Edeka schafft Platz für Picnic im Viersener Tengelmann-Lager

Der niederländische Online-Lebensmittelhändler mit Hausbringdienst Picnic expandiert nach Deutschland. Ab April sollen drei bis fünf Städte in NRW Lebensmittel ohne Wartezeit nach Hause geliefert bekommen. Die Basis für die Auslieferung sollen ein gemeinsames Unternehmen mit Edeka Rhein-Ruhr und auch das ehemalige Tengelmann-Lager in Viersen bilden. 

Viersen – Es ist rund zweieinhalb Jahre her, dass Picnic als Start-up in Amersfoort gestartet ist. Belächelt von den Riesen der Branche, haben vier Gründer den Schritt gewagt. Nach der ersten Stadt mit 150.000 Einwohnern und einigen Lieferwagen kam schnell weitere hinzu. Mittlerweile sind es 37 Städte, darunter Den Haag oder Amsterdam. Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Online-Anteil auf fünf Prozent verfünffacht, 100 Millionen Euro Umsatz wurden bereits überschritten. Nun expandiert das Unternehmen nach Deutschland, seit Oktober wird das Picnic-Prinzip in Kaarst und Neuss getestet. Nach dem Pilotprojekt geht es im April los, drei bis fünf noch nicht bekannte Städte in NRW sollen beliefert werden, im nächsten Jahr ist eine Zahl von 20 bis 30 anvisiert.

Die Unterstützung vor Ort erhält Picnic durch Edeka Rhein-Ruhr und das ehemalige Kaiser’s-Tengelmann-Lager an der Ernst-Moritz-Arndt-Straße, welches von Edeka bisher als Getränkeumschlagplatz genutzt wird und laut ersten Meldungen der überregionalen Presse nun wieder reaktiviert werden soll.

Nach Büchern, Schuhen oder Möbeln wird der Online-Bestellvorgang auch für Lebensmittel immer attraktiver, wobei Lebensmittel zurzeit nur rund ein Prozent auf dem Online-Markt erobert haben. Fachleute gehen davon aus, dass auch dieser Anteil steigen wird und die ersten Hauslieferanten haben erste Erfahrungen auf dem Markt gesammelt – haben wieder aufgegeben, z. B. Lidl und Kaufland. Unter denen, die geblieben sind, finden sich Namen wie Amazon Fresh und Rewe, die mittlerweile 75 Städte beliefern. Bereits zu Edeka gehört das Angebot von Bringmeister in München und Berlin. Zu ihnen stößt nun Picnic hinzu und liefert Lebensmittel bis an die Haustüre ohne Liefer-Aufpreis und garantiert dabei niedrige Preise. Dazu wirbt das Unternehmen mit einer pünktlichen Lieferung ohne Puffer, jedoch zu festen Zeiten – fast wie mit einem Busfahrplan mit Elektro-Lieferfahrzeugen, die in Frankreich extra für den Lieferdienst entwickelt wurden. Die Lieferung ist einfach, denn die Kunden bestellen am Vortag bis 22 Uhr mit dem Handy, die Lieferanten liefern an die Zentrallager. Diese verpacken und sortieren die Ware, liefern diese an die kleineren Verteiler-Hubs wie aktuell in Kaarst, bevor dann von dort aus die Kunden ihre Bestellungen erhalten. Ein ausgeklügeltes Konzept, welches in den Niederlanden angenommen wird, doch ob Picnic sich wie erhofft auch auf dem deutschen Markt behaupten kann, wird die Zeit zeigen. (wh)

Foto: Martin Häming