Die Zukunft des deutschen Handels

Die Krisenjahre 2020 und 2021 haben besonders den stationären Einzelhandel getroffen. Während der Online-Handel boomte und etablierte große Online-Marktplätze, wie Amazon Rekordumsätze machten, musste der stationäre Einzelhandel ihre Türen schließen.

Service – Die Entwicklung nach dem Lockdown zeigt aber, dass die Kunden gezielt ihre Einkäufe in lokalen Geschäften tätigen, um diese zu stärken.

E-Commerce und stationärer Handel

Die Umsätze durch E-Commerce steigen seit Jahren steil an, während die Zahlen des stationären Handels, auch vor der Coronakrise schon rückläufig waren. Kunden wollen bequem von der Couch, dem Schreibtisch oder auch unterwegs Produkte einsehen und kaufen können. Allein im Jahr 2021 hat der Online-Handel im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzplus von 19 % erzielen können und erwirtschaftete so 86,7 Milliarden Euro. Aktuell zeigen die Zahlen zwar auch im Einzelhandel ein gutes Wachstum an, trotzdem wird der Handel der Zukunft eine Mischung aus Einkaufserlebnis vor Ort sein und der Nutzung von E-Commerce-Angeboten.  

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Einzelhandel der Zukunft

In der Zukunft wird der Einzelhandel sein Stärken noch besser ausspielen müssen und das Beste aus dem E-Commerce in das eigene Angebot implementieren. Dazu gehört vorwiegend das Einkaufserlebnis. Gründe das Ladenlokal zu besuchen, sind für die meisten Kunden primär das haptische Gefühl ein Produkt in die Hand nehmen zu können und unter Umständen auch testen zu können. An zweiter Stelle liegt das Beratungsgespräch, die gezielte Kundenansprache entscheidet, ob ein Kunde im Laden ein Produkt kauft. 

Gerade die geringere Warenauswahl muss kein negativer Punkt sein. Bei einer zu großen Anzahl an verfügbaren Produkten, kommt es schnell zu dem Auswahlparadoxon, das heißt, der Kunde kann sich nicht für ein Produkt entscheiden und geht mit leeren Händen nach Hause. Eine geringere, dafür aber gezielte Auswahl an hochwertigen Produkten, die effektiv beworben werden können, kann den Kunden in der Auswahl entlasten.

E-Commerce und stationärer Handel in Synergie

Die Digitalisierung im Handel ist ein Kernthema. Durch sie können Arbeitsschritte optimiert werden und Mitarbeiter produktiver arbeiten. Kann der stationäre Handel Elemente des E-Commerce für das eigene Ladenlokal nutzen, können gerade kleinere Unternehmen in der Zukunft so einen großen Mehrwert bieten. Die Möglichkeit online Produktabfragen durchzuführen, Informationen zu erhalten und gleichzeitig die Warenverfügbarkeit abzufragen, implementiert die bequemen Lösungen des E-Commerce in das Ladenlokal. Die Kombination, Waren online zurücklegen zu lassen und dann vor Ort ausprobieren zu können und ein fundiertes Beratungsgespräch zu erhalten, ist ein großer Vorteil gegenüber reinen Online-Händlern. In Zukunft wird der stationäre Handel nur mit dieser Implementierung bestehen können.

Handel der Zukunft

Der Handel der Zukunft wird dominiert von der Digitalisierung. In mehr als 50 % der Geschäfte kann man schon jetzt Bargeld- und kontaktlos auch mit dem Smartphone oder der Smartwatch bezahlen. Die Coronakrise hat diesen Vorgang sogar noch beschleunigt. Gerade der Bezahlvorgang wird in Zukunft noch weiter optimiert, bis der Einkaufsvorgang im Ladenlokal komplett überwacht wird. Durch Gesichtserkennung wird in Zukunft der Kunde erkannt und einem Kundenkonto zugewiesen. Mit verschiedenen Sensoren werden dann Produkte erfasst, die im Einkaufswagen platziert werden und beim Verlassen des Ladenlokals direkt mit dem hinterlegten Konto oder der Kreditkarte abgerechnet.

 Warteschlangen an Kassen gehören somit der Vergangenheit an und das Personal bekommt hauptsächlich eine beratende Funktion, um das Kundenerlebnis noch besser zu gestalten. In einigen Ländern und Städten gibt es zu diesem Modell auch schon einige Pilotversuche, oder auch etablierte Geschäfte in Asien. So kann es möglich werden, Produkte 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche anzubieten, wie es Paradise Shisha in Düsseldorf mit einem Automaten umsetzt. Kunden werden so auch zu schwierigen Verkaufszeiten erreicht.

Augmented Reality im E-Commerce

Für den E-Commerce wird es umfangreiche AR-Lösungen geben, um Produkte besser betrachten zu können. Schon jetzt ist es möglich über Augmented Reality neue Möbel in einen Raum zu stellen, Kleidungsstücke anzuprobieren, oder neue Frisuren zu testen. Diese Lösungen werden in Zukunft noch detaillierter werden und in einer Vielzahl von Bereichen eine Anwendung finden. In der Filiale selbst können neben den Produkten so technische Daten oder andere Informationen eingeblendet werden.  Digitale Lösungen werden in Zukunft noch einen großen Einfluss auf unser Einkaufsverhalten haben und E-Commerce sowie den stationären Handel immer näher zusammenbringen.

Einkaufen als Erlebnis

Gerade der stationäre Handel wird den Einkauf als Erlebnis gestalten müssen. Dem Kunden müssen neben der Beratung und dem Vor-Ort-Testen der Produkte Anreize geschaffen werden, die Filiale zu besuchen. Gleichzeitig wird es immer wichtiger werden, beispielsweise über Social-Media-Kanäle den Kunden an das Unternehmen zu binden. Das Geschäft wird so nicht nur zu einem Ort, um sich neue Produkte anzuschaffen, sondern ein Ort, um sich gezielt über neue Produkte zu informieren. Berater sollen Spezialisten sein, auf deren Urteil man sich verlassen kann und deren Persönlichkeit für das Geschäft steht. Die soziale Bindung an das Geschäft wird die Kundentreue nur noch weiter steigen lassen. (opm)

 

Ein Kommentar

  1. Sehr interessanter Artikel! Insbesondere das von Google ins Leben gerufene „lokale Inventar“ stellt für den stationären Einzelhändler eine vielversprechende Möglichkeit dar, den Konsumenten vor einem Ladenbesuch auch die Produktverfügbarkeiten anzuzeigen.

    Leider bedarf es gerade im Hinblick auf dieses Google-Feature noch einer gewissen Missionierung.

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