Die Lüge vom Balderich

Nach einer Fabel sollen Roland und Balderich Brüder gewesen sein. Sie gehörten zum Hof Karl des Großen, der in der Nähe zu Gladbach seine Pfalz Aachen erbaut hatte. Es geht noch weiter: Die Gebrüder seien Neffen des großen Kaisers gewesen sein. Als Markgraf der Bretagne habe Balderich in den Pyrenäen gekämpft und dabei sein Leben für Karl verloren haben. Ähnliches erzählt man von Roland.

Mönchengladbach – Vom Grafen Balderich wissen wir letztlich nichts Genaues. Zu jener Zeit trugen viele Ritter den Namen Balderich. (Deshalb ist die Geschichtsschreibung vorsichtiger als mancher Stadtführer). Auf jeden Fall tauchen Balderich und seine Gemahlin Hitta im Totenbuch der Abtei Gladbach auf. (1120-1140). Das Totenbuch benennt nur Wohltäter der Abtei und der Stadt.

974 kamen die ersten Mönche nach Gladbach und fanden eine funktionstüchtige Kirche vor. Die Stiftung des Balderich muss eine normale Pfarrkirche gewesen sein. Balderich hat seine Kirche mit einem reichen Reliquienschatz ausgestattet.

Aufgrund des gesamten historischen Zusammenhangs in karolingischer und ottonischer Zeit ist dieser Balderich einigermaßen sicher mit Balderich von Friaul zu identifizieren.

Seine Frau Hitta hatte auch Bezug zu Karl dem Großen und stammte eventuell aus sächsischem (= niedersächsisch-westfälischem) Adelsgeschlecht.

Die Balderiche waren verwandt mit der mächtigsten Familie in Lothringen, den Reginaren. Die Balderiche und Reginare standen in Opposition zu den Ottonen und zu Herzog Konrad dem Roten, der die Ungarn bis Maastricht geführt hat. (Die Ungarn sollen auch die kleine Kirche vom Balderich geplündert und teilweise zerstört haben)

Da es keine Bilder vom Balderich gab, hat der Bildhauer Emil Hollweg (1882–1943) seinen Bruder Roland für diese Statue genommen. (Hollweg ist verwandt mit dem heutigen Bürgermeister Michael Schroeren) Die Statue besteht aus Muschelkalk, ein Naturmaterial in dem Kalkstein, Fossilien und Muscheln enthalten sind. Ein Denkmal des Balderich aus dem Jahr 1912 steht in Mönchengladbach auf der Rathausstraße, außerdem gibt es eine Balderichstraße und auch eine Hittastraße.

Danke an den Stadtführer (Nachtwächter) Franz-Josef Wirtz, Stadtarchiv MG/Gerd Lamers und mags

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