Einsatzgelder der Feuerwehr: „Hier wird nicht mit gleichem Maß gemessen.“

Unverständnis bei vielen ehrenamtlichen Einsatzkräften ruft die geplante Entscheidung in der nächsten Ratssitzung hervor, Einsatzgelder nicht mehr an die Viersener Feuerwehrler selber auszuzahlen, sondern an den Kameradschaftsverein der Gesamtwehr.

Foto: Jan Mallander

Viersen – Der Rat hat in der Sitzung Anfang diesen Jahres eine Anpassung der Aufwandsentschädigung für die Leitung der Freiwilligen Feuerwehr sowie die weiteren Funktionsträger (Löschzugführer, Löschgruppenführer und Jugendwart sowie deren Stellvertreter) beschlossen. Noch nicht abschließend bearbeitet war ein Antrag der CDU-Fraktion, wonach das ehrenamtliche Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr stärker gefördert werden solle. Eine Möglichkeit bestünde in einer Anhebung der derzeitigen Einsatzpauschalen von 4 Euro je Einsatz. Der Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Viersen erarbeitete nun, über viele der ehrenamtlichen Einsatzkräfte hinweg, den Vorschlag Einsatzgelder nicht mehr an die Feuerwehrler selber auszuzahlen, sondern an den Kameradschaftsverein der Gesamtwehr. Über diesen soll in der kommenden Woche in der Ratssitzung abgestimmt werden.

„Der Vorstand kam zu der Einschätzung, dass das Interesse an einer ehrenamtlichen Tätigkeit in der Freiwilligen Feuerwehr von Seiten der Mitglieder nicht durch die Zahlung einer Aufwandsentschädigung oder einer Erhöhung der Einsatzpauschale geprägt sei“, ist in der städtischen Vorlage zu lesen. Mit dieser Vorlage wendeten sich unabhängig voneinander Einsatzkräfte aus dem gesamten Stadtgebiet an uns, um ihr Unverständnis über diese Entscheidung darzulegen. „Ich bin sicherlich nicht wegen der 4 Euro Einsatzgeld bei der Feuerwehr“, so Klaus H.* (Name von der Redaktion auf Bitten der Feuerwehrler geändert) „Jedoch kann es nicht angehen, dass die Führungskräfte ihre Entschädigungen mit einer großen Erhöhung erhalten und über die Entschädigung, die jedem einzelnen von uns zusteht, über unsere Köpfe hinweg, in dieser Art und Weise, und ohne unser Einverständnis entschieden wird.“

Dass die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr stets bestrebt seien, ungeachtet ob ein Einsatz mit 4 Euro honoriert wird, sich an Einsätzen zu beteiligen, da stimmt auch Sebastian K. zu. „Es geht allerdings nicht an, dass über eine Nichtzahlung ohne unser Wissen entschieden wird. Die Information zu dieser Entscheidung habe ich erst erhalten als die Vorlage der Ratssitzung per Mail versandt wurde. Ich fordere unsere Vorstände auf dies mit uns vorher abzustimmen und das betrifft alle Vorstände der Freiwilligen Feuerwehr Viersen.“

Der Vorstand hat einstimmig, mit der Zustimmung der Leitungen sämtlicher Einheitsführer, den nachfolgenden Vorschlag erarbeitet, so die Vorlage. „Nur die einzelnen Einsatzkräfte, die es wirklich betrifft, die wurden dabei vergessen. Es gibt sicherlich Einsatzkräfte die das mitmachen, aber es gibt genug die dieses Vorgehen und diese Entscheidung nicht mittragen.“ Nach dem Willen des Vorstandes, sollen die bislang geleisteten Einsatzgelder nicht mehr an die einzelnen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr ausgezahlt werden. Stattdessen soll die Gesamtsumme in Höhe eines Mittelwertes von 15.000 € ebenfalls in den „Kameradschaftsverein der Feuerwehr“ fließen und dort wiederum nach einem festen Mitgliederschlüssel auf die Einheiten verteilt werden. „Wer sein Einsatzgeld in die Kasse des Kameradschaftsvereins einzahlen will, der kann das tun, alle über einen Kamm zu scheren, das geht so nicht. Der hilfreiche Antrag der CDU-Fraktion, wonach das ehrenamtliche Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr stärker gefördert werden soll, und die angedachte Erhöhung der aktuellen 4 Euro, die wir pro Einsatz erhalten, wird nun von der Stadt von in 2016 gezahlten 16.380 Euro auf 15.000 Euro reduziert und noch nicht einmal mehr an die Einsatzkräfte ausgezahlt. Das ist keine Stärkung des Ehrenamtes. Das ist Bevormundung und eine klare Schwächung. Ich bitte alle Politiker im Vorfeld unter vier Augen und Ohren mit denen zu sprechen, die es tatsächlich angeht und ohne daraus resultierenden Probleme mit ihren Vorgesetzten wenn sie sich öffentlich gegen eine solche Entscheidung aussprechen. Fällen Sie daraus Ihre Entscheidung, stärken Sie tatsächlich das Ehrenamt, prüfen Sie mit offenen Augen diese für mich falsche Entscheidung.“ (re)