Wenn die letzte Ruhestätte zum Tatort wird – Erneut Gräber auf dem Friedhof Helenabrunn beschädigt

In den vergangenen drei Wochen wurden wiederholt Gräber auf dem Friedhof in Viersen-Helenabrunn beschädigt – ein konzentrierter Zeitraum für verschiedene Taten, die sich bereits über Jahre hinweg ziehen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Die nicht angeleinten Hunde oder das Fahrrad gerade in Nutzung, über das sich gerne aufgeregt wird, sind nicht seltener geworden – dazu kommen Vandalismus und Diebstähle und es stellt sich die Frage: „Ist nichts mehr heilig?“ Vor allen Dingen Kleinigkeiten verschwinden immer wieder von Gräbern und selbst das Gedenken an verstorbene Kinder stellt keine Grenze mehr dar. In den vergangenen drei Wochen sind wiederholt Gräber auf dem Helenabrunner Friedhof zum Ziel dreister Vandalen geworden, bereits seit Jahren beklagen Angehörige die unverständlichen Zerstörungen.

Auf der Grabplatte wurde das Wachs aus den Grablampen verteilt, die Scheiben der Grablampen wurden zerstört, Blumenvasen demoliert, Blumen zerrissen und zertreten – mehrere Gräber hatten in den letzten Wochen auf dem kleinen Friedhof in Helenabrunn Besuch von Vandalen. Anzeigen verlaufen meist ins Leere, was bleibt ist Hilflosigkeit und das Unverständnis über die Taten.

Mittlerweile ist nichts mehr sicher, längst sind nicht mehr nur Kupfer- oder Bronzefiguren im Blick der Diebe. Figuren ohne materiellen, aber mit viel emotionalem Wert verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Immer wieder melden sich Betroffene in einem sozialen Netzwerk und hoffen auf das Wiederfinden des Diebesguts, welches nicht mehr den Weg zurückfindet. Der Friedhof in Helenabrunn stellt dabei keinen Einzelfall dar, überall in Viersen berichten Angehörige von negativen Ereignissen.

„Drei Mal wurden bei uns Steingewächse und Schalen gestohlen. Das Grab meines Mannes hege und pflege ich, ist Ort der Trauer und Gedenken. Unsere Stadtverwaltung sollte mehr tun und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln aktiv werden. Die Toten zu bestehlen, das ist furchtbar, hier muss gehandelt werden.“

Hildegard G., Süchtelner Friedhof

Es braucht deshalb nicht lange um ebenfalls auf einem Viersener Hauptfriedhof jemanden zu finden, der bereits von einem Diebstahl betroffen ist. Seien es nun Blumen, die sogar teilweise ausgegraben werden oder Figuren. Nimmt der Respekt vor den Toten, den Erinnerungen der Angehörigen in unserer Gesellschaft einen so geringen Stellenwert ein, dass sogar dabei vergessen wird, dass es sich hierbei nicht um ein „einfaches“ Diebstahldelikt handelt? Die Störung der Totenruhe kann mit einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden.
Wichtig ist, dass alle Diebstähle zur Anzeige gebracht werden, damit die Dunkelziffer nicht weiterhin hoch ist. Diebstähle, mit denen die Täter in die Privat- und Trauersphäre einbrechen. Nur mit einer Anzeige jedoch kann sich die Polizei ein Bild von der Häufigkeit der Diebstähle machen und aktiv werden. (nb)

„Unser Grab war noch frisch, als unsere Gusseiserne Grablampe gestohlen wurde. Diese dreisten Diebstähle sind pietätlos, sie sind erbärmlich. Es ist eine absolute Frechheit. Krank und verkommen sind diese Diebe.“

Gustav B., Löhfriedhof