„Eier mit Speck“ punktete auch als Vierfalt-Bühnenprogramm

Das beliebte Festival fiel in diesem Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer, doch die Initiatoren ließen sich nicht beirren und luden zu einem besonderen Abend auf die Vierfalt-Bühne am Hohen Busch ein. „Eier mit Speck“ – kleiner, aber nicht weniger feiner und pulsierend bis spät in die Nacht hinein.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Am Mittag war es am Hohen Busch noch ruhig, eigentlich zu ruhig, denn an diesem Wochenende hätten rund um die Festivalwiese zahlreiche helfende Hände jede Menge zu tun gehabt. Bühne, Zeltplätze, Toiletten- und Erste-Hilfe-Wagen fehlen in diesem Jahr, denn das „Eier mit Speck“-Festival musste den Corona-Viren weichen.
Damit aber dennoch ein wenig Festivalstimmung starten konnte, hatten sich Christoph Tappesser, Jürgen Haigh, seine Frau Saori und Christoph Jinkertz etwas Besonderes einfallen und kurzerhand die Bühne gewechselt.

Doch springen wir ein wenig zurück, denn in den vergangenen Wochen wurde bereits an einem Rettungspaket für das Festival gefeilt, rund 200 Kartenkäufer spendeten sogar ihre Tickets zugunsten der Veranstaltung. Sie alle freuten sich als Dankeschön über ein T-Shirt auf dem in großen Lettern „Festivalretter mit Herztblut“ zu lesen ist – kein Rechtschreibfehler, sondern der Name der Produktionsfirma, die hinter dem gern besuchten Festival steht. Dazu ein Aufkleber und ein Festival-Bändchen – die Rettungs-Danke-Päckchen sind bereits jetzt bei Fans und Sammlern heiß begehrt. Die ersten Bands wurden bereits auf 2021 umgebucht und nun bleibt zu hoffen, dass im kommenden Jahr wieder etwas Normalität die Veranstaltungen begleiten wird.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Dass der Ascheplatz am Hohen Busch am Samstag aus allen Autonähten platze überraschte daher nicht wirklich jemanden, schließlich hatten die Macher den Co-Headliner aus dem vergangenen Festivaljahr nach Viersen geholt. Bereits 2019 sorgte Tim Vantol & Band für Jubelstürme und die Fans wollten den niederländischen Pop-Barden gar nicht mehr von der Bühne lassen. Hinzu kam als Überraschung und Vorband die Mönchengladbacher Band All Aboard, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiern kann. Straighter Punkrock mit einer eigenen Note und energiegeladenen Melodien. Die vier Bandmitglieder haben mittlerweile eine eigene Fangemeinde und hatten ihr letztes, wohl schon vor einigen Jahren erschienenes, Album „Aficionado“ dabei, welches mit Liebhaber oder Fan übersetzt werden kann. Passend, denn neue Liebhaber hat es sicherlich gefunden.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Bevor diese allerdings auch auf der Vierfalt Viersen Bühne feiern konnten, gab es zunächst einen Vorab-Stream aus der Rockschicht an der Bahnhofstraße, bei dem die „Eier mit Speck“-Initiatoren charmant und gekonnt mit viel Witz einen Rückblick auf die vergangenen Festival-Jahre gaben und auf die zahlreichen Bands, die in den vergangenen Jahren an drei Tagen tausende von Zuschauern zum Hohen Busch gezogen hatten. Hinzu kamen verschiedene kleine Locations. Home-Partys, in die live ein Blick geschaut werden konnte – sowie eine Geburtstagsparty direkt am Hohen Busch. In der Rockschicht selbst wurden an diesem Abend ebenfalls die Gigs verfolgt, die später nochmals in der Rockschicht zu sehen waren. Bis zum Konzert wurde der Live-Stream kostenlos angeboten und die Fans ließen sich nicht nehmen, ein wenig Festivalstimmung nach Hause zu holen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

All Abord und Tim Vantol konnten so nicht nur die  „Blechkarren“ am Waldrand, sondern auch die zahlreichen Fans an den „Flimmerkisten“ begrüßen. Vantols Programm an diesem Abend war sicher das persönlichste Werk des Musikers, denn er präsentierte sein im Mai erschienenes neues Album „Better Days“ mit Liedern, die irgendwie bekannt und dennoch neu erschienen. Aktuell lebt der Niederländer in Berchtesgaden 800 Meter über Null und eine Dimension entfernt vom stressigen Trubel der Großstadt. Eben genau das Paradies, welches einen Künstler zu solchen Texten und Tönen inspiriert. „Eier mit Speck“ – kleiner, aber nicht weniger feiner und pulsierend bis spät in die Nacht hinein. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming