Ein inniger Kuss besiegelte in Dülken den Ausruf „Habemus Pappnas“

Neun Stunden vor der Dülkener Proklamation schlich ein Post durch ein soziales Netzwerk. Das Prinzenpaar berichtete vom fertigen Thron, der Nervosität, von Gefühlen die Achterbahn fahren. Wenige Stunden danach präsentierten sie auf der Bühne einen abwechslungsreichen Abend voller Emotionen, Tanz und Entertainment, den die Karnevalisten so schnell nicht vergessen werden.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen-Dülken – Bereits weit im Vorfeld war das Bürgerhaus ausverkauft, welches sich in ein kräftiges Rot zu Ehren eines besonderen Abends hüllte. Jecken von nah und fern wollten teilhaben, wenn aus den „Bürgerlichen“ Paul und Sigrun Krampe die neuen Dülkener Tollitäten wurden. Sie feierten schon schunkelnd im Saal in Erwartung auf das Kommende, während sich gemeinsam mit seiner wohl gewählten und vor allen Dingen durch und durch karnevalistischen Garde sowie im Kreise der Familie das Prinzenpaar auf seinen besonderen Abend vorbereitete.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Die ersten Worte des Abends gebührten Erich Schmitz, mittlerweile Ehrenpräsident des Vaterstädtischen Vereins, der gekonnt und mit langjähriger Erfahrung den bis auf den letzten Platz besetzten Saal begrüßte und dann die Bühne frei machte für „De Stroßeräuber“. Die vierköpfige Band mit Sänger Jürgen Mayer begeistert bereits seit 1998 mit ihrer 100%igen Live-Show und brachte über 30 Jahre Bühnenerfahrung mit in die Dülkener Narrenstadt. Kölsche Tön mit lauten Chorgesängen der Gäste starteten so den Abend, der von dem Allrounder Roland Zetzen musikalisch begleitet wurde.
Nicht unerwartet, dass die Stimmung im positiven Sinne brodelte, als die ersten Trompetentöne die Karnevalisten aufhorchen ließen. Die Musikfreunde Dülken, in bekannter Musketier-Uniform, spielten die Stars des Abends samt Garde ein. Weiße und rote Tulpen füllten den Saal, schließlich feiern Paul I. und Sigrun I. mit ihrem Prinzenspiel ebenfalls stattliche 100 Jahre Blumenhaus Krampe. Die Tulpe selbst spiegelte sich daher nicht nur im Wurfmaterial, auf den liebevoll geschmückten Tischen oder der verzierten Bühne wieder, auch der von der langjährigen Designerin des Orpheums, Henriette Janssen-Klaar, gestaltete kunstvolle Orden gibt die Tulpe als Symbol dieses Prinzenspiels wieder.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Erich Schmitz, der auf der Bühne das Prinzenpaar erwartete, blieb eine ganze Zeit lang alleine stehen, während die neuen Tollitäten ihren Einzug sichtlich genossen. Als „Liebling der Frauen“ stellte er den Prinzen vor, der im Sternzeichen des Widders geboren und bereits seit 27 Jahren Mitglied der Großen Karnevalsgesellschaft Orpheum ist, der Titel des Blumenmädchens „Mater ikebana“ wurde an die neue Prinzessin verliehen, bevor er das Mikrofon übergab an Dr. Volker Müller als Rector magnificus der altehrwürdigen Narrenakademie. Gemeinsam mit dem Förderverein Dülkener Karneval gebührte ihm traditionell die Ehre das Prinzenpaar in Amt und Würden zu erheben, eine Ehre, die er sichtlich stolz genoss.

Als eine Familie für Tradition und Arbeit, für Frohsinn und Freude lobte er das neue Prinzenpaar und wandte sich im Anschluss an den Prinzen, dem er das Gelöbnis abnahm ein gerechter Narrenherrscher zu sein, so wie es das ehrenvolle Amt erfordern würde. Den Traum der beiden vervollständigte der Rector magnificus mit den Insignien der Macht und waren die Narren ganz still, so hörten sie durch Dülken ein „Habemus Pappnas“ erschallen. Genau der richtige Moment nicht nur für einen Dank des neuen charmanten Prinzenpaares an seine Garde, die drei Töchter der beiden oder seiner Familie (Prinzen-Mutter Doris, Bruder Klaus, Onkel Heinrich und Cousine Barbara), die es direkt mit einem Orden bedachte, sondern auch für einen liebevollen innigen Kuss, der den Startschuss für eine sicherlich wunderbare Regentschaft gab.
Eine unvergessliche Zeit, die an diesem Abend weiter Fahrt aufnahm, präsentiert die Garde doch ihr Gardelied perfekt und passend getextet auf die klangvolle Begleitung der „Tulpen aus Amsterdam“, mit welchem sie fast dem beeindruckenden Orpheumschor die Show stahlen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Auch sonst überzeugte das bunte Programm mit abwechslungsreichen Künstlern, darunter „Antje Pikantje“, alias Steffi Becker aus Lobberich, bei der kein Auge trocken blieb. Im typischen „Antje-Kostüm“ nahm sie sich und unsere holländischen Nachbarn nicht ganz so ernst. Ihre Speckrollen präsentierte sie passend zu ihrer Rubensfigur als Feinkostgewölbe und spätestens nach ihrem Auftritt, der die Lachmuskeln arg strapazierte, wusste jeder Jeck im Saal ein Leberwurst-Tag ist ein Tag, an dem einem die Leber wurs(c)t sein sollte. Herzhaft lachen konnten die Gäste zudem mit Kai Kramosta. „De Pfundskerl“, der auch als „Eifelaner Comedykugel“ bekannt ist, servierte 2 2/1 Zentner Spaß – einfach „lusdick“ pur. Für seine Auftritte wurde er bereits als Künstler des Jahres „Comedy & Kabarett“ vom Deutschen Künstlermagazin ausgezeichnet.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Wer kein Comedyprogramm im Gepäck hatte, der tanzte an diesem Abend – riss das Publikum mit, heimste tosende Beifallsbekundungen ein. Mit traditionellen Schritten überzeugte die Garde der DüKaGe zu Ehren des neuen Prinzenpaares mit ihrem Tanz, etwas moderner waren es die Garde und die Solotänzer des KV de Üüle gewohnt in lila. Akrobatisch mit beeindruckenden Hebefiguren eroberte die traditionelle FunkenGarde Erkelenz Blau-Weiß die Herzen der Gäste. Mit mehr als 185 Jahren Tradition im Erkelenzer Karneval und über 220 Mitgliedern begeisterten sie mit sichtbar leidenschaftlich gelebter Brauchtumspflege. Eine rundum gelungene Proklamation, die ihren Abschluss spät in der Nacht fand mit der Band „Echt lekker“ aus Mönchengladbach, die bekannte Karnevalslieder neu interpretierten. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

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