Die jecke Welt traf sich auf dem Remigiusplatz

Drei Hammerschläge in Dülken, drei Bollerschüsse in Viersen weckten den Hoppeditz aus seinem langen Schlaf. Viel länger als gewohnt hatte er geschlafen und umso freudiger wurde er von den Karnevalisten willkommen geheißen.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen – Auf den Remigiusplatz und nicht wie in der Vergangenheit auf den Sparkassenvorplatz lud der Festausschuss Viersener Karneval in diesem Jahr zum Hoppeditzerwachen ein, wo Edi Tusch aktuell mit seinem Genießerdorf „Winter Weihnacht Viersen“ die kalten Monate erwärmt. Ihren Zug durch die Innenstadt ließen sich die Gesellschaften aber dennoch nicht nehmen und zogen kurzerhand mit dem Viersener Tambour Corps 1925 e.V. einmal hin und dann wieder zurück, wo sie bereits von Musiker Roland Zetzen und zahlreichen Gästen erwartet wurden.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Bevor dann das Programm an diesem Abend unter der Moderation von Senatspräsident Frank Schiffers so richtig durchstarten konnte, zündete traditionell die Viersener Prinzengarde ihr Kanone und so hallten drei Böllerschüsse über den Platz, bis sie vom Kirchturm der St. Remigiuskirche aufgefangen wurden. Wer bis dahin nicht jeck war, der war es jetzt und damit in bester Stimmung um den ersten tänzerischen Höhepunkt auf der Bühne begrüßen zu können. Die Tanzgarde Alt-Viersen 2020 e. V. heizte den Karnevalisten ein und übergab, nach einer kurzen musikalischen Pause, das schunkelnde Publikum an die Tanzgarde der Blau Wette Jonges.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming
Viel länger als gewohnt hatte der Hoppeditz geschlafen und umso freudiger wurde er von den Karnevalisten willkommen geheißen. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming
Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ebenfalls nicht fehlen durften an diesem Abend die De Üühle und ebenfalls die Möhne aus Alt-Viersen schüttelten bei ihrem Tanz den letzten Lockdown-Schlaf aus den Gliedern, bevor dann das schönste, was Viersen in der kommenden Session zu bieten hat, endlich den ersten Auftritt der Session absolvieren konnte. Lothar II. und Regina I. (Beeck) stehen bereits in den Startlöchern um ihre Regentschaft in Viersen zu übernehmen. Noch bis Anfang Januar allerdings müssen sich die beiden gedulden. Ab dann starten sie als närrische Tollitäten durch – wobei, eigentlich haben sie das närrische Virus ja sowieso im Blut.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming
Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Mit dem passenden Motto: „Et kann komme wat will – Viersche bliv jeck“ ist Lothar Beeck seit langem im Karneval aktiv und gehörte bereits dem Elferrat der KG Hoseria an. Seit dem Ruf der Roahser Jonges zum ersten Kinderprinzenspiel seines Sohns Anton gehört er dem Elferrat der Roahser Jonges an und begleitet aktiv den Kinderkarneval. Regina Beeck engagiert sich seit 2000 im Viersener Karneval. Bei der KG Hoseria tanzte sie bei den Tanzdamen mit, seit 2015 ist sie Roahser Möhn. Alle drei Söhne – Anton, Jakob und Oskar – waren Kinderprinzen in Viersen.

Beide sind nicht nur während der Session dem Brauchtum treu. Im Sommer sind sie als Schützen in der St. Josefs und St. Gereon Schützenbruderschaft Krefelder Straße aktiv, zu St. Martin zeichnen sie sich seit 18 Jahren verantwortlich für den Umzug in der Sektion und der künftige Prinz ist im Dezember als Nikolaus unterwegs.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Den Tollitäten in Spee zu Ehren schwang zu später Stunde auch die Prinzengarde Viersen ihre Beine, gut, nicht ganz so hoch wie die der sich anschließenden Süchtelner Tanzgarde – es ist allerdings auch kaum möglich mit den charmanten Mädels aus Süchteln tänzerisch mitzuhalten. Beide Garden, so unterschiedlich sie nur sein können, schürten noch einmal die Lust am närrischen Brauchtum. Als langsam das Ende der Veranstaltung eingeläutet wurde, und die Senatoren des Festausschusses dann zudem noch kurzerhand die Bühne eroberten, war der jecke Neustart gelungen und es zeigte sich, die karnevalistische Familie steht auch nach einer Lockdownpause fest zusammen. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming
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