Die Spargelsaison beginnt – Erntehelfer dringend gesucht

Nicht nur am Niederrhein konnten bereits die ersten Spargelvorläufer geerntet werden. Doch immer noch fehlen Erntehelfer und während einige Landwirte bereits hoffen die diesjährige Spargelernte meistern zu können, werden dringend weitere Helfer gesucht.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Region – Die Erdhügel wirken, als wären sie mit dem Lineal gezogen. Über jedem ist eine weiße Plastikbahne gezogen. Ein ungewöhnliches Bild und das Fragezeichen über meinem Kopf scheint sichtbar geworden zu sein. „Wir versuchten die Ernte hinauszögern“, sagt mein netter Landwirt von nebenan. „Der Spargel wird langsamer reif, wenn die Folie von der schwarzen Seite auf die weiße gedreht wird.“ Ungefähr vierzehn Tage könnte er mit diesem Trick die Ernte herauszögern, denn normalerweise werden auf den riesigen Feldern rund 400 Tonnen Spargel geerntet. Mehr als 100 Helfer sind dann im Einsatz, die meisten aus Rumänien und Polen, denn die Arbeit, die mit dem gesetzlichen Mindestlohn bezahlt wird, ist hart.

„Keiner meiner üblichen Erntehelfer hat es nach Deutschland geschafft oder wollte kommen“, berichtet er. „Meine polnischen Kräfte hätten noch über die Grenze gekonnt, aber sie haben Angst vor dem Virus in Deutschland. Dagegen stehen Helfer auf Rumänien an der Grenze mit ihren Arbeitspapieren und dürfen sie nicht passieren.“ Diese Arbeit ist jedoch für die Familien wichtig, ist sie doch häufig das Einzige, was sie ernährt.

Foto: GuentherDillingen/Pixabay

Neun Helfer stehen jetzt auf dem niederrheinischen Hof bereit und es ginge dabei nicht nur um den Spargel. Auch die ersten Grünpflanzen müssten jetzt gesetzt werden, denn es geht hier neben einer lückenlosen Versorgung auch um die Existenz der Landwirte. Vier seiner neuen Helfer kommen übrigens aus der Gastronomie. Als Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vorschlug Beschäftigte aus der Gastronomie als Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft einzusetzen, habe er zunächst auch den Kopf geschüttelt. Die Ministerin selbst hatte harsche Kritik mit ihrem Vorschlag geerntet. Auf seinen Rundruf hin hätten sich aber tatsächlich Menschen aus der Gastronomie gemeldet.

Viele vergessen, dass die Konservendosen, die sie hamstern, gefüllt werden müssen. Ohne die Landwirtschaft weltweit wird das nicht möglich sein. Diese haben bereits mehrfach in den vergangenen Wochen darauf hingewiesen, dass Grundnahrungsmittel in ausreichender Menge auch in diesem Jahr erhältlich sein werden. Doch es wird schwieriger, denn jedes Jahr beschäftigen die deutschen Bauern rund 300.000 Saisonarbeiter aus Osteuropa, häufig aus Rumänien.

Verschiedene Plattformen helfen deshalb dabei Landwirte und Saisonarbeiter zusammenzubringen, denn neben wichtigen Pflanz- und Pflegearbeiten steht gerade jetzt die Spargel- und Erdbeerenernte vor der Tür. Um Hilfswillige und Landwirte zusammenzubringen, bieten der Gesamtverband der deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) und Deutscher Bauernverband (DBV) mit der SinD GmbH das Online-Portal www.Saisonarbeit-in-Deutschland.de an. Auf diesem können Landwirte ihren Betrieb und die Jobangebote für Saisonarbeiter einstellen und so von interessierten Helfern, die die Suche auch regional begrenzen können, schnell und unkompliziert gefunden werden. Eine Kontaktaufnahme erfolgt dann über die vom Landwirt angegeben Kontaktdaten (in der Regel Telefon oder E-Mail). Aufgrund der aktuellen Krisensituation erhebt die SinD GmbH bis 30. Juni 2020 keine Gebühren (sonst 102 Euro/Jahr).

Ebenfalls der Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauer e. V. versucht zu helfen. Freiwillige können sich unter Angabe ihrer Personalien wie auch der Region, in der sie tätig werden können, unter erntehelfer@provinzialverband.de melden. Hinzu kommt die Seite bauersuchthilfe.de. Bereits rund 4.000 Helfer und Landwirte haben sich hier kostenfrei registriert. Diese Initiative ist eine Idee, die von vier Freunden und Kollegen ins Leben gerufen wurde, um Landwirten in Deutschland dabei zu helfen. (cs)

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.