Eltern im Kreis Viersen – Schulbeginn zwischen „Kanonenfutter“ und Pandemiebekämpfung

Die Zahl der Corona-Infektionen an Schulen im Kreis Viersen steigt stetig an. Während die Behörden versuchen die Verbreitung durch Quarantäne einzudämmen, sind viele Eltern längst an den Grenzen der Belastbarkeit angekommen.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Kreis Viersen/Kommentar – Mehr als 30.000 Schüler in ganz Nordrhein-Westfalen befanden sich Stand Donnerstag vergangener Woche in Quarantäne und es werden mehr. Ebenfalls im Kreis Viersen sind immer häufiger Schüler betroffen, so entfielen laut Gesundheitsamt am Montag dieser Woche 19 % der gemeldeten Neuinfektionen auf Kinder im Alter von 0 – 9 Jahre und 27 % Prozent auf Kinder im Alter von 10 – 19 Jahren. Am Donnerstag will die NRW-Landesregierung zusammenkommen um über die aktuelle Lage zu beraten, schließlich steigen die Corona-Infektionszahlen nicht nur täglich an, die Quarantäneregelung bringt viele Familien an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Zu ihnen gehört Familie Schmitz (*Name von der Redaktion geändert). Sohn Luis (10) befindet sich seit fast einer Woche in Quarantäne mit einem mittelschweren Verlauf der gefürchteten Delta-Variante. Während seine geimpften Eltern keine Symptome aufweisen und auch die vorgeschriebenen Tests negativ verliefen, wurden seine Klassenkameraden mit ihm in Quarantäne geschickt. Das ist nun bereits einige Tage her. Seitdem sind Eltern und auch häufig die Lehrer ohne Information. Planungen sind nicht möglich, Urlaubstage kaum noch vorhanden und unbezahlte Tage führen bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu einer Problematik, deren Folgen schwerwiegend sein können. „Wir versuchen seit Donnerstag irgendeine Information zu erhalten“, erklärt die Mutter einer Klassenkameradin. „Immer wieder werde ich vertröstet und fühle mich wie Kanonenfutter.“

Eine Situation, die sich im gesamten Kreis Viersen abzeichnet: „Unsere Kinder sind teilweise seit sechs Tagen in häuslicher Isolation ohne weitere Informationen und ohne bisherige Meldungen vom Gesundheitsamt“, schreibt eine betroffene Mutter aus Grefrath. „Diese Situation macht uns allen sehr zu schaffen. Dies kann ja kein Zustand sein. Besonders wir Eltern, die noch berufstätig sind, machen uns große Sorgen wie es im Herbst/Winter weiter gehen soll. Wir können ja auch nicht jede Woche ausfallen, das wird kein Arbeitgeber mitmachen, abgesehen von den finanziellen Verlusten, die man als Familie stemmen muss und den psychischen Folgen für die Kinder.“

Die Zahl der Corona-Infektionen an Schulen im Kreis Viersen steigt stetig an. Während die Behörden versuchen die Verbreitung durch Quarantäne einzudämmen, sind viele Eltern längst an den Grenzen der Belastbarkeit angekommen. Foto: Tumisu/Pixabay

Das Gesundheitsamt selbst ist an die klar definierten Meldeketten bei positiven Corona-Tests gebunden. Auf Nachfrage informiert die Pressestelle, dass die Pool-Tests von unabhängigen Laboren ausgewertet werden, die individuelle Bearbeitungszeiten haben. Kommt es zu einem positiven Ergebnis innerhalb eines Pools, werden betroffenen Klassen nach den Vorgaben des Schulministeriums in häusliche Isolation geschickt. Die Schülerinnen und Schüler gelten als „Corona-Verdachtsfälle“ und müssen sich somit häuslich isolieren.

Der betroffene Pool wird erneut, jedoch einzeln, nachgetestet. Diese Tests werden wieder von unabhängigen Laboren ausgewertet. „Dieser Prozess kann einige Werktage dauern“, so der Kreis Viersen. „Wird hierbei zweifelsfrei ein positiver Fall festgestellt, wird dies der Schule und dem Gesundheitsamt gemeldet. Das Gesundheitsamt beginnt dann umgehend mit der Kontaktnachverfolgung und informiert alle relevanten Personen. Die Kontaktpersonen werden zunächst mithilfe der Schulleitungen über die nun eintretenden Quarantänebestimmungen informiert. Die Quarantäne dauert 14 Tage ab letztem Kontakt.“ Alle anderen Schülerinnen und Schüler einer Klasse mit einem positiven Fall, die keine direkten Kontaktpersonen sind, können dann aus der häuslichen Isolation zurück in den Schulalltag – ein zeitaufwändiger Weg bis zu dieser Entscheidung.

Eltern, Lehrer und Politiker sind sich einig, dass es so nicht weitergehen kann, weshalb das NRW-Parlament in dieser Woche über neue Quarantäneregelungen beraten will. „Die Neuinfektionen treten nun vermehrt in den Altersgruppen auf, die sich noch nicht impfen lassen können“, sagt Landrat Dr. Andreas Coenen, der die Situation auch als Vater zweier Kinder mit Sorge betrachtet. „Um die Kinder zu schützen, ist es wichtig, dass sie mit möglichst wenigen Ungeimpften in Kontakt kommen. Ich halte den Vorschlag der 2G-Regel deshalb für sinnvoll.“

Die 2G-Regel bedeutet, dass viele Angebote, vor allem in geschlossenen Räumen, nur noch für geimpfte oder genesene Personen zur Verfügung stünden. Die Opposition schlägt im Falle einer positiven Testung vor ganze Klassen für fünf anstatt für 14 Tage in Quarantäne zu schicken – mit einer „Freitestung“ nach fünf Tagen durch einen PCR-Test. Dieser allerdings kostet rund 70 Euro und die SPD vergisst bei ihrem Vorschlag mitzuteilen bei wem die Kosten hängen bleiben. Viel Geld für zahlreiche Familien, die während der Pandemie enorme finanzielle Einbußen verzeichneten. Währenddessen hat der Haushaltsausschuss des Landtages den Weg für Fördermittel in Höhe von 90,4 Millionen Euro freigemacht. Es können mobile Luftreinigungsgeräte mit Filtertechnologie oder mit UV-C-Technik sowie sogenannte Kombinationsgeräte aus beiden Verfahren in Schulen und Kindergärten gefördert werden. Ein wichtiger Schritt, doch bis zu seiner Umsetzung bleibt es bei der „Corona-Krise“ innerhalb der betroffenen Familien, weshalb dringend schnellere Wege zur Entlastung der Eltern und Sicherheit der Schüler gefunden werden müssen. (dt)

3 Kommentare

  1. Ich finde es furchtbar, andauernde Anschuldigen anderer Personen die sich für eine Verantwortung Einsetzen um diese Viruskrankheit die Tödlich enden kann. Jeder hat Probleme. Man kann es Verstehen, aber da kann die Regierung nicht für. Auch sollte man verstehen, das bei einer Entscheidung es immer Vorteile oder Nachteile gibt. Nun man muss hier nun Entscheiden zum Wohl des Volkes, die Gefahr daran zu sterben einzudämmen. Hier wird aber seit einer gewissen Zeit jetzt jeder für sich Entscheiden möchte und als Ich Person Aufzutreten. Das ist Absurd, hier muss es Akzeptiert werden was geschehen kann. Wenn unsere Politische Führung das nicht mehr soll, so hätten wir eine Pandemie mit Millionen Tote und in den Krankenhäuser währe kein Platz für Kranke. Was wollt Ihr die sich andauernd dagegen stellen? Gesundheit ist wichtiger als alles. Was soll Urlaub oder Luxus? Hier zählt Verantwortung mit dem Notwendigsten die Pandemie einzudämmen.
    Man sieht ja alleine welch eine Menge sich noch nicht mal Geimpft haben lassen. Nur Gleichgültigkeit.
    Jeder hat eine andere Ausrede.
    Auch das man Test wenn man nicht Geimpft selbst Zahlen muss da wird auch noch drüber Diskutiert!
    Warum? Ist doch Logisch, wenn einer nicht die Fürsorge selbst treffen möchte, so soll aber die Gemeinschaft dafür Bezahlen?
    Das muss unbedingt beachtet werden. Wenn jemand aus der Verantwortung sich der Allgemeinheit entziehen möchte, wenn er nicht Gesundheitlich es nicht kann wird es anerkannt, ansonsten soll er alles selbst Bezahlen sogar eine spätere Impfung.
    Nur Gemeinsam kann man solche Ziele erreichen wenn alle an einen Strang ziehen.

  2. Mich würde interessieren, wie andere EU-Länder in ihren Schulen verfahren. In den Niederlanden gibt es für Schüler und Schülerinnen auf der Basisschool z. B. überhaupt keine Maskenpflicht und es stecken sich zumindest nicht mehr an als bei uns! Wie viele von den Ansteckungsverdächtigen, die hier einfach pauschal für 14 Tage in Einzelhaft verordnet werden, sind am Ende auch tatsächlich positiv getestet? Von den 30.000 sind doch höchstens 10% die positiv sind und der Rest muss einfach auf gut Glück mit in Quarantäne!
    Mein Sohn ist seit 10 Tagen zu Hause, hat keine Anzeichen, die Tests, die ich privat mache!, sind jedesmal negativ! Warum ist er nicht in der Schule? Die Kinder bringen es von zu Hause mit in die Schule und nicht umgekehrt!
    Und trotzdem wird jetzt an unserer Schule sogar überlegt, Kinder mit FFP2 Maske als sicherer einzustufen als die mit OP-Masken! Geht es noch schlimmer?
    Ich wäre dafür, die Kinder JEDEN Morgen noch vor Unterrichtsbeginn zu testen und dann können Positive direkt den Heimweg antreten. Blödsinniger Lollytest! Zeitverzögerter Quarantänewahnsinn!
    Das an unserer Schule z. B. einige Klassen erst am Dienstag getestet werden, finde ich auch unangebracht. Alle nach dem Wochenende, alle vor dem Unterricht und täglich testen.

    Und… Im Klassenraum mit Maske, auf dem Pausenhof ohne. KEIN KIND DER WELT hält sich an die Abstandsregel!!! Und dort passiert es dann…

    Lasst doch endlich die Kinder in Ruhe. Lasst euch impfen und das „normale“ Leben muss wieder weitergehen.

  3. Offensichtlich sind immer noch ausreichend viele absolut nicht informiert. Gerade die Deltavariante wird von Geimpften und Genesenen genauso verbreitet wie von gesunden Menschen. Und im Gegensatz zu den 2G-Menschen, werden die Ungeimpften wenigstens getestet und verbreiten so die DELTA-Variante deutlich weniger als die 2G. : https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126034/US-Gesundheitsbehoerde-Delta-Variante-so-ansteckend-wie-Windpocken-trotz-Impfung

    Die nachweislich wirksamen Lüftungsanlagen hätten seit Monaten in den Schulen installiert sein können. Verwaltung und Regierung haben das grob fahrlässig / mit Vorsatz verhindert bzw. unterlassen.

    Das die endgültige Testung von vermeidlich Positiven mehrere Tage bis zum Ergebnis bzw. der Meldung durch die Gesundheitsbehörde benötigt ist einfach lächerlich. An jeder Ecke sind PCR-Test möglich, deren Ergebnis ich nach ein paar Stunden oder teils unter einer Stunde erhalte. Es ist z.B. am Flughafen Frankfurt eine Frage des Geldes: https://www.adac.de/news/corona-test-flughafen/

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