Diktäische Höhle auf Kreta – Wo der göttliche Zeus das Licht der Welt erblickt haben soll

Nur zehn Minuten von Psychro entfernt, auf dem Lassithi Plateau, liegt die Diktäische Höhle, auch als Zeushöhle oder Höhle von Psychro bekannt. Mittlerweile ist sie ein touristischer Hotspot auf der Insel Kreta. Der Weg hinauf ist beschwerlich, dennoch sollte auf den Einsatz der Eseltaxis verzichtet werden.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Kreta/Griechenland – Auf einer Höhe von 1.025 Metern eröffnet sich auf dem kretischen Lassithi Plateau die Höhle von Zeus, die in jedem Jahr den Touristenbussen angefahren wird. Legenden und Mythen ranken sich um die Diktäische Höhle, denn nachdem der Titan Kronos seine Kinder verschlungen haben soll um seine Macht zu erhalten, soll seine Frau Rhea Zeus in dieser Höhle geboren und beschützt haben. Anstatt ihres Sohnes gab sie Kronos einen in eine Windel gewickelten Stein, den der Vater verschlang und wonach Zeugs von den Nymphen Adrasteia und Ide aufgezogen wurde.

Überhaupt soll es Zeug häufig zurück in diese Höhe gezogen haben. So berichtet die Mythologie von Europa, der Tochter des phönizischen Königs Agenor. Zeus verliebte sich in sie und um sich vor den Blicken seiner argwöhnischen Gattin Hera zu schützen, verwandelte er sich in einen Stier. Auf seinem Rücken entführte er seine Angebetete und schwamm mit ihr auf die Insel Kreta mit dem Ziel der Diktäischen Höhle, wo er sich zurückverwandelte und Europa verführte. Der Verbindung mit dem Gott entsprangen drei Kinder: Minos, Rhadamanthys und Sarpedon.
Die Legende spinnt sich weiter, denn nachdem König Minos in dieser Höhle geboren wurde, soll er alle zwei Jahre, als die Umlaufbahnen des Mondes und der Sonne zusammenstießen, die Diktäische Höhle besucht haben um hier auf seinen Vater Zeus zu treffen, der ihm Gesetze für seine Regentschaft übergab.

Foto: Rheinischer Spiegel

Die Höhle ruft auch in späterer Zeit die Geschichtenschreiber auf den Plan. Der berühmte Seher und Philosoph Epimenides lebte im 5., 6. oder 7. Jahrhundert vor Christus auf Kreta. Er gehörte dem enthusiastischen Kult des Zeus und der Kureten an, mit dem auf Kreta eine geheime Priesterweisheit verbunden war. In der Diktäischen Höhle soll er ganze 57 Jahre lang geschlafen haben – in dem Moment seines Aufwachens war er nicht gealtert und soll während seines Schlafens die göttliche Weisheit erlangt haben. Wie gut, dass die Harpyien zu dieser Zeit bereit ausgezogen waren. Riesige weibliche Monster mit Vogelköpfen und Frauenkörpern, die Hades, der Herrscher der Unterwelt, als Boten genutzt haben soll.

Entdeckt wurde die Höhle im späten 19. Jahrhundert von Einheimischen. Nachdem antike Funde in der Höhle zum Vorschein kamen, wurde die Höhle auch für Archäologen interessant, allerdings gab es zudem zahlreiche illegale Grabungen. Viele Stücke verschwanden so im Laufe der Zeit, dennoch, einige sind im Museum in Heraklion zu besichtigen. Aufgrund der Funde ist davon auszugehen, dass die Höhle seit 2800 vor Chr. als Wohnsitz und für Bestattungen genutzt wurde, um 2000 vor Chr. wurde die Höhle zu einer Anbetungsstätte.

Foto: Rheinischer Spiegel

Mittlerweile haben sich in Psychro nicht wenige Restaurants angesiedelt, ebenfalls Parkplätze sind vorhanden. Von dem Hauptparkplatz aus führen zwei Wege zur Höhle des Zeus. Der einfachste Weg ist links gelegen, der ursprüngliche Weg rechts ist mittlerweile ausgetreten und rutschig. Es besteht die Möglichkeit ein Eseltaxi zu nutzen, wobei mit Blick auf den Tierschutz und das immer wieder aufgedeckte Leid der Tiere diese Reisemöglichkeit keine Empfehlung darstellt. Oben angekommen eröffnet sich den Besuchern ein atemberaubender Blick auf das Lassithi Plateau. Tickets sind in unmittelbarer Nähe der Höhle erhältlich.

Mit einer Fläche von 2.200 Quadratmetern ist allerdings auch der Abstieg in die Höhle ein kleiner Kraftakt, auch wenn die Wege gut gestaltet und ausgeleuchtet sind. Rund 250 Meter führt der Pfad durch die Höhle, der geprägt ist von Felsstücken, von Stalaktiten sowie Stalagmiten. In dem kleinen, wassergefüllten See hinterlassen viele gerne ein Geldstück und den hoffnungsvollen Gedanken einer Rückkehr auf die facettenreiche griechische Urlaubsinsel. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel