Drei Jahre nach der Umgestaltung erhitzt der Viersener Casinogarten erneut die Gemüter

Gefahrensituationen, Ratten, Angsträume und ein kostenintensiver Brunnen ohne Wasser – nur einige Punkte, die nach der Umgestaltung des Casinogartens vor drei Jahren noch heute für Diskussionen sorgen. Eine Neugestaltung, bei der zudem Stilelemente der Landschaftsarchitektur der 50er bis 70er Jahre und ein Zeugnis Viersener Geschichte zerstört wurden.

Viersen – Seinen Namen erhielt der Casinogarten durch das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Casino, ein Gesellschaftshaus für die gebildete Bürgerklasse. Heute noch ist der Grundriss sichtbar. Die damals dort liegenden privaten Gärten wurden nach und nach zu einer öffentlichen Parkanlage ausgeweitet, und so sehr der Casinogarten tagsüber der Erholung dient, so sehr wächst in den Abend- und Nachstunden die Angst den Park zu durchqueren. Dabei hat sich daran seit 2013 nichts geändert, als unter Bürgermeister a. D. Günter Thönnessen (SPD) die Neugestaltung des Casinogartens geplant und in 2014 fertig gestellt wurde, die 281.000 Euro verschlang.

Schon bei der Bürgerinformation Mitte 2013 platzte der kleine Saal im Ev. Gemeindehaus aus allen Nähten, kein Platz war mehr frei als es um die Erweiterung von rund 3.000 qm ging. Immer wieder fiel der Wunsch nach mehr Licht im Casinogarten um die dunklen Ecken auszumerzen, die schon zu dieser Zeit für Unbehagen sorgten. Wolfgang Halberkann, zu dieser Zeit der Leiter der städtischen Betriebe, wies darauf hin, dass für zusätzliche Leuchtmittel das Geld nicht reichen würde, wohl aber ein neuer Brunnen würde entstehen, an dem die Kinder, die den nahe gelegenen Spielplatz nutzen, Wasser sammeln könnten. Die Frage nach einer „altmodischen“ Pumpe wurde abgewiegelt, mit dem Brunnen auf die gestalterische Planung verwiesen. ‚Ob denn auch die Pflege des Casinogartens und des Brunnens gesichert wäre‘, fragte Almut Grytzmann-Meister vom BUND Viersen, die ebenfalls die geplanten Baumfällungen kritisierte. Andere Anwesende gaben zu bedenken, dass die 1953 angelegten Wasserbecken in den 70er Jahren einfach zugeschüttet wurde. Mit der Reaktivierung könnte Geld eingespart werden, das später in die Pflege und Erhaltung fließen könnte. Die Pflege und Erhaltung wäre durchgeplant, so die Antwort der städtischen Verantwortlichen, dem Vandalismus sollte durch mehr Besucher die Stirn geboten werden.

Heute, rund drei Jahre später, zeigt sich der Kinderspielplatz verdreckt, in den Büschen wohnen Ratten, die sich in den Müllresten wohlfühlen. Die Erinnerung an die geplanten Musikveranstaltungen, mit denen der gewonnen Platz gefüllt werden sollte, sind verblasst. Im Januar 2014 versuchte Jutta Curtius, Landschaftsarchitektin AKNW und Sachverständige gemeinsam mit dem Heimatverein Viersen auf die erhaltenswerten Bereiche aufmerksam zu machen. Doch die Stilelemente der Landschaftsarchitektur der 50er bis 70er Jahre, mit denen der Casinogarten als einer der wenigen erhaltenen Gärten punktete, sind in Teilen zerstört worden, in den immer noch dunklen Ecken kommt es immer wieder zu Gefahrensituationen bei denen nicht selten Drogen im Spiel sind. Auch tagsüber huscht gerne die eine oder andere Ratte an den Büschen vorbei, während der vielgepriesene Brunnen in diesem Jahr trocken blieb.

In den sozialen Netzwerken wird das fehlende Wasser bereits seit der Fertigstellung diskutiert, immer wieder blieb der Brunnen bei sommerlichen Temperaturen ausgeschaltet. Damit er wieder sprudeln kann müssten Chemikalien, zugesetzt werden, denn der Brunnen muss nach EU-Richtlinien Trinkwasserqualität haben. Hierzu muss das Brunnenwasser unter anderem durch den Zusatz von Chlor, Chlordioxid oder Natriumhypochlorit oder durch Ozon aufbereitet werden. Die EU-Trinkwasserverordnung trat bereits 1998 in Kraft, lange vor dem Bau des Brunnens im Casinogarten. Im Jahr 2015 wurde die Verordnung „Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch“ erweitert, bestätigt man unserer Redaktion in Brüssel auf Nachfrage, trotzdem hätten viele Städte schon im Vorfeld vorgesorgt, den Bau ihrer Brunnen an ganz unterschiedliche Eventualitäten angepasst. Sogar Trinkwasserbrunnen wurden in die Stadtplanung aufgenommen, in Düsseldorf alleine sind es sieben. Als Trinkwasserbrunnen war das Wasserspiel im Casinogarten nicht geplant, obwohl bereits bei der Bürgerinformation auf die Gegebenheiten mit spielenden Kindern von der Stadt Viersen selber hingewiesen wurde und hier ebenfalls mit dem Verzehr des Wassers bei den Kindern gerechnet werden konnte. Weil das Zusetzen der Chemikalien im Casinogarten aufgrund der technischen Gegebenheiten problematisch ist, bleibt der Brunnen in Viersen deshalb erst einmal trocken. Wie lange, das steht noch nicht fest und so erhitzen sich weiter die Gemüter zu dem Brunnen der viel Geld verschlang und der damals wie heute heiß diskutiert wird. (dt)

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