DLRG Barometer: Mindestens 504 Todesfälle und fehlende Schwimmbäder

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland mindestens 504 Menschen ertrunken. Rund 60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. Bereits 25 Prozent der Grundschulen haben keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad – oder müssen zum Teil lange Wege auf sich nehmen. Zahlen, die die Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) bekannt gab.

Deutschland – 435 Männer und Frauen, das sind rund 86 Prozent der Opfer, verloren in Flüssen, Bächen, Seen und Kanälen ihr Leben. „Hatten wir im vorherigen Jahr durch den per se ausgebliebenen Sommer verhältnismäßig geringe Ertrinkungszahlen, bewies das langanhaltende Sommerwetter nun, dass es leider auch anders gehen kann“, beklagte Achim Wiese, Pressesprecher der größten Wasserrettungsorganisation der Welt.

Die meisten Todesfälle ereigneten sich an den ungesicherten Badestellen, vor allem im Binnenland. Dort kamen 435 Menschen ums Leben, das entspricht etwa 86 Prozent der Gesamtzahl. 161 starben in Flüssen, 233 in Seen und Teichen. „Binnengewässer führen leider noch immer die Ertrinkungsstatistiken an, denn sie werden in den seltensten Fällen von Rettungsschwimmern bewacht. Das Risiko, zu ertrinken, ist hier deutlich höher. Wir stehen Kommunen und Landkreisen weiterhin mit Gefahrenexpertise und Rettungsschwimmern zur Verfügung, man muss nur auf uns zukommen“, erklärt Achim Haag, Präsident der DLRG. Ein schlichtes Badeverbotsschild halte die wenigsten davon ab, ins Wasser zu gehen. In Schwimmbädern fanden mit 29 Badegästen vergleichsweise wenige den nassen Tod.

Foto: Pexels

Die Anzahl der Opfer ist 2018 insgesamt um 19,8 Prozent auf 504 gestiegen. Der Sommer im Jahr 2018 setzte bereits im April ein und ab da stiegen die Ertrinkungszahlen sukzessive an. Viele Menschen sehnten sich bei schönstem Wetter nach Abkühlung und gingen oft zu sorglos ins Wasser. Das beweisen allein die Monate Juni und Juli, in denen allein 212 Menschen im Wasser ums Leben kamen – 42 Prozent der Gesamtzahl. Andere Gründe sind erneut auch Alkoholmissbrauch und Selbstüberschätzung. Im Geschlechtervergleich liegt der Anteil der Frauen bei rund 18 Prozent, Männer bilden abermals die Risikogruppe. „Das lässt sich meist auf Leichtsinn, Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung zurückführen“, so Pressesprecher Wiese. Negativ sind auch die Ergebnisse bei den jungen Menschen ausgefallen. Elf Kinder im Grundschul- und 15 im Vorschulalter ertranken im Wasser.

Eine besondere Risikogruppe bilden weiterhin die Flüchtlinge. Im vergangenen Jahr ertranken 33 Asylsuchende, die so gut wie alle Nichtschwimmer waren. Die DLRG hat hier bereits gehandelt und die Baderegeln in über 25 Sprachen übersetzt: https://www.dlrg.de/informieren/regeln/uebersetzungen-baderegeln.html.

Wie in den Vorjahren ertranken die meisten Menschen in Bayern. Im Freistaat kamen 89 Personen ums Leben. Auf Rang zwei liegt Nordrhein-Westfalen mit 63, gefolgt von Niedersachsen (61) und Baden-Württemberg (62) sowie Hessen (36) und Mecklenburg-Vorpommern (31).

DLRG-Präsident Haag: „Hier ist vermutlich auch ein Zusammenhang mit der zurückgehenden Schwimmfähigkeit und den anhaltenden Bäderschließungen in Deutschland zu sehen.“ Seit Jahren kritisiert die DLRG immer wieder vehement die sich verschlechternden Rahmenbedingungen für die Schwimmausbildung. Immer mehr Schwimmbäder schließen oder werden in so genannte Spaßbäder umfunktioniert, in denen an Schwimmausbildung nicht mehr zu denken ist. In der Folge werden Wartezeiten für Schwimmkurse länger. „Wir müssen Bäder erhalten, Bäder bauen und nicht wegrationalisieren. Schließungen gehen zu Lasten der Wassersicherheit der Bevölkerung und bezahlbarer sozialer Angebote“, mahnt Haag.
Die möglichen Folgen sind schon jetzt absehbar: Rund 60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. Bereits 25 Prozent der Grundschulen haben keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad – oder müssen zum Teil lange Wege auf sich nehmen. Vor diesem Hintergrund hat die DLRG unter dem Titel „Rettet die Bäder“ eine bundesweite Online-Petition ins Leben gerufen, um auf das Thema aufmerksam zu machen und dem anhaltenden Negativtrend entgegenzuwirken. Mindestens 50.000 Unterschriften sind das Ziel, damit diese direkt an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags weitergereicht werden. Alle weiteren Informationen dazu unter www.rettet-die-baeder.de.