Ein Konfettisturm trotzte dem Regenschauer in Neuwerk und Bettrath

Neuwerk und Bettrath standen am Rosenmontag ganz im Zeichen des Straßenkarnevals. Um 13.11 Uhr setzte sich der traditionelle Veedelszug in Bewegung und verwandelte die Straßen zwischen Haus Lütz und Krahnendonkhalle in eine farbenfrohe, laute und lebenspralle Festmeile.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Maris Rietrums

Mönchengladbach – Schon lange bevor sich der Zug formierte, vibrierte das Veedel. Vor Garagen wurden Boxen aufgebaut, Bierzeltgarnituren zurechtgerückt, aus geöffneten Fenstern wehten Fähnchen. Kinder in glitzernden Kostümen hüpften ungeduldig auf und ab, während Eltern letzte Kamelle-Beutel entknoteten. Dann der Blick auf die Uhr – 13.11 Uhr – und ein erstes lautes „Helau!“ schallte durch die Straßen. Am Haus Lütz setzte sich der Lindwurm schließlich in Bewegung.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Die Strecke führte traditionell durch Bettrath und Neuwerk, vorbei an feiernden Jecken. Wer sich einen festen Platz gesichert hatte, bekam rund eine Stunde lang ununterbrochene Unterhaltung geboten: Musik, Tanz, fantasievoll geschmückte Wagen und immer wieder Süßigkeiten, die in hohen Bögen durch die Luft flogen. In einem Moment prasselten noch Regentropfen nieder, im nächsten schwebten Seifenblasen und Konfetti durch die Straßen – als hätte selbst das Wetter beschlossen, Teil des Spektakels zu werden.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Mitten im närrischen Treiben sorgte das Fanfarenkorps der Eickener Gesellschaft Schöpp Op für den musikalischen Puls des Zuges. Trompetenstöße schnitten durch die feuchte Luft, Trommeln gaben den Takt vor, und immer wieder stimmte das Publikum in bekannte Karnevalslieder ein. Die Gelb-Blauen Funken reihten sich schwungvoll ein, während auf einem Planwagen die GKG Roer möt aus Lürrip mit bester Laune vorbeizog und Kamelle in die Menge warf.

Besonders aufmerksam beäugt wurden die zahlreichen Fußgruppen, die mit viel Kreativität an den Start gegangen waren. Stoppschilder, Vorfahrt-achten-Symbole und andere Verkehrsschilder wippten durch die Menge. Mit einem Augenzwinkern wurden Regeln erklärt – allerdings nur eine galt wirklich: Feiern ohne Tempolimit. Ganz anders, aber ebenso auffällig, präsentierten sich bunte Blumenwiesen. Mit schwebenden Bienen-Luftballons zogen sie vorbei und brachten einen Hauch Frühling in den grauen Februartag. Hinter ihnen würfelte sich der Brettspielclub Niederrhein durch den Zug.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Ein kräftiges Statement setzte der Wagen der Sportfreunde Neuwerk. Mit ihrem Motto „Gladbach ist als Fußballwelt allerbestens aufgestellt“ griffen sie das Sessionsmotto auf und sorgten für zustimmende Rufe. Der Jubel schwappte von einer Straßenseite zur anderen, begleitet von rhythmischem Klatschen und lauten „Helau“-Rufen. Auch die CDU Neuwerk mischte wieder mit einem eigenen Karnevalswagen mit. Bunt geschmückt und gut gelaunt zogen sie durch das Veedel und wurden von vielen bekannten Gesichtern am Straßenrand begrüßt – der Veedelszug zeigte einmal mehr, wie selbstverständlich sich unterschiedlichste Gruppen hier im närrischen Miteinander vereinen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Im Mittelpunkt des Tages stand jedoch die Gastgebergesellschaft: die KG Uehllöeker Neuwerk 1936 e.V. Mit sichtbarem Stolz feierte sie im Jubiläumsjahr ihr 90-jähriges Bestehen. Neun Jahrzehnte Vereinsgeschichte spiegelten sich im Applaus wider, der ihnen auf der gesamten Strecke entgegenschlug. Viele Zuschauer zollten Respekt für das jahrzehntelange Engagement, das diesen Veedelszug Jahr für Jahr möglich macht. Als der letzte Wagen das Ziel erreichte, verlagerte sich das Geschehen für viele in die Krahnendonkhalle. Dort ging das Feiern nahtlos weiter. Zwischen Schunkelrunden und Tanzflächenjubel wartete in diesem Jahr eine Neuerung: Erstmals wurden Pokale für die kreativsten Kostüme im Zug verliehen.

Draußen klangen die letzten Musikfetzen von improvisierten Garagenpartys nach, Kinder verglichen ihre Kamelle-Ausbeute, und Konfetti klebte noch auf nassen Pflastersteinen. Neuwerk und Bettrath hatten ihren Rosenmontag gefeiert – trotzig gegen Regenschauer, mitreißend im Rhythmus der Fanfaren und getragen von einer Gemeinschaft, die ihren Karneval lebt. (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums