Dülkener Narrenmühle darf wieder strahlen – Ministerin nahm Eröffnung vor

Sie ist wieder da und auch wieder zugänglich: Die Dülkener Narrenmühle. Am Samstag wurden Narrenmühle, Museum und Weisheitssaal feierlich in kleinem Rahmen nach einer umfangreichen Sanierung wieder eröffnet.
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman

Viersen-Dülken – Die Flügel der Narrenmühle drehen sich wieder und können jedem Neugeborenen der Stadt mit dem Stripke nun wieder einen kleinen Schlag Humor verpassen, damit er oder sie vielleicht in einigen Jahren am 11.11. um die Narrenmühle reiten werden. Das Dülkener Wahrzeichen ist schon eine Besonderheit, umso schmerzvoller war der Abbau, nachdem 2017 bei routinemäßigen Kontrollen Schäden am sogenannten Hausbaum festgestellt worden waren, welcher den drehbaren Teil der Bockwindmühle trägt.

Im März 2020 startete die niederländische Mühlenwerkstatt Beijk die Demontage der Mühle, um die Grundsanierung in der firmeneigenen Werkstatt in Afferden durchzuführen. Parallel dazu wurde das Konzept für die Neugestaltung des Museums durch den Kölner Museumsgestalter Günter Marquardt und der Grafikgestalterin Sandra Marquardt zusammen mit Dr. Arie Nabrings entwickelt.

„Ohne Fantasie kann es keine Güte und keine Weisheit geben. Nun haben Sie ganz viel Fantasie entwickelt, wie man die Dülkener Narrenmühle wieder im alten Glanz erstrahlen lassen kann. Denn wie will man Weisheit erlangen, wenn man den Weisheitssaal nicht nutzen kann“, so Ina Scharrenbach. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Mittlerweile steht die Narrenmühle bereits seit einigen Monaten wieder am vertrauten Ort. Die Corona-Pandemie allerdings sorgte für Verzögerungen bei den Elektro-, Schreiner- und Malerarbeiten. Im August endlich abgeschlossen, konnte so nun an diesem Wochenende feierlich die Mühle mit dem neugestalteten Museum wieder eröffnet werden. Ein kleiner Kreis, dem sich als Gäste unter anderem der Landtagsabgeordnete Dr. Marcus Optendrenk (CDU), Stefan Vander (Sparkasse Krefeld), Jürgen Cleven (Vorstandsvorsitzender Volksbank Viersen), Christian Canzler (Beigeordneter Stadt Viersen) oder Dr. Martin Plum (Bundestagskandidat der CDU Kreis Viersen), anschlossen, stießen auf die Wiedereröffnung gerne an. Dr. Arie Nabrings nutzte als Rector magnificus der Narrenakademie die Gunst der Stunde und begrüßte die aufgrund der Corona-Situation übersichtlich gehaltene Runde der Gäste und Redner.

V. l.: Vorsitzender des Fördervereins der Narrenmühle Dr. Volker Müller, Ministerin Ina Scharrenbach, Rector magnificus Dr. Arie Nabrings. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Zu diesen gehörte ebenfalls Ministerin Ina Scharrenbach, die gerne zur Eröffnung der Narrenmühle nach Viersen gekommen war. „Ohne Fantasie kann es keine Güte und keine Weisheit geben. Nun haben Sie ganz viel Fantasie entwickelt, wie man die Dülkener Narrenmühle wieder im alten Glanz erstrahlen lassen kann. Denn wie will man Weisheit erlangen, wenn man den Weisheitssaal nicht nutzen kann“, so Ina Scharrenbach. „Ich habe nicht herausgefunden, ob sie eigentlich nur am 11. November auf Ihren Steckenpferden reiten dürfen oder ob Sie das auch unterjährig heimlich tun.“

Sie habe sich überlegt, mit der Fantasie, welche die Mitglieder der Narrenakademie haben, um die Mühle wieder in einen nutzbaren Zustand zu bringen, dass viele Menschen auf ihren Steckenpferden in die Niederlande geritten sein müssen, um dort Unternehmer und Handwerk zu finden, die fähig waren die Narrenmühle wieder in den heutigen Zustand zu versetzen. 520.000 Euro hat die „staatliche Obrigkeit“ den Narren zur Verfügung gestellt, doch einiges mehr als der ursprüngliche Kostenrahmen geplant war. Ihrer leichten und aufgeschlossen närrischen Rede schlossen sich unter anderem als Vorsitzender des Fördervereins der Narrenmühle Dr. Volker Müller und Ortsbürgermeisterin Simone Gartz an. „Was wäre Dülken ohne unsere Narrenmühle, ohne unser Wahrzeichen“, erinnerte Simone Gartz. „Es ist uns das Herz gebrochen, als es hieß, sie ist nicht mehr standfest. Mein Dank gilt allen Beteiligten, allen Dülkenerinnen und Dülkenern, ohne deren Unterstützung unsere Mühle heute nicht mehr stehen würde.“ Sie alle hoffen, dass der Ritt um die Narrenmühle in diesem Jahr wieder stattfinden kann.

„Was wäre Dülken ohne unsere Narrenmühle, ohne unser Wahrzeichen“, erinnerte Simone Gartz. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Passend zur Eröffnung präsentiert sich ab 22. August die Narrenmühle in vielerlei Hinsicht in neuer Gestalt. Im obersten Bereich ist die alte Mühlentechnik authentisch ablesbar. Eine grundlegende Überarbeitung erfuhrt der sogenannte Große Weisheitssaal, indem die Wandverkleidung der 60er Jahre entfernt und die alte Wandkonstruktion freigelegt wurde. Er dient nicht nur den Senatoren der Narrenakademie für ihre Versammlungen, sondern steht ebenfalls auf Wunsch auch als Trauraum dem Standesamt zur Verfügung.

Im unteren Bereich hat das Museum wieder seinen Platz gefunden. Die Ausstellung offenbart in zwölf Wandvitrinen die Geheimnisse der Narrenakademie. Daneben sind Kuriositäten, Literatur und Kleidungsstücke ausgestellt. Besucher können Zusatzinformationen über QR-Codes abrufen. Alles ist darüber hinaus auf der zur Eröffnung passend neu gestalteten Webseite www.die-narrenmuehle.de hinterlegt. Geöffnet ist die Narrenmühle von Mai – September immer sonntags von 11 – 12 Uhr. Zudem können jederzeit Sonderführungen über die Webseite oder die Telefonnummer 0177 5144522 vereinbart werden. (ea)