Dülken: Maria 2.0 ist in St. Cornelius weiter aktiv – Sieben Thesen katholischer Frauen

Bundesweit haben Frauen der Protestbewegung Maria 2.0 am vergangenen Wochenende sieben Thesen in 22. Bistümern an gut 1.000 Dom- und Kirchentüren geschlagen. Ebenfalls in Dülken waren Frauen aktiv und wiesen auf Missstände in der katholischen Kirche hin.

Viersen-Dülken – Die Hammerschläge hallten über den Alten Markt in Dülken, als das „Neue-Wege-Team“ die „7 Thesen“ der Bewegung Maria 2.0 unmittelbar nach der Veröffentlichung mit Zustimmung von Pfarrer Nienkerke auch an die Kirchentüren von St. Cornelius gehängt haben.

„Die Inhalte sind auf der Grundlage des Evangeliums geschrieben. Nur in der Begeisterung für Jesu Botschaft, kann die Verkündigung der Kirche auch in heutiger Zeit in der Seelsorge in Wort und Tat glaubwürdig sein. Es geht um die gleiche Würde und die gleichen Rechten aller Menschen. Aus der Überzeugung, Jesu Botschaft mitten ins Leben – in Kirche und Gesellschaft – zu tragen, ist es auch urchristliche Aufgabe, den Menschen in all ihren Brüchen und schwierigen Lebenslagen beizustehen“, so Liesel Jesse, Martina Beinhoff und Maria Czurda. „Denn auch unser Gemeinwesen muss im Sinne Jesu verantwortlich, gerecht und nachhaltig wirtschaften für alle Menschen in Gesellschaft und Umwelt. Von allen Seiten bedarf es offene wohlwollende Gesprächsbereitschaft. Die Kirche braucht unterschiedliche Dienste, unabhängig vom Geschlecht, nämlich Menschen, die sich mit gottgeschenkten Talenten und Charismen da einbringen, wo sie leben. Da sich all diese Inhalte auch aus den 7 Thesen ergeben, schließen wir uns diesen vollumfänglich an.“

Foto: Maria Czurda

Neuer Thesenanschlag nach 500 Jahren – Mit diesem Thesenanschlag im gesamten Bundesgebiet wies die Protestbewegung Maria 2.0 auf die eklatanten Missstände in der katholischen Kirche hin und untermauert damit die Forderungen nach Reformen hin zu einer zukunftsfähigen, geschwisterlichen und vielgestaltigen Kirche.

1. #gerecht – gleiche Würde – gleiche Rechte
In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern. Denn Menschenrechte und Grundgesetz garantieren allen Menschen gleiche Rechte – nur die katholische Kirche ignoriert das. Mannsein begründet heute Sonderrechte in der Kirche.

2. #partizipativ – gemeinsame Verantwortung
In unserer Kirche haben alle teil am Sendungsauftrag; Macht wird geteilt. Denn der Klerikalismus ist heute eines der Grundprobleme der katholischen Kirche und fördert den Machtmissbrauch mit all seinen menschenunwürdigen Facetten.

3. #glaubwürdig – respektvoller Umgang und Transparenz
In unserer Kirche werden Taten sexualisierter Gewalt umfassend aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen. Ursachen werden konsequent bekämpft. Denn viel zu lange schon ist die katholische Kirche ein Tatort sexueller Gewalt. Kirchliche Machthaber halten immer noch Informationen zu solchen Gewaltverbrechen unter Verschluss und stehlen sich aus der Verantwortung.

4. #bunt – leben in gelingenden Beziehungen
Unsere Kirche zeigt eine wertschätzende Haltung und Anerkennung gegenüber selbstbestimmter achtsamer Sexualität und Partnerschaft. Denn die offiziell gelehrte Sexualmoral ist lebensfremd und diskriminierend. Sie orientiert sich nicht am christlichen Menschenbild und wird von der Mehrheit der Gläubigen nicht mehr ernst genommen.

5. #lebensnah – ohne Pflichtzölibat
In unserer Kirche ist die zölibatäre Lebensform keine Voraussetzung für die Ausübung eines Weiheamtes. Denn die Zölibatsverpflichtung hindert Menschen daran, ihrer Berufung
zu folgen. Wer diese Pflicht nicht einhalten kann, lebt oft hinter Scheinfassaden und wird in existentielle Krisen gestürzt.

6. #verantwortungsvoll – nachhaltiges Wirtschaften
Unsere Kirche wirtschaftet nach christlichen Prinzipien. Sie ist Verwalterin des ihr anvertrauten Vermögens; es gehört ihr nicht. Denn Prunk, dubiose Finanztransaktionen und persönliche Bereicherung kirchlicher Entscheidungsträger haben das Vertrauen in die Kirche tiefgreifend erschüttert und schwinden lassen.

7. #relevant – für Menschen, Gesellschaft und Umwelt.
Unser Auftrag ist die Botschaft Jesu Christi. Wir handeln danach und stellen uns dem gesellschaftlichen Diskurs. Denn die Kirchenleitung hat ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Sie schafft es nicht, sich überzeugend Gehör zu verschaffen und sich im Sinne des Evangeliums für eine gerechte Welt einzusetzen.