Diebstähle auf Friedhöfen: Tatort Grabstätte

Noch in diesem Januar kündigte die Stadt Viersen an, dass der Kommunale Ordnungsdienst seine Kontrollen auf den städtischen Friedhöfen verstärken würde. Eine Streife in den Nachmittagsstunden und am Wochenende sollte helfen den zunehmenden Beschwerden der Friedhofsnutzern entgegen zu wirken.

Viersen – Die nicht angeleinten Hunde oder das Fahrrad gerade in Nutzung, über das sich gerne aufgeregt wird, sind nicht seltener geworden und auch Vandalismus und Diebstahl werden immer wieder festgestellt. Noch im November gab es größeren Vandalismus auf dem Dülkener Friedhof. Bestehende und frisch ausgehobene Grabstellen waren betroffen. Dabei wurden sogar Trauerfeiern so sehr gestört, dass der Kommunale Ordnungsdienst eingreifen musste.

Auf dem Süchtelner Friedhof wurde gerade erst vor Weihnachten ein Grabstein umgeschmissen, Gräber verwüstet, Blumen gestohlen. Ebenfalls andere Gräber litten, auf dem Viersener Friedhof wurde von einem frischen Kindergrab eine Figur gestohlen.

„Drei Mal wurden bei uns Steingewächse und Schalen gestohlen. Das Grab meines Mannes hege und pflege ich, ist Ort der Trauer und Gedenken. Unsere Stadtverwaltung sollte mehr tun und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln aktiv werden. Die Toten zu bestehen, das ist furchtbar, hier muss gehandelt werden.“

Hildegard G., Süchtelner Friedhof

Mittlerweile ist nichts mehr sicher, längst sind nicht mehr nur Kupfer- oder Bronzefiguren im Blick der Diebe. Figuren ohne materiellen, aber mit viel emotionalem Wert verschwinden auf  Nimmerwiedersehen. Es war ein weißer filigraner Engel, keine fünf Euro wert, der im Oktober vom Grab eines achtjährigen Mädchens verschwand, die Eltern starteten einen umfassenden Aufruf quer durch alle Netzwerke – ohne Erfolg.

„Unser Grab war noch frisch, als unsere Gusseiserne Grablampe gestohlen wurde. Diese dreisten Diebstähle sind pietätlos, sie sind erbärmlich. Es ist eine absolute Frechheit. Krank und verkommen sind diese Diebe.“

Gustav B., Viersener Friedhof

Es braucht nicht lange um auf einem Viersener Friedhof jemanden zu finden, der bereits von einem Diebstahl betroffen ist. Seien es nun Blumen, die sogar teilweise ausgegraben werden, oder Figuren. Nimmt der Respekt vor den Toten, den Erinnerungen der Angehörigen in unserer Gesellschaft einen so geringen Stellenwert ein, dass sogar dabei vergessen wird, dass es sich hierbei nicht um ein „einfaches“ Diebstahldelikt handelt? Die Störung der Totenruhe kann mit einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden. Ist es das wert?

Wichtig ist, dass alle Diebstähle zur Anzeige gebracht werden, die Dunkelziffer nicht weiterhin hoch ist. Diebstähle, mit denen die Täter in die Privat- und Trauersphäre einbrechen. Nur mit einer Anzeige jedoch kann sich die Polizei ein Bild von der Häufigkeit der Diebstähle machen und aktiv werden. (pl)

Foto: re