„Endlich wieder um die Narrenmühle reiten“ – Närrischer Auftakt in Dülken

Nach langer Corona-Pause ritten die Dölker Jecken auf ihren Stecken wieder um ihre Narrenmühle und begrüßten die 5. Jahreszeit. Allerdings kamen nicht nur die Holzpferde bei diesem besonderen Ereignis zum Einsatz – denn traditionell finden zudem närrische Regentschaften an diesem Abend ihr Ende.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen-Dülken – Es scheint als hielte ganz Dülken den Atem an, wenn der Rector magnificus, in diesem Jahr erstmals Dr. Arie Nabrings, mit drei Hammerschlägen die jecke Session einläutet. So war es auch am Abend des Hoppeditzerwachens und während auf dem Viersener Remigiusplatz laut gefeiert wurde, kamen an der bekannten Dülkener Bockwindmühle die Karnevalisten zusammen um ihren Prinzenpaaren einen Dank für ihre mitreißende, mittlerweile mehrjährige Regentschaft auszusprechen. Neue Tollitäten werden in Dülken, geschuldet der unabwägbaren Session während der aktuellen Corona-Situation, nicht gekürt.

„Wir wagen heute die ersten zaghaften Schritte in eine neue Session, von der wir nicht wissen, was sie uns bringt“, so der Rector magnificus. Foto: Rheinischer Spiegel

Die Dülkener Narrenmühle in strahlendem Schein illuminiert, stach in all ihrer Schönheit nach der erfolgten Sanierung heraus aus der Dunkelheit und der Kälte des Novemberabends. Von Wind und Wetter allerdings ließen sich die Karnevalisten nicht schrecken, konnte doch nach langer Pause endlich wieder ihr närrisches Brauchtum, begleitet von den Klängen der Musikfreunde Dülken 2016, begangen werden. Aus Nah und Fern waren sie herangeströmt – endlich wieder gemeinsam um die geliebte Narrenmühle reiten. Dabei in diesem Jahr auch Kinder aus Dülken, die Dr. Arie Nabrings zum närrischen Auftakt eingeladen hatte. Auch sie durften mit kleinen Holzpferden ihren Ritt um die Mühle bestreiten – ein sicherlich unvergessliches Erlebnis für die Nachwuchskarnevalisten.

„Wir wagen heute die ersten zaghaften Schritte in eine neue Session, von der wir nicht wissen, was sie uns bringt“, so der Rector magnificus. „Die Corona-Pandemie ist nicht vorüber und wirft ihren Schatten auf das unbeschwerte Feiern. Was wir aber wissen, ist, dass unsere Mühle bereitsteht, um dort den jahrhundertealten Brauch des Steckenpferdritts zu pflegen.“

„Als Prinzenpaar und Garde bekommt man so vieles zurück“, lächelte Prinz Marco I. in seinen Dankesworten. Foto: Rheinischer Spiegel

Schon 1505 traf man sich an einer Mühle, damals noch an der Tränkenmühle vor dem Süchtelner Tor außerhalb der Stadtmauer und des Stadtbanns. Sie war die „Ur“-Mühle, die zunächst im Jahr 1800 durch einen Orkan zerstört und nach dem Wiederaufbau 1880 bei einem Brand zerstört wurde. 1809 baute dann Witwe Holtz die heutige Narrenmühle zur Nutzung als Kornmühle vor dem Gladbacher Tor. Seit 1810 nun treffen sich die Karnevalisten an dieser Mühle, die 1908 an die Stadt Dülken, damals freie Hansestadt Dülken, übergeben wurde. Dass die wieder an ihrem Platz steht sei die positive Nachricht, die traurige dagegen sei, dass sich die Dölker Jecken von zwei besonderen Prinzenpaaren verabschieden mussten. „Marco I. und Sonja I. sowie Emil I. und Lara-Sophie I. – Sie haben die Narrenstadt Dülken würdig vertreten“, sagte Dr. Arie Nabrings und erinnerte an die Bewerbung der jecken Tollitäten.

„Als Prinzenpaar und Garde bekommt man so vieles zurück“, lächelte Prinz Marco I. in seinen Dankesworten. „Besonderen Spaß hatten wir auch stets mit unserem Kinderprinzenpaar Emil I. und Lara-Sophie I. Es war uns eine Ehre die Veranstaltungen im wahrsten Sinne des Worts zu rocken. Es ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Das passiert nicht allzu oft, aber in diesem Fall ist es so und dafür bin ich sehr dankbar.“ Er dankte allen Beteiligten, Familie und Garde – die „komplett jungfräulich in dieses Abenteuer gestartet ist, keiner hatte zuvor einem Prinzenspiel beigewohnt“.

Bevor dann die Tradition wieder lebendig und aus den Tollitäten wieder Bürgerliche wurden, konnten zudem Emil I. und Lara-Sophie I. Abschlussworte an ihr närrisches Volk richten. Foto: Rheinischer Spiegel

Wichtig war ihm zudem auf die Zukunft des Dülkener Karnevals einzugehen. Er sprach hierbei das frisch renovierte Bürgerhaus an und rief dazu auf gemeinsam die Veranstaltungshalle mit Leben zu füllen. „Lasst uns gemeinsam versuchen Traditionen zu wahren“, appellierte er und verwies dabei auf die stetig schrumpfende Kirmes – doch der Dülkener Rosenmontagszug sei weit über die Grenzen bekannt. Deshalb sollten alle Dülkener Karnevalsvereine gemeinsam den Weg gehen. „Somit lasst versuchen alte Streitigkeiten abzulegen und gemeinsam nach vorne zu schauen für einen weiterhin tollen Dülkener Karneval.“

Bevor dann die Tradition wieder lebendig und aus den Tollitäten wieder Bürgerliche wurden, konnten zudem Emil I. und Lara-Sophie I. Abschlussworte an ihr närrisches Volk richten. Es sei eine tolle und unvergessliche Zeit gewesen – einen Dank sprachen sie deshalb den Vereinen für mitreißende Veranstaltungen und allen Zugteilnehmern aus. Die Dölker Crazy Kids, verantwortlich für die jecke Regentschaft und der Vaterstädtische Verein, der die Planungen für den Rosenmontagszug innehält, durften dabei nicht vergessen werden. Perfekt gemacht hätte die Session allerdings das „große Prinzenpaar“ und so werden Emil und Lara-Sophie immer mit einem Lächeln an diese Zeit zurückdenken. Und auch ich reihe mich nun ein mit einem dreifachen „Gloria tibi Dülken“. (dt)

Es scheint als hielte ganz Dülken den Atem an, wenn der Rector magnificus, in diesem Jahr erstmals Dr. Arie Nabrings, mit drei Hammerschlägen die jecke Session einläutet. Foto: Rheinischer Spiegel

Ein Kommentar

  1. Im Kreis Viersen ist eines der schönsten unter Denkmalschutz stehende Narrenmühle. Sie hat nicht nur eine Geschichte, sie hat auch ein Brauchtum was kontinuierlich gepflegt. Aktive Narrenakademie macht im Jahr mehrere Veranstaltungen die dazu beitragen, den Verein zu festigen. Besucher aus nah und fern Besichtigen diese Narrenmühle das ganze Jahr über. Was auch noch gefragt ist, im Weißheitssaal zu Heiraten. Auch dieses wird angenommen. Fotografen lieben es dieses Denkmal von Innen auch außen vor seine Linse zu haben. Die Schätze sind eine Fülle für ein Fotoalbum zu gestalten. Die Narrenmühle hat auch ihre Reize im Winter wenn Schnee liegt. Solche Perspektiven hat man wohl selten. Auch sehr Interessant den Werdegang der Narrenmühle bis zur Restaurierung die gerade erst abgeschlossen ist und alles Erfolgreich ohne Beanstandungen hiermit Erledigt ist. Das gute Stück stellt sich jetzt in der Kreisstadt im Mittelpunkt. Da sind die Dülkener und die Narrenakademie Stolz drauf. Sie ist in sehr guten Händen und die Mitglieder der Narrenakademie bewahren Sie vor dem Übel. Sie ist wohl einmalig auf dieser Welt. Alle rufen aus: Gloria Tibi Dülken.

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