Der Abwärtstrend geht weiter: Rekordjahr beim Apothekensterben

Im vergangenen Jahr hat sich das Apothekensterben nochmals beschleunigt. Überdurchschnittlich dabei betroffen war die Region und Nordrhein-Westfalen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Region – Das Apothekensterben der vergangenen Jahre geht weiter, besonders im letzten Jahr ist die Zahl der Apotheken so stark gesunken wie nie. Nur noch 19.075 Apotheken bundesweit konnten zum Ende 2019 gezählt werden, das sind 348 Ansprechpartner weniger als im Jahr zuvor. Hierbei ist zudem der Trend zu erkennen, dass immer mehr Inhaber mehr Betriebe bedienen.

Apothekensterben
Foto: Rheinischer Spiegel/Nadja Becker

Hierbei wird die stetig wachsende Konzentration im Bereich der Apotheken sichtbar, denn laut einer Studie der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände gibt es zwar 19.075 Apotheken, jedoch nur 14.473 Inhaber. Auch hier haben sich die Zahlen stark verringert. Mittlerweile liegt die Dichte der Apotheken in Deutschland bei 23 Apotheken pro 100.000 Einwohnern. Eine erschreckende Zahl, denn bereits sei zwölf Jahren geht die Zahl der Betriebe zurück. Aktuell liegt Deutschland damit unter dem EU-Durchschnitt, welcher bei 31 Apotheken pro 100.000 Einwohnern liegt. Noch kann damit eine flächendeckende Arzneimittelversorgung in Deutschland gesichert werden, aber die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände weist darauf hin, dass mit dem Sterben weiterer Betriebe diese breite Versorgung bald ein Ende haben könnte.
Gerade in Nordrhein-Westfahlen sind Regionen überdurchschnittlich von dem Apothekensterben betroffen und ein Aufwärtstrend ist noch nicht abzusehen.

„Wir werden die Situation nur stabilisieren können, wenn die Apotheken mehr Planungssicherheit und einen vernünftigen ordnungspolitischen Korridor bekommen“, sagt ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. „Dazu gehören vor allem zwei gesetzgeberische Maßnahmen: Die Absicherung einheitlicher Abgabepreise bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln im grenzüberschreitenden Versandhandel zumindest in der GKV-Versorgung muss kommen. Und die Einführung des E-Rezepts muss durch ein Makelverbot so flankiert werden, dass Patienten die freie Apothekenwahl ohne Einflussnahme von kommerziellen Dienstleistern behalten.“ Beide Maßnahmen, so Schmidt, stünden bereits im Entwurf für das Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz, den das Bundeskabinett im Juli 2019 beschlossen hat. „Aber dieses Gesetz nutzt erst dann etwas, wenn es auch in den Bundestag eingebracht und beschlossen wird. Dafür wird es jetzt höchste Zeit.“ (nb)


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