Drei-Phasen-Modell für den Tourismus-Neustart am Niederrhein

Tourismus ist die Wirtschaftsbranche, die von der gegenwärtigen Krise am härtesten betroffen ist. Aktuell befindet sich die Branche nahezu im freien Fall. Die Lage ist dramatisch, es droht eine riesige Pleitewelle. „Die Branche wird sich voraussichtlich nicht vor 2023 wieder erholen“, sagt Martina Baumgärtner, Geschäftsführerin des Niederrhein Tourismus.

Niederrhein – Damit Tourismus-Strukturen nicht dauerhaft wegbrechen, brauchen die Betriebe und Akteure dringend Perspektiven und finanzielle Hilfen, fordert der Dachverband Tourismus NRW, dessen Vorstand Martina Baumgärtner angehört. Wichtig sei die Aussicht auf Normalität und Rückführung des Geschäftes. Wie der Handel müsse auch der Tourismus die Chance erhalten, seine weiteren Entwicklungsstufen zu planen und sich darauf vorbereiten zu können.

In einem Schreiben an die Landes- und die Bundesregierung hat NRW-Tourismus einige Bedingungen genannt, die für einen Neustart der Branche unerlässlich seien. So bedürfe es in einem fortschreitenden Öffnungsprozess klarer Regelungen für Maßnahmen des Gesundheitsschutzes wie Abstand, Hygienemaßnahmen, Bedenklichkeit von Kontakten und Umgebungen.
Die Tourismusbetriebe benötigen aber auch noch für eine längere Zeit einen Mix aus Krediten und nicht zurückzuzahlenden Zuschüssen. Ein entsprechendes Förderprogramm für Betriebe der Gastronomie, der Hotellerie und für Freizeiteinrichtungen müsse sofort aufgelegt werden. Vor allem die Betriebe über 50 Beschäftigte hätten derzeit keinen Zugang zu direkten Zuschüssen.

Für eine Rückkehr des Tourismus zurück zu einer Normalität hat der Verband ein Drei-Phasen-Modell entwickelt. Die ersten beiden Phasen einer vorsichtigen Lockerung und Öffnung setzen vor allem auf einen eingeschränkten Individualtourismus mit Möglichkeiten der Bewegung an frischer Luft, kleineren Erlebnissen der Familien, der Nutzung einzelner gastronomischer Angebote sowie dem Besuch von Einrichtungen wie etwa Tiergärten oder der Landesgartenschau in Kamp-Lintfort.
Damit sich der Tourismus als Wirtschaftsfaktor wieder neu etablieren könne, müssten darüber hinaus in Phase 3 auch Veranstaltungen, Events, größere Meeting-Formate, Veranstaltungen unterhalb der „Großveranstaltungen“, Gruppenreisen, Wellness- und andere Einrichtungen wieder in die Lage versetzt werden, öffnen bzw. stattfinden zu können, sagt Martina Baumgärtner.