Drei Meter lange Python am Hammer Bach ausgesetzt um von Haushaltsdebakel abzulenken

Anwohner berichteten von einem behördlich aussehenden Fahrzeug, das im Schutz der Dunkelheit ein über drei Meter langes und rund 60 kg schweres Tier freigelassen hätte. Aus gut unterrichteten Kreisen konnte in Erfahrung gebracht werden, dass die Verantwortlichen anscheinend mit dem Vorfall hoffen von dem Debakel um den nicht beschlossenen Viersener Haushalt 2019 abzulenken.

Viersen/Pocke – Kurz vor Jahresende war es im Viersener Stadtrat erneut zu einem herben Rückschlag der Bürgermeisterin und einer Entscheidung gegen die aktuelle Arbeitsweise der Verwaltung gekommen: Linke, FDP, FürVie und CDU haben mit der Mehrheit im Stadtrat die Abstimmung zum Haushalt auf April 2019 verschoben. Sie möchten auf Fakten anstatt auf Prognosen setzen, denn ob die Stadt die schwarze Null schafft stand am Abend der Beratungen nicht fest. Auch die Diskussion darüber, ob die von der SPD für sinnvoll befundenen Steuererhöhungen wirklich nötig seien, prägte die Sitzung.

Doch Linke, FDP, FürVie und CDU wollen die Stadt nicht in Schutt und Asche legen, wie ihnen von Rednern anderer Parteien unterstellt wurde, sondern lediglich bestätigte Zahlen abwarten. Kurz vor Silvester nun hat sich das fast herausgeschriene Weltuntergangsszenario der Verwaltungsspitze nicht bestätigt. Um unangenehme Fragen zu umgehen scheinen die Verantwortlichen deshalb auf ein skandalträchtiges Thema zurückzugreifen – eine Riesenpython am Hammer Bach.

Collage: Rheinischer Spiegel

Rheinischer Spiegel-Redakteur S. A. Tire sprach mit dem einem „Maulwurf“, der den aktuellen Vorgang unvermindert zugab: „Die Python wird in den kommenden Tagen die Nutrias am Weiher vertreiben oder Gänse verschlingen und keinen Ihrer Leser wird das Haushaltsdesaster interessieren. Die Tierschützer werden Sturm laufen.“ Ähnliche Vorgehensweisen hätten in der Vergangenheit hervorragend funktioniert. Mit zielgerichtet hervorgerufenen medienwirksamen Meldungen wäre so mancher Skandal im öffentlichen Interesse untergegangen. Sollte die Python nicht ausreichen, hätte man bereits DNA des ausgestorbenen Velociraptor (lat. velox ‚schnell‘, raptor ‚Räuber‘) angefordert, um diese in die Hammer Gänse zu injizieren. Damit sei eine 100%-Unter-den-Tisch-Kehrung sichergestellt. Bis zu den verschobenen Haushaltsberatungen, mit eventuell weiterhin nicht bestätigten Fakten, seien so die Schlagzeilen auf den Titelseiten und Stammtischdiskussionen sicher. (S. A. Tire/Pocke)

„Entwarnung, denn eine Python im Hammer Bach gibt es (zumindest aktuell) natürlich nicht, die verschobene Haushaltsabstimmung dagegen schon. Bedauerlich bzw. geradezu vielmehr bezeichnend, dass die kritischen Fragen im aktuellen Mainstream zu dem städtischen Haushalt fehlen. Ein für die Arbeit vieler Vereine wichtiger Haushalt der jetzt im Nirwana hängt, weil er die Mehrheit im Stadtrat und erfahrene Ratsmitglieder nicht überzeugen konnte.“ (Kommentar dt)

7 Kommentare

  1. Das Thema Haushalt Viesen ist leider nicht interessant genug. Es geht aber jeden Viersener an. Vielleicht erreichen Sie so die Masse die sich bisher nicht interessiert hat. 😉

  2. Diese Bürgermeisterin war die falsche Wahl. CDU oder unabhängig wären beide besser gewesen. Hoffentlich denken die Wähler daran wenn sie ihr Kreuz machen.

  3. Gute Satire, ähnlich wie die Rede des Hoppeditz, ist eine Kunst. Sie kann der Politik einen Spiegel vor halten und Kritik üben. Perfekt umgesetzt in diesem Bericht. Mit Grüßen aus Mönchengladbach, ich lese gerne bei Ihnen weiter.

Kommentare sind geschlossen.