Die Ki Ka Kai a holte Ostfriesland nach Boisheim

Boßeln, der traditionelle friesische Volkssport, den in Ostfriesland jeder beherrscht bevor er das Laufen erlernt, eroberte am vergangenen Wochenende auch Viersens vierten Stadtteil, der mit viel Leidenschaft ganz nebenbei um die vierte Mispel im Stadtwappen kämpft.

Viersen-Boisheim – Das beheizte Zelt an der Nettetaler Straße füllte sich pünktlich zum Start mit zwölf Teams und vielen Neugierigen, denn die Karnevalsgesellschaft Ki Ka Kai a 1902 Boisheim e. V. lud bereits zum dritten Mal, und damit in guter niederrheinischer Tradition, zum Boßel-Turnier mit Bollerwagen und Kräuterbitter ein. Rund drei Stunden lang ging es auf die Straßen von Boisheim, geführt von einem echten ostfriesischen Original, um die Boßel mit möglichst wenigen Würfen zu platzieren.

Mit der Boßel, einer Kugel aus Gummi oder Holz, manchmal sogar aus Eisen mit einem Durchmesser von 9 – 12,5 cm, konnte am Ende das Team „2-Gummi – 4-Bären-Bande“ den Tagessieg und einen glänzenden Pokal mit nach Hause nehmen. Eine Veranstaltung, mit der die Karnevalisten das Beste aus zwei Welten vereinten, bevor dann beim traditionellen Schweineblut mit Tombola, Grünkohl und Pinkel an die „gute alte Zeit“ im Boisheimer Gockel gedacht und die Mannschaftsführer mit einem dreifachen „Lüch up un fleu herut“ begrüßt wurden.

Historiker sehen den Ursprung des Boßelns im Klootschießen, das seine Anfänge als Sport oder Spiel vor ca. 400 – 500 Jahren in den nördlichen Küstenregionen Europas hatte. Das „Kloot“ war ein Erdklumpen (Kluten), der nach verschiedenen Theorien aus Marschboden zu Kugeln geformt und in der Sonne getrocknet oder gebrannt wurde. Diese Kugeln wurden wahrscheinlich als Waffe benutzt, die die Küsten- und Marschbewohner nutzen um sich gegen Seepiraten und Feinde zu wehren. Eine andere Theorie geht vom Klootwerfen aus, bei dem die Kugeln an einer Leine befestigt wurden um Holzstücke an Land zu ziehen. Alle Theorien sprechen von einer hohen Präzision der Werfer, später entstand dann daraus ein Volksspiel, aus dem im Laufe der Zeit das Boßeln entstanden sein soll. (re)

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