Erinnerung an Menschen der Vergangenheit und als Ermahnung an die Zukunft

Mit seinen STOLPERSTEINEN erinnert der Künstler Gunter Demnig seit dem 27. Januar 2006 (Gedenktag für die Opfer des Holocaust) an eine grausame Zeit. In Mönchengladbach wurden bisher 295 Stolpersteine an 88 Orten verlegt.
Von RS-Redakteur Heinz-Josef Katz

Gunter Demnig

Mönchengladbach-Wickrath – Zum Gedenken an die Opfer der NS-Zeit, verlegt Demnig vor ihrem letzten Wohnort Gedenksteine aus Beton und Messing in den Bürgersteig. Inzwischen liegen Stolpersteine in 1265 Kommunen Deutschlands und in 21 Ländern Europas. Im Bereich der ehemaligen „Gemeinde Wickrath“ wurden insgesamt 26 Steine verlegt.

Am 16. Dezember 2019 war Gunter Demnig wieder einmal in Mönchengladbach. In der „Gemeinde Wickrath“ hat er 5 Stolpersteine in die Bürgersteige in Wickrathberg und Beckrath eingelassen. An Beiden Gedenkstellen sprach der Rabbiner Yitzhak Hoenig einen Psalm. Bürgermeister Ulrich Elsen begrüße die Bürger und hielt an beiden Gedenkstätten eine Ansprache.

Gunter Demnig wird am 26. Mai 2020 mit dem Benediktpreis von Mönchengladbach ausgezeichnet.

Neue Erinnerungsorte: Berger Dorfstraße 14:
Gustav Harf, Jg. 1891, „Schutzhaft“ 1938, Dachau, Deportiert 1941, Riga, befreit
Meta Harf geb. Seligmann, Jg. 1903, Deportiert 1941, Riga, Befreit
Hans Hermann Harf, Jg. 1931 Deportiert 1941, Riga, Befreit

v.li.: Sigrid Müller, Barbara Fitzek, Stefan Peters, Gunter Demnig und Yitzhak Hoenig

Patenschaft: Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg, Sigrid Müller, Claudia Putz und Barbara Fitzek (die drei Damen haben sich eine Patenschaft geteilt) und Stefan Peters aus Wanlo sind nun Paten für diese drei Stolpersteine.

Stolpersteine in Mönchengladbach-Wickrathberg: Berger Dorfstraße 14:
Die Familie von Gustav Harf aus Wickrathberg gehörte zu den wenigen Juden, die Verfolgung und Deportation im nationalsozialistischen Deutschland überlebt haben.

Gustav Harf wurde am 19. Februar 1891 in Wickrathberg geboren. Sein Vater war der Handelsmann Hermann Harf (1855-1922), seine Mutter Sophia Harf geb. Blech [Bleeck] (1857-1940). Vater Hermann Harf stammte aus Hochneukirch [damals Neukirchen], Mutter Sophia Harf aus Beckrath.

Gustav Harf heiratete 1922 in Essen-Kettwig die dort 1903 geborene Meta Seligmann. Am 24. März 1931 wurde dem Paar der Sohn Hans Hermann Harf geboren. Von Beruf war Gustav Harf Kaufmann. Außerdem bekleidete er das Amt des Gemeindevorstehers der Wickrathberger Synagoge. Gustav Harf starb 1972 in Kettwig.

Gustav Harf, seiner Frau Meta Harf und dem Sohn Hermann Harf wurden zur Erinnerung und Mahnung an die von ihnen erlittene Verfolgung am 16. Dezember 2019 vor dem Haus Berger Dorfstraße 14 drei Stolpersteine gesetzt.

Günter Erckens hat die dramatischen Erlebnisse in seinem Buch „Juden in Mönchengladbach“ Band 2, Herausgeber Stadtarchiv MG, eindrucksvoll beschrieben.

Stolpersteine in Mönchengladbach-Beckrath: Herrather Weg 11:
Simon Harf, Jg. 1905, „Schutzhaft“ 1938, Dachau, Deportiert 1941, Riga, Ermordet
Karoline „Lina“ Harf geb. Sanders, Jg. 1906, Deportiert 1941, Riga, Ermordet Nov. 1943

Patenschaft: Sonja Oellers und Lutz Wormuth haben die Patenschaft übernommen.

Am heutigen Herrather Weg 11 in Beckrath wohnte die alteingesessene jüdische Familie Harf. Sie stammte ursprünglich aus Wickrathberg und geht auf den Pferdehändler Joseph Harf[f] und seine Frau Süss Lichtelstein zurück. Deren Nachfahre, der Handelsmann Simon Harf (1832-1900), wohnte bei seiner Hochzeit mit Rosa Bleeck im Oktober 1858 bereits in Beckrath im damaligen Kreis Grevenbroich.

Sein Enkel, der ebenfalls den Namen Simon Harf trug, wurde am 3. November 1905 in Beckrath geboren. Dessen Eltern waren der Viehhändler Adolf Harf (1877-1937) und Paula Harf geb. Heumann. Simon Harf wohnte zunächst bei ihnen in Beckrath 18. Simon übte ebenso wie sein Vater den Beruf des Viehhändlers aus.

Darüber hinaus nahm er am gesellschaftlichen Leben des Ortes Beckrath teil: 1929 gehörte er dem Männergesangverein „Einigkeit“ Beckrath an, wie einem in diesem Jahr erstellten Mitgliederverzeichnis zu entnehmen ist. Außerdem war er Mitglied der Beckrather Freiwilligen Feuerwehr.

Verheiratet war er mit Karoline (Lina) Sanders. Sie war die am 18. November 1906 in Kaldenkirchen geborene Tochter des Händlers Gustav Sanders (1864-1938) und der Julie Sanders geb. Kaufmann (1866-1926).

Die Heirat von Simon Harf und Karolina Sanders fand am 27. August 1935 in Kaldenkirchen statt. Das junge Paar wohnte zunächst bei den Eltern von Simon Harf in Beckrath 34 b und seit dem März 1936 in Beckrath 97 a, dem heutigen Herrather Weg 11. Im Jahr 1937 verzog das Ehepaar Simon und Lina Harf -vermutlich unfreiwillig- nach Kaldenkirchen. Dort wurde die Tochter Ruth Juliane Harf am 1. März 1938 geboren.

Simon Harf war von November 1938 bis Februar 1939 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Hier wurde er als Arbeiter geführt. Am 11. Dezember 1941 wurde die Familie von Düsseldorf aus nach Riga deportiert. Sie hielt sich im November 1943 im Lager Jungfernhof, etwa 12 Kilometer vom Stadtzentrum Riga entfernt, auf und wurde vermutlich dort ermordet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Angehörigen der Familie Harf für tot erklärt.

Zum Gedenken an Simon und Lina Harf, die nach ihrer Heirat etwa zwei Jahre in Beckrath gewohnt haben, wurden ihnen am 16. Dezember 2019 vor dem Haus Herrather Weg 11 zwei Stolpersteine gesetzt.    (Quelle: Stadtarchiv MG)

Alle Stolpersteine in Mönchengladbach: https://www.moenchengladbach.de/de/leben-in-mg/stadtgeschichte/stolpersteine/

INFO: Für 120 Euro kann jeder eine Patenschaft für das Herstellen und Verlegen eines STOLPERSTEINS übernehmen.