E-Mobilität, künstliche Intelligenz & Co. – NRW-Minister Pinkwart informierte sich in Viersen

Bereits seit Frühjahr 2018 nutzt der Online-Supermarkt Picnic einen Teil der ehemaligen Kaiser’s-Hallen an der Ernst-Moritz-Arndt-Straße. Was mit der „Bananenhalle“ angefangen hat, ist mittlerweile auf rund 10.00 qm angewachsen und so ganz reicht der Platz dennoch nicht. Am Freitag nutzte NRW Minister Prof. Dr. Andreas Pinkwart die Möglichkeit einer Führung, um einen Einblick in das Fulfillment Center in Viersen zu erlangen.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen – Längst werden nicht mehr nur in Viersen die Bestellungen für ganz Deutschland koordiniert. Picnic wächst stetig und alleine während der Corona-Pandemie mussten sich über 90.000 Menschen in der Warteschleife gedulden. „Mit dem Picnic Fulfillment Center befand sich der Mittelpunkt unserer Logistik von Anfang an in Viersen“, sagte Frederic Knaudt aus dem Gründerteam von Picnic in Deutschland. „Dort packen wir jeden Tag Bestellungen für unsere Kunden und auch viele unserer Mitarbeiter leben in der Stadt.“

Dass die Idee stetig wächst liegt gerade während der aktuellen Situation auf der Hand, denn für viele ist die kontaktlose Lieferung ein bedeutender Faktor einen Blick in die Picnic-App zu werfen. Zudem bringt der online Einkauf eine wichtige Zeitersparnis mit sich. Alleine zwei Stunden Einkaufen pro Woche summiert sich auf zwanzig Arbeitstage im Jahr, hinzu kommen durchschnittlich 912 km und rund 230 kg Abfall.

„Es hat uns sehr gefreut, dass sich Minister Prof. Dr. Pinkwart einen eigenen Eindruck davon gemacht hat wie Picnics Geschäftsmodell genau funktioniert“, sagt Frederic Knaudt aus dem Gründerteam von Picnic in Deutschland. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Neben dem Service verwies Frederic Knaudt zudem auf die Nachhaltigkeit, denn die Kunden bestellen bequem im Internet und wählen ein Zeitfenster für die Lieferung. Durch die App ist es möglich, dass der Kunde die Bestellung im Live-Radar verfolgen kann und minutengenau weiß, wann der Runner vor der Türe steht. „Wir nehmen auf Wunsch zudem unsere Tüten aus Bio-Plastik zurück“, ergänzt Knaudt mit dem Zero-Waste-Konzept des Unternehmens.

„Wir kennen Picnic zwar als NRW-Preisträger, aber bei einem Besuch vor Ort ist es natürlich eindrucksvoll zu sehen, wie das organisiert wird. Die Kunst ist es auf der einen Seite dem Kunden hochwertige, frische Ware in einer großen Vielfalt anbieten zu können und das berechenbar zur Auslieferung zu bringen, und auf der anderen Seite dies so wirtschaftlich wie möglich zu machen. Ich glaube, das ist das Entscheidende, denn in Deutschland gilt ja das Prinzip ‚Geiz ist geil‘, also gute Qualität zu möglichst günstigen Preisen“, so Prof. Dr. Andreas Pinkwart, NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie.

„Wir kennen Picnic zwar als NRW-Preisträger, aber bei einem Besuch vor Ort ist es natürlich eindrucksvoll zu sehen, wie das organisiert wird“, so NRW-Minister Pinkwart. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ein solches Lieferangebot zu gleichen Kosten sei nur annäherungsweise zu erreichen, wenn ein gutes Konzept vorliegt. Der Kunde in Deutschland sei nicht bereit die Nach-Hause-Lieferung mit einem Aufschlag zu bezahlen. Und gerade dadurch würde dieses Angebot zu einer Herausforderung. „Es steckt unheimlich viel Know-how dahinter, aber auch eine enorme Begeisterungsfähigkeit und eine besondere Freude an dem Thema. Und ich glaube, das spürt man hier auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, ergänzt Pinkwart. „Während des Lockdowns war dieses Start-up ein wichtiger Faktor, welches sicherlich jetzt den Sprung auch mitnehmen wird in der weiteren Entwicklung und damit den online Lebensmittelhandel revolutionieren wird.“

Ebenfalls Dietmar Brockes, Landtagsabgeordneter und der Sprecher für Industrie und Energie der FDP-Landtagsfraktion, nutze die Möglichkeit zum Gespräch vor Ort. „Ich bin froh, dass wir Picnic hier in Viersen an dem ehemaligen Kaiser‘s Kaffee-Standort gewonnen haben, sodass diese Logistikfläche auch weiterhin optimal genutzt wird. So ein modernes, innovatives Unternehmen, das hier seinen Standort hat, ist für den Kreis Viersen eine Bereicherung.“

Ebenfalls Dietmar Brockes, Landtagsabgeordneter und der Sprecher für Industrie und Energie der FDP-Landtagsfraktion, nutze die Möglichkeit zum Gespräch vor Ort. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Der Erfolg ist sichtbar, denn alleine in Viersen sind 350 Mitarbeiter beschäftigt, über 1.000 sind es in ganz Deutschland. Mit 300 E-Fahrzeugen werden bundesweit rund 130.000 Kunden beliefert, in der Region rund 70.000.
„Es hat uns sehr gefreut, dass sich Minister Prof. Dr. Pinkwart einen eigenen Eindruck davon gemacht hat wie Picnics Geschäftsmodell genau funktioniert“, sagt Frederic Knaudt aus dem Gründerteam von Picnic in Deutschland. „Wir haben uns intensiv zu den Themen E-Mobilität, den Einsatz künstliche Intelligenz und einer beschleunigten Expansion in NRW ausgetauscht.“ Tatsächlich hatte sich der NRW-Minister nach der Führung mit passendem Corona-Abstand zudem Zeit für einen intensiven Austausch mit den Picnic-Gründern Frederic Knaudt und Manuel Stellmann sowie Prof. Dr. Ing. Friedbert Pautzke. Pautzke leitet den Fachbereich Elektrotechnik und Informatik an der Hochschule Bochum.

Ein Dialog auch über die Problematik fehlender Informationen sowie Informationsstellen in der Wirtschaft und bei Behörden zu den Chancen der heutigen Elektromobilität. International gehört das Institut der Hochschule Bochum zu den führenden Entwicklern energieeffizienter und nachhaltiger Fahrzeug- und Antriebskonzepte. Pinkwart zeigte sich interessiert an der Verbindung von Photovoltaik auf dem Dach der Picnic-E-Runnern, denn aktuell wird beides gefördert, jedoch nicht in dieser Konstellation. „Hier müssen wir noch einmal nacharbeiten“, so der NRW-Minister, der ebenfalls um weitere Informationen zu dem aktuellen Batterietestzentrum bat. Prof. Pautzke wies auf die Problematik neuer Firmen im Bereich Zulassungsbestimmungen und baurechtliche Zulassungsbestimmungen hin. Dies beträfe Firmen für Elektromobilität ebenso wie Testzentren. Den Bauämtern fehle das Wissen über diesen wachsenden Wirtschaftszweig. Pautzke schlug eine befristete Beratungsstelle für Bauämter und Behörden vor – ein Impuls, welchen der NRW-Minister gerne mitnahm. (dt)

Ein Dialog auch über die Problematik fehlender Informationen sowie Informationsstellen in der Wirtschaft und bei Behörden zu den Chancen der heutigen Elektromobilität. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming