Die Jecken überrannten das Süchtelner Rathaus

Es war das erste Rathaus, welches am Altweiberdonnerstag in die Hand der Karnevalisten fiel. Die Süchtelner Vereine hatten gemeinsam mit den Prinzenpaaren eine starke Gemeinschaft gebildet, deren Sturm die Verwaltung nichts entgegenzusetzen hatte.
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman

Viersen-Süchteln – Die Ornate waren für die Eröffnung des Straßenkarnevals noch einmal aufpoliert worden und strahlten meist in schwarz-gelben Farben, unter die sich ein schickes Grün gemischt hatte. „Wenn nicht jetzt, wann dann“, so das erklärte gemeinsame Ziel, denn es galt einen närrischen Sieg davonzutragen. Nicht irgendeinen Sieg, schließlich sollte mit ihm nach der Grundschule in Boisheim das erste Rathaus am Altweibertag in die Hände der Narren fallen.

Die Süchtelner Dreistadtmöhnen verteidigten das Rathaus mit der Viersener Obrigkeit. Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Traditionell hatten sich die Vereine bereits vor dem Sturm auf das Rathaus zusammengefunden, um bei einem Zug durch die Innenstadt mit Musik, den Prinzenpaaren und mit kräftigen Soetlsche-Muuresoat-Rufen den engagierten Verteidigern an der Tönisvorster Straße auf „die Pelle“ zu rücken. Angeschlossen hatten sich erneut die Schornsteinfeger, die den Angreifern mittlerweile seit 25 Jahren glücksbringend erfolgreich zur Seite stehen.

Drinnen im Warmen hatte sich die Obrigkeit verschanzt mit dem CDU-Ortsbürgermeister Wolfgang Genenger und der Beigeordneten Çigdem Bern, die zu einem listigen Trick mit zuckersüßen Feen, Rittern und Prinzessinnen aus der Kindertagesstätte Gehlingsweg und den Möhne als Blockade gegriffen hatten. Der Vorsatz keinen Karnevalisten hereinzulassen und mit großen Schildern abzuwehren, der mag zwar edel gewesen sein, jedoch mit vereinten Kräften ließen die Jecken den städtischen Verteidigern keine Chance, obwohl der Kampf sogar in einem Schokladenregen gipfelte. Für Prinz Josef II. eine willkommene Gabe, auch wenn Genenger ihn beim Naschen erwischte.

Ebenfalls die Süchtelner Tollitäten durften nicht fehlen. Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Der Tanz der Möhne im Rathaus unterstrich die Niederlage, der Sieg wurde auf dem Lindenplatz bei der anschließenden Eröffnung des Straßenkarnevals ausgiebig mit den Tänzen der Brook Müerkes, der Süchtelner Tanzgarde, den fast akrobatischen Tanzschritten vom Prinzengarde-Marichen Sina Otten und natürlich den Sessionsliedern der Prinzenpaare gefeiert.

Dass es zwischendurch leicht nieselte war allerdings hoffentlich keine Vorhersage für die kommenden Tage. Wie der Sturm auf das Dülkener Rathaus verlaufen ist, darüber berichtet meine Kollegin, an die ich nun gerne weitergebe. Ich bleibe noch etwas hier, denn wo man so herzlich aufgenommen wird wie hier in Süchteln, da verweilt man mit Freude noch einige Stunden. (ea)

Bis Aschermittwoch gehört ihnen die närrische Macht. Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz
Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz