Die Narrenmühle ist wieder to huus in Dölke

Im April war die Dülkener Narrenmühle demontiert worden, um in der niederländischen Mühlenbauer-Werkstatt Beijk restauriert zu werden. Nun ist sie wieder zu Hause, bis zum Hoppeditzerwachen sollen die Arbeiten beendet sein. 
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen-Dülken – Der Platz der Narrenmühle sah in den vergangenen Monaten ein wenig „nackt“ aus. Nachdem 2017 bei routinemäßigen Kontrollen Schäden am sogenannten Hausbaum festgestellt worden waren, welcher den drehbaren Teil der Bockwindmühle trägt, wurde die Mühle zunächst mit einer Stahlkonstruktion abgesichert. Im vergangenen April machte sich das Dülkener Wahrzeichen dann auf den Weg in den niederländischen Mühlenbau-Betrieb Beijk um in der dortigen Werkstatt restauriert zu werden.

Im April war die Dülkener Narrenmühle demontiert worden, um in der niederländischen Mühlenbauer-Werkstatt Beijk restauriert zu werden. Nun ist sie wieder zu Hause, bis zum Hoppeditzerwachen sollen die Arbeiten beendet sein.  Foto: Rheinischer Spiegel

Von den Mühlenbauern wurden marode und nicht mehr tragfähige Hölzer durch neue Teile ersetzt, Teile des Bocks wurden durch eine ergänzende Konstruktion verstärkt. Die Arbeiten schritten planmäßig voran. Teurer als ursprünglich geplant wurde die Restaurierung jedoch, denn im März 2020 berichtete die Verwaltung, dass die Restaurierungskosten voraussichtlich etwa 105.000 Euro über dem Planansatz liegen werden – hierbei ist es geblieben. Das Land NRW förderte die Restaurierung mit 90 Prozent der ursprünglich veranschlagten Kosten von 460.000 Euro. Für diese Förderung hatte der Förderverein Narrenmühle das Gebäude in einem auf 99 Jahre angelegten Erbbaurechtsvertrag übernommen. Die Stadt erhält vom Verein einen jährlichen Mietzins von 11,11 Euro.

Von den Mühlenbauern wurden marode und nicht mehr tragfähige Hölzer durch neue Teile ersetzt, Teile des Bocks wurden durch eine ergänzende Konstruktion verstärkt. Foto: Rheinischer Spiegel

In dieser Woche wurde mit dem Wideraufbau der Mühle begonnen. Hierbei fiel die Stahlkonstruktion auf, die nun im Inneren die Mühle stützt. Wenn der Aufbau beendet ist, wird dieses Moderne „Accessoire“ nicht mehr zu sehen sein. Zudem wurden originale und neue Holzbauteile durch Verleimung und zimmermannsmäßige Verbindungen druck- und zugfest miteinander verbunden. Morsche sogenannte Zapfen wurden mittels Epoxidharz und Vernadelungen mit dem Holzbalken wiederhergestellt. Besonders interessant ist, dass eine Laboruntersuchung Überraschendes zu Tage brachte, denn die Mühle ist womöglich älter als bisher angenommen. Bei den Rückbauarbeiten wurden Farbreste gefunden, die laut Laboranalyse aus der Zeit um 1722 stammen. Das heißt, dass die Mühle selbst schon aus dieser Zeit stammen könnte. Bisher wurde als Baujahr 1809 angenommen.

In dieser Woche wurde mit dem Wiederaufbau der Mühle begonnen. Foto: Rheinischer Spiegel

Die Mühle gilt als Wahrzeichen von Dülken. Bis zum Jahr 1950 befand sich dort ausschließlich ein Museum. Danach wurde die Mühle an die Narrenakademie der „Berittenen Akademie der Künste und Wissenschaften“ („Academia Equestris Artium et Scientiarum“) abgegeben, die von da an im unteren Teil weiterhin ein Narrenmuseum unterhält und im oberen Teil, im sogenannten „Weisheitssaal“, ihre Sitzungen abhält. Am 11. November jedes Jahres treten die Mitglieder der Narrenakademie (früher vornehmlich Akademiker, Kaufleute und Stadträte) ihren Narrenritt auf hölzernen Steckenpferden um die Windmühle an und eröffnen damit die Dülkener Karnevalssession. Eigentlich sollte der Beginn der närrischen Session auch in diesem Jahr mit dem Ritt um die Narrenmühle gefeiert werden. Dieser fällt Corona-bedingt zwar aus, bis zum 11.11. soll die Narrenmühle nach den aktuellen Planungen dennoch wieder im „alten“ Glanz erstrahlen. (dt)


Abbau der Dülkener Narrenmühle schreitet voran

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