Erschließungsring Viersen: Panzer in zugemauerter Bahnunterführung Vogteistraße entdeckt

Nach über 25 Jahren soll der innerstädtische Erschließungsring in einer Rekordzeit verwirklicht werden. Nun stocken die Bauarbeiten, denn bei einer Durchstrahlungsprüfung der noch vermauerten Bahnunterführung an der Viersener Vogteistraße wurde ein Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt.

Ergebnis der Durchstrahlungsprüfung. Foto: Ingenieurbüro Eccher Schrodd.

Viersen – Nach dreizehn Jahre Kampf hatte das Oberverwaltungsgericht in Münster 2007 beschlossen die Entscheidung um den Erschließungsring von Viersen nach Süchteln parallel zur Süchtelner Straße endgültig zu kippen. Nun soll ein neuer Anlauf erfolgen. An der noch vermauerten Bahnunterführung Richtung Ninive stehen jedoch zurzeit die Bauarbeiten still, denn bei einer vor Öffnung üblichen Durchstrahlungsprüfung der längst zugewachsenen Unterführung wurde in dieser ein deutscher Kampfpanzer aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.

Es ist eine unendliche Geschichte, der Erschließungsring der ursprünglich die Süchtelner Straße entlasten sollte. Bis 2007 hatten Anwohner aus dem Bereich Ninive gegen die Verlängerung geklagt und das Oberverwaltungsgericht in Münster hatte ihnen Recht gegeben. Damit scheiterte die Stadt Viersen damals beim zweiten Versuch, denn bereits 1994 hatte das Gericht den ersten Bebauungsplan wegen Verfahrensfehlern auf Eis gelegt. Nun soll ein weiterer Versuch zum Bau der Hauptdurchgangsstraße erfolgen. Allerdings ohne Bebauungsplan oder Genehmigung der zuständigen Behörden. „Wir haben aus den Rückschlägen in der Vergangenheit gelernt und bauen nun zuerst bevor wir die Anträge stellen“, so das beauftragte Planungsbüro. Ebenfalls der damals geforderte passive Lärmschutz durch die Politik und verkehrslenkende Maßnahmen zur Entlastung der Süchtelner Straße könne dadurch ignoriert werden.

Ursprünglich sollte der Bau am Heiligen Abend beginnen um keine Prüfung durch übergeordnete Behörden Plan zu rufen. Hierzu wurde die verschlossene Bahnunterführung an der Vogteistraße, durch die die Ausweichstraße führen sollte, einer Durchstrahlungsprüfung, einem bildgebenden Verfahren der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung (ZFP) zur Darstellung von Materialunterschieden, unterzogen. Hierbei fanden die Prüfer in der Unterführung einen längst vergessenen Panzerkampfwagen V „Panther“ aus dem 2. Weltkrieg.

Wieder muss der Bau der Verbindungsstrecke über die Vogteistraße nach Süchteln warten. Foto: Rheinischer Spiegel

Der Panzer wurde von MAN als Reaktion auf den sowjetischen T-34 entwickelt. Von 1943 bis Kriegsende wurden rund 6.000 Fahrzeuge in verschiedenen Ausführungen in einer Breite von rund 3,42 m und einer Höhe von 2,99 m sowie von unterschiedlichen Händlern gebaut, die an der Ostfront und im Westen eingesetzt wurden. Besonders interessant in diesem Zusammenhang sei ob der Maybach-Zwölfzylinder-Ottomotor HL 230 P30 noch funktionsfähig wäre erklärt Ingenieur Eccher Schrodd. „Nach einer ersten Prüfung ist der Panzer nicht mehr mit Munition bestückt, sodass das hervorragend erhaltene Stück, das mit einer 7,5-cm-Kanone ausgestattet ist, seinen Platz in einem Museum finden wird.“ In den kommenden Tagen soll sich der Panther, der konstruktive Schwächen und technische Mängel aufwies, aus eigener Kraft auf den Weg zu seinem neuen Bestimmungsort machen. (S. A. Tire/Pocke)

Schon seit vielen Jahren geistert die Legende um den vergessenen Panzer in der Bahnunterführung durch die Viersener Stammtischgespräche. Wer weiß, schließlich steckt manchmal in einer Legende ein Körnchen Wahrheit und auch wenn der Ausbau des Erschließungsrings lange ad acta gelegt wurde, die Daten dazu gehören zur Viersener Historie und sind ebenso wahr wie die Merkmale des mittleren deutschen Panzers. Wer sich mit der Historie auskennt, der wird zudem unseren absichtlich eingebauten Fehler im Bild der Prüfung erkennen, denn dort ist kein Panther sondern ein M1 Abrams zu sehen, ein amerikanischer Kampfpanzer der zum ersten Mal in 1980 ausgeliefert wurde. (dt)


RS-Redakteur Dietmar Thelen schrieb bereits während des Studiums Satiren für die Uni-Zeitung. Seine Leidenschaft galt von seinen Jugendjahren an dem amerikanischen Mad-Magazin, welches seit seinem Gründungsjahr 1952 über Politik, Gesellschaft, Film und Fernsehen auf seine ganz eigene Weise berichtet. Seit Anfang 2017 ist er fester Redakteur des Rheinischen Spiegels, betreut hier unter anderem das 2018 gegründete hauseigene Satiremagazin „Pocke“ und schlägt damit einen Bogen zurück zu seinen journalistischen, satirischen Anfängen. 

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22 Kommentare

  1. Ich frage mich wie viele diesen Bericht nicht bis zum Ende lesen und dann noch klugscheißern das der Panzer keiner aus dem 2. Weltkrieg ist. Daß Sie Geschichte mit in diese Reihe einbringen gefällt mir sehr gut, vielleicht lernt der eine oder andere etwas dabei.

  2. Wieder ein hervorragender Satirebericht der Geschichte mit Witz verbindet . Vielen Dank für die Aufmunterung am ersten Weihnachtstag und frohe Festtage .

  3. Das Foto zeigt keinen Panther sondern einen M1 Abrams. Dieser wurden Ende der 1970er für die US Army entwickelt. Habt ihr Panzerkampfwagen V Panther überhaupt gegoogelt, bevor ihr diesen Artikel geschrieben habt?

      1. Der letzte letzte Satz („Wer sich mit der Historie auskennt […]“) stand bei meinem ersten Besuch leider noch nicht da. Den Satirehinweis ganz zum Schluss habe ich aber tatsächlich übersehen.

        Leider kommt es in der deutschen Presse sehr häufig vor, dass militärisches Gerät falsch benannt oder bebildert wird ohne das es einen satirischen Hintergrund hat.

    1. Völlig richtig, steht auch in den letzten Zeilen 🙂 Es handelt sich um ein amerikanisches Modell, welches erst 1980 erstmals ausgeliefert wurde.

  4. Mit den Planungen zu der Verbindung Viersen – Süchteln hat die damalige Verwaltung bewiesen, daß sie nicht fähig war. Nicht das die aktuelle Bürgermeisterin besser wäre. Ich hatte den Kampf Anwohner gegen Stadtverwaltung fast vergessen. Hier wird er hervorragend in den Bericht eingebaut. Die Legende eines Panzers in dem Durchgang gibt es seit vielen Jahren.

  5. Wieder ein grund mehr das der rheinische spiegel in die wirre facebookzeit passt, mit meldungen, die dafür sorgen sollen, die kickrate für die schaltbare werbung zu erhöhen.

    Und ich dachte ihr wärt anders…

  6. Ein Lob an den Redakteur und das Sie Satire mit geschichtlichem Hintergrund verbinden . Dadurch werden diese Berichte besonders .

  7. schade das viele satire anscheinend nicht verstehen. ich freue mich auf den nächsten hier beim rheinischen spiegel.

  8. Weiß man schon, wann der Panzer überführt wird ?? Ich komme dann mit ner Imbissbude vorbei und verkaufe Muckefuck und Panzerkekse !! 🙂

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