„Ein Umdenken wäre mein Weihnachtswunsch.“

Drei Polizeiautos und Beobachter in zivil begleiteten die Weihnachtsmahnwache zahlreicher Tierrechtler am Viersener Schlachthof, die jedoch gewohnt ohne Vorfälle friedlich verlief. Grablichter und Transparente machten bereits zum achten Mal auf die Schlachtungszahlen gerade vor Weihnachten in Deutschland aufmerksam.

Viersen – Die Scheibe Wurst auf dem Frühstücksbrot, die Bratwurst am Mittag. Nur wenige Gramm machen sie aus und doch, werden diese zusammengerechnet, dann stehen unter dem Strich einige Kilos. Rund 60 kg Fleisch verzehrt laut dem Fleischatlas jeder Deutsche im Jahr, die Amerikaner liegen noch einmal 15 kg über uns, während China den Fleischverbrauch anführt.

Rund 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen werden benötigt um Tierfutter anzubauen und noch immer hat kein wirkliches Umdenken in der Gesellschaft und beim Billig-Fleisch stattgefunden.

Auf die hohen Schlachtungszahlen und das damit verbundene Leid der Tiere machten rund 50 Demonstranten bei der mittlerweile achten Weihnachtsmahnwache am Viersener Schlachthof aufmerksam, waren teilweise von weit her nach Viersen gereist und auch die nasse Kälte konnte sie nicht abhalten. Mit Plakaten wie „Jedes Leben ist wertvoll“ oder „Folter an Tieren beenden“ versuchten sie ein Umdenken erreichen.

„Weihnachten, das „Fest der Liebe“, vor dem besonders viel getötet wird. Besinnliche Stimmung, geschmückter Baum, die Familie kommt zusammen, man isst ausgiebig gemeinsam in gemütlicher Runde und feiert ein schönes Fest. Doch für die Tiere bedeutet Weihnachten alles andere als Freude, Liebe und Gemütlichkeit. Sie verlieren gerade vor Weihnachten im Sekundentakt ihr Leben, weil die Menschen gerade an diesem Fest unzählige Tiere verspeisen“, so Veranstalterin Adrienne Kneis. „Das steril verschweißte Schnitzel im Supermarkt hat keine Augen mehr, die überquellen vor nackter Todesangst, es schreit nicht mehr um sein Leben, es zuckt nicht mehr – das Leben ist ausgelöscht. Ausgelöscht für eine 5-minütige „Gaumenfreude“ des Menschen. Wir gedenken heute vor dem Schlachthof Viersen all der gebrochenen Seelen, die geboren wurden um zu sterben und ihr kurzes Leben lang nur ein Produktionsgut waren und bilden vor dem Schlachthof eine Menschenkette, denn Tiere gehören nicht auf unsere Teller!“

Auch Kampfsportler, Schauspieler und Bergsteiger Ralf Seeger war wieder nach Viersen gereist, forderte „Schluss mit dem Verdrängungsmechanismus!“. Ralf Seeger, der unter anderen bekannt ist aus der VOX-Serie „Harte Hunde – Ralf Seeger greift ein“ und „Hund, Katze, Maus“ etc., setzt sich mit seinem Verein „Helden für Tiere e. V. – Tierhilfe International“ ein. Seit rund zehn Jahren isst er kein Fleisch mehr, engagiert sich verstärkt seit rund sieben Jahren und ist ab 6. Januar wieder auf VOX zu sehen. Schon früh fühlte er sich den Tieren verbunden, wollte ihnen eine Lobby bieten und vermisst nichts seit er sich vegan ernährt.

„Ich habe bis vor einigen Jahren selber fast jeden Tag Fleisch gegessen“, erzählt eine Teilnehmerin, die eine der Grabkerzen anzündet. „Wir alle haben irgendwann Fleisch gegessen, aber wir haben unsere Ernährung umgestellt. Ich konnte einfach nicht mehr ertragen, dass für mich ein unschuldiges Tier getötet wird.“ Sie wolle hier niemanden angreifen: „Das will hier niemand“, ergänzt sie. „Wir wollen aufrütteln, aufmerksam machen mit unserer Botschaft, sodass ein Umdenken stattfindet.“ Sie lächelt, stellt die flackernde Grabkerze neben ein Plakat auf dem ein geschlachtetes Schwein abgedruckt ist. „Ein Umdenken“, sagt sie etwas leiser, flüstert fast. „Ja, das wäre mein Weihnachtswunsch.“ (dt)

Foto: Martin Häming

2 Kommentare

  1. Danke für diesen objektiven und mitfühlend Artikel. Dieser spricht mir aus dem Herzen! Tolle Menschen, die bereit sind ihre Konfortzone zu verlassen und sich so toll zu engagieren. Daumen hoch!

  2. Sehr guter Artikel. Das wäre auch mein Wunsch.. das ein Umdenken stattfindet. Mitgefühl mit allen Lebewesen…Sollte eigentlich selbstverständlich sein. …
    Danke an die Zeitung und natürlich an die Organisatorin.

Kommentare sind geschlossen.