Der illegale Wildtierhandel floriert auf dem US-Online-Markt

Undurchschaubare Gesetze, Gesetzeslücken und einfallsreiche Händler:innen fördern das rasante Wachstum des illegalen Wildtiermarktes. Gegenmaßnahmen verfehlen ihre Wirkung.

Gesellschaft – Eine neue Studie des IFAW (International Fund for Animal Welfare) belegt, dass der Online-Handel mit bedrohten Tieren und aus ihnen gefertigten Produkten in den USA nach wie vor Hochkonjunktur hat. In einem Zeitraum von sechs Wochen fanden die Expert:innen fast 1200 Online-Anzeigen, in denen nahezu 2400 gefährdete Tiere, Körperteile oder Produkte angeboten wurden. Und das, obwohl sie durch den „Endangered Species Act (ESA)“ und das Washingtoner Artenschutzübereinkommen geschützt sind.

Die Recherche mit dem Titel „Digital Markets: Wildlife Trafficking Hidden in Plain Sight“ untersuchte Anzeigen auf 34 US-amerikanischen Online-Marktplätzen, um ein besseres Verständnis des Online-Handels mit geschützten Wildtieren in den USA zu erlangen. Anzeigen in den sozialen Medien waren nicht Teil der Studie.

„Diese Ergebnisse belegen eindeutig, dass der Handel mit Wildtieren im Internet in den USA nach wie vor sehr aktiv ist und weiterhin eine große Herausforderung für den Tier- und Artenschutz darstellt“, so Mark Hofberg, IFAW-Campaigner und Autor der Studie. „Unterschiedliche Faktoren wie unübersichtliche Gesetze und Vorschriften, die Anonymität des Internets wie auch Ausnahmen und Schlupflöcher haben zu dieser starken Zunahme beigetragen – trotz gesetzlicher Verbote und Schutzmaßnahmen.“

Auswertung der drei am häufigsten gefundenen Anzeigen:

  • Bei fast der Hälfte (44%) handelte es sich um Elfenbein. Das stellt zwar einen Rückgang um 73% im Vergleich zum Jahr 2008 dar, dennoch ist die Anzahl überraschend hoch angesichts der Gesetze und Vorschriften, die seit 2008 verabschiedet wurden.
  • Bei mehr als einem Viertel (27%) aller Anzeigen handelte es sich um Trophäen und Tierpräparate, darunter Häute, Schädel, Klauen und andere Tierteile, die hauptsächlich als Dekoration dienen. Die Hälfte dieser Anzeigen zeigten Arten, die nicht in den USA vorkommen (Giraffen, afrikanische Löwen, Wüstenluchse und verschiedene Primatenarten).
  • Lebende Tiere, die als exotische Haustiere verkauft werden sollten, machten 19% aller Anzeigen aus, davon 44% Vögel, 40% Reptilien und 16% Säugetiere. Lebende Tiere waren tendenziell teurer und machten einen großen Anteil des gesamten erfassten Dollarwertes aus, wobei fast drei Viertel der 34 Anzeigen für geschützte Wildtierarten einen Wert von 10.000 USD oder mehr hatten.
Primaten wie dieser Kapuzineraffe sind begehrte Schmuggelware © IFAW/Zoological Society of Trinidad and Tobago

„Digital Markets: Wildlife Trafficking Hidden in Plain Sight“ ist eine Weiterführung des Berichts „Killing with Keystrokes“ aus dem Jahr 2008 und stellt eine Fortsetzung der Arbeit des IFAW dar, den globalen Online-Wildtierhandel zu überwachen und Maßnahmen zur Bekämpfung der Illegalität zu ergreifen.

Dazu gehört die Zusammenarbeit mit Online-Marktplätzen mit dem Ziel, deren Richtlinien zu verbessern, die Schulung staatlicher Vollzugsbeamter in den neusten Techniken und Trends, die Zusammenarbeit mit örtlichen Gemeinden zur Reduzierung der Wilderei wie auch die Reduzierung der Nachfrage. In Deutschland arbeitet der IFAW beispielsweise eng mit den Betreibern von eBay, eBay Kleinanzeigen, DeineTierwelt und Quoka zusammen. Der Vergleich der verschiedenen IFAW Studien belegt, dass in den USA die Nachfrage nach lebenden Meeres- und Landschildkröten, Wildkatzen und Primaten seit 2008 stark zugenommen hat.

„Der Verlust von Wildtieren an den Wildtierhandel bedroht Arten, die einen wichtigen Teil des komplexen Lebensnetzes bilden, auf welches wir für eine saubere Luft, den Klimaschutz, sauberes Wasser, den Hochwasserschutz, die Bodengesundheit und andere wichtige Ökosystemfunktionen angewiesen sind“, so Robert Kless, Leiter des IFAW Deutschland.

Außerdem ist der Hauptrisikofaktor für den Ausbruch von Zoonosen wie Covid-19 der anhaltende menschliche Kontakt mit Wildtieren. Das gilt insbesondere für Tiere, die in engen Käfigen und unter stressigen Bedingungen gehalten werden – beides Schlüsselmerkmale des Wildtierhandels. Der IFAW fordert von der US-Regierung, neue Gesetze zu verabschieden, die vorhandene Rechtslücken schließen. (opm/paz)