Dülken: Platanen am Tien Anton sollen gefällt werden

Der Ausschuss für Klima- und Umweltschutz beschäftigt sich kurzfristig mit der Fällung beider Platanen, die bisher Tien Anton geschützt haben. Bei den Bauarbeiten war ein Konflikt mit den Versorgungsleitungen aufgefallen. Eine Viersener Bürgerinitiative kritisiert das „Hauruck-Verfahren“, welches den ökologischen Wert der Platanen nicht im Blick habe. Dabei könnten die Bäume erhalten werden. 
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman

Viersen-Dülken – Erst in den vergangenen Tagen wurde kurzfristig ein neuer Punkt auf die Tagesordnung des Ausschusses für Klima- und Umweltschutz gesetzt, der am Dienstag dieser Woche, 5. Oktober, ab 16.30 Uhr im Sitzungssaal des Forums am Viersener Rathausmarkt tagt – für die meisten interessierten Arbeitnehmer eine schwierige Uhrzeit.

Neben der bereits bekannten Umstellung des Abfallbeseitigungssystems in Viersen, entscheidet der Ausschuss nur wenige Tage vor der nächsten Ratssitzung über die Fällung beider Platanen am Tien Anton. Diese sollen durch einen standortgerechten Baum mit entsprechenden Wurzelschutzmaßnahmen zu ersetzt werden, um Leitungsschäden an den vorhandenen Versorgungsleitungen und die damit einhergehenden Gefahren zu verhindern.

Im Rahmen des Baufortschritts auf der Lange Straße haben sich erhebliche Probleme anhand von Baumwurzel-Rohrleitung-Interaktionen gezeigt, die vorab nicht aktenkundig gewesen seien. Hierzu gehören ebenfalls die Platanen, die eine deutliche Interaktion von Stark- und Grobwurzeln mit einer Gasleitung sowie einer Transportwasserleitung aufweisen wurden. Auffallend ist dabei die Tatsache, dass die Stadt Viersen selbst darauf hinweist, dass bereits im Vorfeld bekannt war, dass im Untergrund der Platanen diverse Versorgungsleitungen verlegt wurden. „Jedoch hatte sich keiner der Leitungsträger, die bereits im Rahmen der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange, also bereits zum Zeitpunkt der Entwurfsplanung, involviert wurden, kritisch zu Verbleib beider Bäume in diesem Bereich geäußert“, so die Verwaltungsvorlage. „Beide Leitungen liegen im Eigentum und Betrieb der NEW-Netz. Wie sich für städtische Bauleitung erst jetzt durch die konkrete Nachfrage ergeben hat, sind beide Bäume bereits als „Gefahrenbäume“ im Zuge der Erstellung eines Leitung-Baum-Katasters, welches die NEW-Netz für Bäume im Nahbereich von Gasleitungen erstellt hat, der Stadt aber bislang noch nicht vorliegt, deklariert.“

Sicherlich gäbe es Möglichkeiten die Bäume zu erhalten, so die Verwaltung, hierzu sei „eine Freilegung der Leitungen an den Interaktionsstellen und massiver Rückschnitt der dort befindlichen Wurzeln zwingend erforderlich. Aufgrund statischer Erfordernisse wären korrespondierende Rückschnitte an den jeweiligen Baumkronen unausweichlich notwendig, um die Standsicherheit der Bäume zu gewährleisten und den Wurzeltrieb im Leitungsbereich zu unterbinden. Auch wenn für den Baum vor Hausnummer 19 noch keine so umfassende Erkundung im Bereich der Gasleitung auf gesamter Länge durchgeführt worden ist, wäre auch hier ein Wurzel- und Kronenrückschnitt zu erwarten, jedoch allein aufgrund des größeren Abstandes zur Gasleitung wahrscheinlich in einem merklichen aber nicht so erheblichen Ausmaß. Die Kronenrückschnitte müssten jährlich erneuert werden, was die Kapazitäten der Kollegen des FB 92/II massiv binden würde.“ Die Stadt Viersen führt weiter aus, dass durch den Rückschnitt der Charakter der beiden Bäume auf ein Minimum reduziert werden würde.

Ein Vorgehen, welches von der Bürgerinitiative Viersen-Hamm klar kritisiert wird, denn die Planungen der Umgestaltung der Lange Straße laufen bereits seit Jahren. Die Bürgerinitiative fragt deshalb in einem öffentlichen Post warum man die Gefährdung der Versorgungsleitungen nicht viel früher erkannt hat. „Warum erst jetzt? Es entsteht der Eindruck, dass hier kurzfristig eine Entscheidung getroffen werden soll, die von großen Teilen der Bevölkerung kritisch gesehen werden wird. Jetzt soll praktisch im Hauruck-Verfahren eine Entscheidung getroffen werden, ohne die Bevölkerung in die Entscheidung mit einzubeziehen“, so die BIVH. „Die Versorgungsleitungen im Bereich der Platanen am Remigiusplatz wurden auch verlegt. Die Blauensteinstraße sollte breit genug sein, um die Versorgungsleitungen auf die rechte Straßenseite (vom Kesselsturm ausgesehen) zu verlegen. Geht es hier eventuell um Zusatzkosten, die nicht in die Planung einbezogen wurden? Wird der ökologische Wert der zwei Platanen ausreichend gewürdigt? Wohl kaum!“ Sie ruft deshalb alle Interessierten dazu auf an der Sitzung des Ausschusses teilzunehmen. (ea)

Der Ausschuss für Klima- und Umweltschutz beschäftigt sich kurzfristig mit der Fällung beider Platanen, die bisher Tien Anton geschützt haben. Foto: Rheinischer Spiegel