Die närrische Stimmung war nach drei Kanonenschlägen und einem Ritt um die Mühle hellwach

Dem Hoppeditz bei seiner Auferstehung um 11.11 Uhr am gestrigen Sonntag zur Seite stehen wollten nicht nur zahlreiche Karnevalisten und die Viersener Vereine, sondern ebenfalls viele närrische Zuschauer. Mit drei Kanonenschlägen wurde traditionell der Auftakt der närrischen Jahreszeit am Sparkassenvorplatz gefeiert – doch wer es nicht pünktlich schaffte, dem bot sich in Dülken eine zweite Chance mit einzigartigem karnevalistischem Flair.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Foto: Rheinischer Spiegel

Viersen/Dülken – Der gemeinsame Zug der Karnevalisten durch die Innenstadt bot ein buntes Bild der Vereine in allen Farben, die in der Sache vereint die närrische Session einläuten wollten, während sich am Sparkassenvorplatz bereits viele Zuschauer um die Bühne scharrten. Hoppeditzerwachen und Karnevalauftakt – ein Moment pünktlich um 11.11 Uhr, der von der Viersener Prinzengarde mit drei Kanonenschüssen weithin hörbar gemacht wurde bevor die Garde die Bühne für die Tanzgruppen und Vereine freigab, die ihr Können unter Beweis stellen wollten. Unter ihnen die Tanzgarden der Blau-Wette-Jonges, die Tanzgarde Alt-Viersen, die Viersener Mispelblüten, die Möhnen, der KV de Üüle Dülken oder die Süchtelner Tanzgarde, die bereits am Abend zuvor ihr Können bei der Süchtelner Proklamation bewiesen hatten und von ihrem neuen Prinzenpaar Gregor I. und Daniela I. begleitet wurde. Großen und kleinen Jecken präsentierten die Veranstalter ein zum Glück Regen-freies Programm bis in den Nachmittag hinein, bei dem nicht nur geschunkelt werden durfte, sondern auch die Stimme stark beansprucht wurde.

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Wer dann noch nicht nach Hause wollte oder wer am Morgen nicht den Weg in die Innenstadt gefunden hatte, dem bot sich am Abend ein närrisches Bild an der illuminierten Dülkener Narrenmühle. Hier kamen erneut die Karnevalisten zusammen für eine weltweit einmalige Veranstaltung: dem Ritt um die Narrenmühle. Mit ihm und mit drei Hammerschlägen starten die Dülkener in jedem Jahr hier in den Karneval – in der kommenden Session mit dem Motto „Dölke fiert en wett on ru-et met alle Vierscher’“.

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Schon 1505 traf man sich an einer Mühle, damals noch an der Tränkenmühle vor dem Süchtelner Tor außerhalb der Stadtmauer und des Stadtbanns. Sie war die „Ur“-Mühle, die zunächst im Jahr 1800 durch einen Orkan zerstört und nach dem Wiederaufbau 1880 bei einem Brand zerstört wurde. 1809 baute dann Witwe Holtz die heutige Narrenmühle zur Nutzung als Kornmühle vor dem Gladbacher Tor. „Seit 1810 treffen wir uns an dieser Mühle, die im 1906 an die Stadt Dülken, damals freie Hansestadt Dülken, übergeben wurde“, so Rector magnificus Dr. Volker Müller in seiner Ansprache. „Unsere Mühle ist das Wahrzeichen von Dülken. Wir lieben unsere Mühle alle. Wir haben sie auch gehegt und gepflegt, haben vor einigen Jahren einen Förderverein gegründet, damit die Mühle immer restauriert werden kann“, fuhr Dr. Müller fort.

Ob aber die Narrenmühle im kommenden Jahr bereits saniert sein werde, das stehe noch in den Sternen. Ein teures und aufwändiges Verfahren weshalb der Rector magnificus um Unterstützung für ihren Erhalt warb. Doch nicht nur der Ritt um die Narrenmühle war Teil des Abends, schließlich werden hier traditionell die Dülkener Prinzenpaare verabschiedet, das „große“ Prinzenpaar symbolhaft mit der Prinzenkette entkleidet. Kinderprinz Niels II., der bis zum Ende seiner Dankesrede die Tränen zurückhalten konnte, beendete seine mittlerweile zweite Session in Folge unter viel Beifall, nicht anders erging es Prinz Andreas I. und Prinzessin Carina I. (dt)

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