Deutsche Wildtier Stiftung will mit Aufkleber Windkraft-Bürgerproteste unterstützen

In Boisheim kämpfen die Anwohner weiter gegen den Bau der geplanten Windkraftanlagen auf der Boisheimer Nette und sie sind nicht die einzigen Protestler, denn der Widerstand der Bürger wächst: Weit über 1000 Bürgerinitiativen kämpfen mittlerweile gegen den Wildwuchs von Windkraftanlagen.

So sollen die Windräder aussehen – ein Größenvergleich.

Viersen-Boisheim/Deutschland – Die Boisheimer Anwohner führen in ihren Einwänden erhebliche Lärmbelästigungen, Gesundheitsgefahren durch optische Immissionen wie Schattenwurf, Lichtreflexe sowie durch Blinklichter zur Flugsicherung, Ultra- und Infraschall, Störungen der Flugsicherungseinrichtung in Mönchengladbach im sogenannten Drehfunkfeuer, den seismisch aktiven Dülkener Sprung, Umwelt-, Landschaftsschutz- und Tierschutzbedenken auf. Die als windarm geltende Region um die Boisheimer Nette ist unter Ornithologen ein bekanntes Gebiet, das zahlreiche Arten beherbergt, darunter den auf der internationalen Liste der gefährdeten Vogelarten stehenden Kiebitz, dessen Bestand stark bedroht ist.

Genau hier greift die Aktion der Deutschen Wildtier Stiftung, die Deutschlandweit auf ähnliche Probleme verweist. Viele Millionen Menschen steckten sich die Anstecker ans T-Shirt oder beklebten die Heckscheiben ihrer Autos mit der Botschaft: „Atomkraft – NEIN DANKE!“ Nach dem Reaktorunfall von Fukushima (Japan) im Jahre 2011 wurden in Deutschland diese Aufkleber obsolet, denn die Bundesregierung läutete die sogenannte „Energiewende“ ein und propagierte Windkraft als Allheilmittel. „Viel zu häufig wird mit einem Federstrich beim Bau von Wildkraftanlagen gegen das Wohl der Wildtiere entschieden“, kritisiert Professor Dr. Fritz Vahrenholt, Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung.

Doch der Widerstand der Bürger wächst: Weit über 1000 Bürgerinitiativen kämpfen mittlerweile gegen den Wildwuchs von Windkraftanlagen. „Gerade im Wald kollidieren wirtschaftliche Interessen der Windenergielobby mit dem Natur- und Artenschutz“, sagt Professor Dr. Fritz Vahrenholt, Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung. In guter alter Protest-Tradition hat die Deutsche Wildtier Stiftung jetzt einen Aufkleber aufgelegt, der verkündet: „Windkraft im Wald – NEIN DANKE“.
„Weil Windkraftanlagen ohne Rücksicht auf geschützte Arten wie Fledermäuse und Rotmilane errichtet werden und sich die Politik im Interesse der Windkraftlobby jeden Tag über das Tötungs- und Verletzungsverbot von Wildtieren hinwegsetzt, dürfen Bürgerprotestet nicht ungehört bleiben“, sagt Professor Dr. Fritz Vahrenholt. Bis zu fünf Aufkleber können kostenlos bei der Deutschen Wildtier Stiftung angefordert werden. Wer 20 Aufkleber bestellt, bezahlt eine Schutzgebührt von zwei Euro.
Pro Jahr sterben rund 12.000 Greifvögel – unter ihnen bedrohte Arten – und rund 250.000 Fledermäuse durch Windenergieanlagen. Mittlerweile bestimmen über 25.000 Windkraftanlagen bundesweit das Landschaftsbild. Moderne Windkraftanlagen überragen mit einer Höhe von bis zu 200 Metern den Kölner Dom, der „nur“ 158 Meter hoch ist. Die bis zu 60 Meter langen Rotoren durchpflügen den Himmel dabei auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern. Die Spitzen der Rotoren erreichen mit über 200 km/h die Geschwindigkeit eines Sportwagens; für viele Vögel und Fledermäuse ist das eine Todesfalle – so wie es in Boisheim sein wird, da ist sich auch der BUND sicher.

Die NEW Re, als Tochtergesellschaft der NEW, plant an der Boisheimer Nette den Bau von vier Windkraftanlagen die mit einer Höhe von 200 m den Kölner Dom überragen werden.
„Es gibt viele offene Fragen“, so Horst Meister (BUND) und bemängelte die fehlende Information der Behörden an die Naturschutzvereine und Bürger. „Zudem sehen wir viele Stellen wo wir bezweifeln, dass die Arten- und Naturschutzbelange ausreichend behandelt wurden.“
Darunter der Lebensraum der Kiebitze, die in diesem Gebiet sesshaft sind. Der Kiebitz wurde in 2015 auf die Rote Liste der gefährdeten Vogelarten gesetzt. Nun soll für sie ein Ersatzbrutbereich geschaffen werden, indem Flächen jährlich rotierend den Kiebitzen angeboten werden, die dann von Fläche zu Fläche wandern sollen.

„Windindustrieanlagen sind, wie im Prinzip alle Industrieanlagen, unter diversen Aspekten umweltschädlich. Ihre Produktion ist energie- und materialintensiv, sie verbrauchen Flächen, sie verdichten und versiegeln Böden, sie gefährden und verdrängen die Fauna“, führt die Initiative „Vernunftkraft.de“ aus. „Mindestens in seiner Eigenschaft als Teil seiner Umwelt verdient es auch der Mensch, bei einer ökologischen Bewertung von erneuerbaren Energien im Allgemeinen und von Windkraftanlagen im Speziellen berücksichtigt zu werden. Was den Schutz dieser Spezies betrifft, sind die gesetzlichen Vorschriften innerhalb Deutschlands uneinheitlich und harren einer wissenschaftlich fundierten Überprüfung und Anpassung.“ (ots/cs)