Eltern in Sorge: Lehrermangel an der Primusschule

Mit einem offenen Brief wendete sich die Schulpflegschaft der Primusschule Viersen an das Schulministerium und die Bezirksregierung. Das Bild der Eltern zu der Situation um fehlende Lehrkräfte ist erschreckend. 

Viersen-Dülken – Dabei hatte CDU-Schulministerin Yvonne Gebauer zum Start des neuen Schuljahres gerade erst ein zweites Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Lehrerversorgung vorgestellt. „Für beste Bildung brauchen wir Lehrerinnen und Lehrer“, erklärte die Ministerin. „Die Landesregierung lässt nichts unversucht, um den Lehrermangel zu bekämpfen.“ Leider müsse das Land gegenwärtig die Versäumnisse der vergangenen Jahre aufarbeiten, so die Ministerin. „Erfolge stellen sich in dieser Situation nicht von heute auf morgen ein. Wir müssen an vielen Stellschrauben drehen. Zahlreiche Einzelmaßnahmen führen in der Summe dazu, dass die Situation Schritt für Schritt spürbar besser wird.“ Für die Situation der Primusschule in Dülken rennt jedoch die Zeit, schließlich konnten 3.694 Stellen für das neue Schuljahr nicht besetzt werden.

Foto: Rheinischer Spiegel/cs

„Was wir tun können, tun wir. Im letzten Schuljahr war insbesondere die zögerliche Sachmittelausstattung der Schule unser Schwerpunktthema, dem wir uns erfolgreich angenommen haben. Begleitend dazu begannen massive personelle Herausforderungen insbesondere durch den gleichzeitigen langfristigen Ausfall dreier Lehrkräfte nach den Osterferien. Ein so kleines Lehrerkollegium kann eine derartige Störung nicht von innen heraus lösen. Abordnungen und Versetzungen haben über das Gröbste hinweggeholfen, trotzdem blieb nichts anderes übrig, als eine 1./2. Klasse auf die anderen Klassen der gleichen Jahrgangsstufe aufzuteilen. Wir sind damit an der Obergrenze der Schüleranzahl in Grundschulen angelangt“, so der Brief der Dülkener Schulpflegschaft. Besetzungsprobleme die nun erneut aktiv sind, denn von 22 LehrerInnen wären sieben meistens längerfristig erkrankt. Eine 3./4. Klasse musste wieder auf die anderen Klassen der gleichen Jahrgangsstufe aufgeteilt werden. Die Sekundarstufe 1 konnte nur eingeschränkt starten, Klassenlehrer waren nur unzureichend vorhanden. Ein Normalbetrieb, was den zeitlichen Umfang betrifft, sollte ab der ersten Septemberwoche sichergestellt werden. Doch Normalbetrieb sieht anders aus, denn bereits wenige Tage nach Schulanfang mussten Eltern Kinder der 3./4. Klasse abholen weil die Lehrerin erkrankt war.

„Wir Eltern sind besorgt über die Versorgung der Versuchsschule mit ausreichend und genügend qualifizierten Lehrkräften, die das pädagogische Konzept mittragen. Der Blick ins Schulgesetz formuliert eine Grundforderung, die erfüllt werden kann, wenn dem Schulversuch auch von allen dafür Verantwortlichen – Lehrerinnen und Lehrer, Schulleitung, Eltern, Schülerinnen und Schüler, Schulministerium, Bezirksregierung – Rechnung getragen wird: „Schulversuche dienen dazu, das Schulwesen weiterzuentwickeln.“
Wie soll etwas weiterentwickelt werden, dem für die Entwicklungsaufgaben die nötigen Kapazitäten fehlen? Wie sollen Eltern Vertrauen in das Gelingen des Schulversuches geben, wenn die Startbedingungen am Beginn eines Schuljahres unter einem wie beschrieben schlechten Stern stehen. Erste Abmeldungen direkt am ersten Tag sprechen eine deutliche Sprache.
Das Lehrerkollegium an der Primusschule Viersen arbeitet bislang hoch motiviert und zeigt einen Einsatz, vor dem wir als Eltern den Hut ziehen. Die Gefahr, dass dieses hohe Engagement durch ständige Selbstüberforderung und dem gemeinsamen Willen der Beteiligten, die entstehenden personellen Lücken so gut es eben geht zu stopfen, in weitere Ausfälle durch Erkrankung umschlägt liegt auf der Hand und erfüllt uns mit Sorge.“
Von den Verantwortlichen erwarten die Eltern nun ein deutliches Bekenntnis zum Schulversuch, aber noch mehr Taten. Taten, die von der CDU-Schulministerin bereits angestoßen wurden, aber noch nicht bei den Schulen selbst angekommen sind. (nb)