser und Eckart Spanier aktiv, nachdem es in Wanlo viele Jahre keinen Prinzen oder ein Dreigestirn gab.

Wenn keine Brauchtumsaktivitäten anstehen, zieht es ihn die weite Welt. So wandelte er auf den Spuren von Winnetou in Kroatien oder taucht mit seiner Heike in den Gewässern von Mexiko und Ägypten, eine Leidenschaft der Beiden.

Er war immer schon ein Lausbub und hat seine Geschwister zu viel Blödsinn angestiftet. Aber das sind trotzdem schöne Kindheitserinnerungen. Es gab noch viel aus seinem Leben zu erzählen, aber eines ist ihm am Wichtigsten: die Menschen stehen für ihn an 1. Stelle. Beeindruckend ist seine Geradlinigkeit und Glaubwürdigkeit, seine Menschlichkeit und Verlässlichkeit.

Aufgrund der vorgenannten Leistungen wurde er nicht ohne Grund zum 37. Kreuzritter gewählt.

Nach dieser Laudatio, die 31 Minuten und 4 Sekunden dauert, wurde Spieker tosender Applaus gespendet.

Dann ergriff Oberbürgermeister Felix Heinrichs das Wort. Er zollte Norbert Spieker einen Riesenrespekt für diese Laudatio.

Er ging auf das Wort Ritter ein und zeigte die unschönen Seiten im Mittelalter auf. Aber bei diesem Ritterschlag handelt es sich um Tradition und diese sollte erhalten bleiben. Ein Ritter verteidigt die Witwen und Waisen, verteidigt die Heimat und beschützt die Jungfrauen. Das sind die wesentlichen Kriterien, um ein guter Kreuzritter zu sein und diese habe Michael Schmitz erfüllt.

Dann kniete Michael nieder und erhielt den Ritterschlag vom OB Heinrichs. Es hat ihm nicht weh getan und seine Ohren war auch noch dran. Anschließend erhielt er den Kreuzritterorden, den Sessionsorden sowie die dazu gehörende Urkunde.

Auch Franz Meurer, der Hausherr der Volksbank richtete ein paar Worte an die Gäste. Er bemerkte, dass alles in Ordnung und kein Blut auf dem Teppich sei, früher habe es schon einmal anders ausgesehen. Zur Laudatio musste er gestehen, dass es ihm kalt über den Rücken gelaufen sei, weil diese so emotional gestaltet und es ein Ritt durch die Geschichte des neuen Kreuzritters war. Er bedankte sich bei Spieker, den Mitarbeitern sowie der Gesellschaft und verlieh den diesjährigen Voba-Orden.

Bevor die große Gratulationskur begann, bedankte Michael Schmitz sich bei allen und führte aus, dass das Brauchtum zusammenstehen muss, um gemeinsam in die Zukunft zu gehen.