Ein schwarzer Tag in der Geschichte Wickraths – Bombenangriff auf Wickraths Ortsmitte

Als nach dem Kriege die Wickrather Soldaten aus der Kriegsgefangenschaft entlassenen wurden und nach Wickrath zurückkamen, da vermißten sie den so vertrauten, markanten Wickrather Kirchturm. Der Zwiebelturm der schönen Wickrather Kirche war ein bedeutendes Charakteristikum der Landschaft.

Wickrath Kirchgasse – Archiv Katz

Mönchengladbach-Wickrath – Am 26. Februar 1945 erlebte Wickrath den dunkelsten Tag seiner Geschichte. Bei strahlendem Sonnenschein flogen zwei Bombergeschwader aus Richtung Beckrath kommend, um 14:15 Uhr Wickrath an und luden ihre Bombenlast auf die Ortsmitte ab. Kirche und Pfarrhaus wurden vollständig zerstört. Im Keller des Pfarrhauses fanden Oberpfarrer Dr. Lohmann, der Kaplan Wilhelm Esser und weitere 17 Wickrather den Tod.

Die zerstörte Kirche stammte in ihren Hauptteilen aus den Jahren 1200 – 1205. Graf Otto III., Herr zu Wickrath ließ die Kirche in den genannten Jahren erbauen. Am 3. Februar 1205 wurde sie durch Philipp Bischof von Ratzeburg im Auftrage des Bischofs Hugo von Lüttich als St. Salvator-Kirche eingeweiht. Der ältere romanische Bau war eine dreischiffige Pfeilerbasilika von 21 m Länge und 12,70 m Breite ohne den Turm. Dieser Teil bestand aus Tuff und rohen Feldsteinen aus der hiesigen Gegend. Dies ist auch der Grund, warum die Kirche so restlos zerstört wurde.

Der Prior vom Kreuzherrenkloster Matthias Neesen hat 1694 umfangreiche Umbauten an der Kirche durchgeführt, so wurde das Mittelschiff erhöht. Das Mittelschiff war, wie fast bei allen romanischen Kirchen jener Zeit mit einer flachen Decke versehen. Der mächtige Turm wurde unter dem Prior Neesen 1702 und 1703 aus Feldbranntsteinen erbaut. Der Turm war gekrönt durch eine geschweifte, barocke geschieferte Haube. Über dem Portal war ein roter Sandstein zu sehen mit einer einfachen Darstellung des Lammes Gottes mit der Inschrift: „Redemptor sanctifica 1205“ (Erlöser heiliger) und ein zweiter Stein am Turm zeigte die Lobpreisung: „Coeli enarrant gloriam die“ (Die Himmel rühmen die Ehre Gottes)

Weitere Umgestaltungen brachte das 19. Jahrhundert. 1889 wurde unter Leitung des Regierungsbaumeisters Julius Busch aus Neuß im Langhaus die Zwischenpfeiler herausgenommen und nach Norden und Süden neue Seitenschiffe angelegt.

1897 wurde die Kirche nochmal umgebaut, an der Nord- und Südseite wurden zwei Joche hinzugefügt. Bei diesen Umbauarbeiten wurde auch der mit einer Marmorplatte abgedeckte Eingang zur Familiengruft der Reichsgrafen zu Wickrath geöffnet. In den Gewölben wurden 20 Särge gefunden. Die Grafen zu Wickrath hatten auch nachdem sie sich der Reformation zugewandt hatten, das Recht behalten ihre Verstorbenen in der kath. Kirche Wickrath beizusetzen. So wurde 1724 Friedrich Wilhelm Thomas regierender Herr der Reichsgrafschaft Wickrath und Schwanenburg in der Gruft beigesetzt. Seine Tochter Irmgard Maria folgte ihm 1790. Es war die letzte Beisetzung in der gräflichen Gruft.

Als am 5. Mai 1889 der Blitz in den Turm und in die Kirche einschlug, es war während des Gottesdienstes, wurde ein Frau getötet und 20 Kirchenbesucher verletzt, dabei wurde auch die Orgel zerstört. Der Blitz durchschlug die Steinplatten über der Gruft und drang in dieselbe ein. Dabei wurde die Gruft mit den Särgen erheblich beschädigt.

Am 8. Oktober 1944 rasierte ein deutsches Jagdflugzeug – der Pilot war bereits in einem Luftkampf tödlich verletzt – aus Richtung Rheydt kommend, gegen die Spitze des Kirchturms. Das Flugzeug stürzte anschließend am Ende des Friedhofweges / Ecke Mühlenweg (heute Am Antoniushügel / Untertor) ab.

Bei den Gründungsarbeiten der neuen Kirche stieß man auf die Gruft. Man fand noch einige Skelette der gräflichen Familie. Leider hatte man damals, es war 1955, kein Interesse an historischen Dingen. Die Gruft wurde mit einer Planierraupe eingedrückt.

Eine neue Kirche, von dem Mönchengladbacher Architekten Schüren gebaut, erhebt sich ab 1956 nun auf dem „Antoniusberg“.

Hier die Liste der Toten vom 26. Februar 1945, wie sie jedes Jahr im Gedenkgottesdienst der St. Antoniuskirche Wickrath vorgelesen wird:

  • Herr Dechant Dr. Heinrich Lohmann
  • Herr Kaplan Wilhelm Esser
  • Arnold Reiff, Vater von Kaplan Reiff
  • Fräulein Elisabeth Spliethöver
  • Joseph Walter Brendgens
  • Theresia Brendgens, seine Frau
  • Paul Thelen
  • Katharina Gertrud Thelen, seine Frau
  • Gertrud Behren, ihre Schwester
  • Agnes Thelen, Tochter der Eheleute Paul Thelen
  • Frau Maria Theresia Tholen, geb. Thelen, Tochter der Eheleute Paul Thelen
  • Josephine Tholen, Schwägerin von Maria Theresia Tholen
  • Matthias Joseph Houben
  • Anna Maria Eva Houben, geb. Geuenich, Frau von Joseph Houben
  • Fräulein Maria Fuhrmann
  • Fräulein Christine Bohnen
  • Fräulein Gertrud Hillemacher
  • Kirchenschweizer Peter Röttges
  • August Kuhlen
  • Auf dem Alten Friedhof sind die Toten beigesetzt