Es tut sich was auf dem leerstehenden Rapido-Gelände am Rahserfeld

Lange war es still am Rahserfeld, bis 2002 lebten die Hallen mit der Produktion auf. Danach erhielt der Bereich zweifelhaften Ruhm durch zahlreiche Brandvorfälle – zuletzt waren die Hallen einsturzgefährdet. Nun hat hier der Abriss begonnen und mit ihm verschwindet ein Teil Viersener Geschichte.

Viersen – Überall liegen lose Aktenblätter, ganze Ordner und Überreste verteilt in den Ecken, erinnern an die Produktion, die bis 2002 die riesigen Hallen des alten Rapido-Geländes am Rahserfeld Viersen zum Leben erweckt hatte. Nach dem Weggang der Firma wurden „über Nacht“ Computer, Lieferscheine und Einrichtung zurückgelassen. Irgendwann bauten Einbrecher sogar die Heizungsanlage ab. Mittlerweile fühlte sich niemand mehr für die Gebäude zuständig, der Eigentümer sitzt nicht in Deutschland. Fensterscheiben sind zerschlagen, die Hallen stehen offen und sind beliebter „Partyraum“ ganz unterschiedlicher Gruppen aus der Region. Das Firmengebiet war in den vergangenen Jahren immer wieder Ziel von Einsatzfahrten der Polizei und Feuerwehr, in der Vergangenheit fanden Autorennen um die Gebäude auf dem Innengelände statt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Nun werden die Hallen abgerissen, die ursprünglich zu der Herd- und Ofenfabrik Gebrüder Dinsing und zu den Baudenkmälern in Viersen gehören. 1989 erbauten die Gebrüder Dinsing auf dem Gelände von Wilhelm Brauers die Fabrik mit Kessel und Dampfmaschine. 50 Personen waren hier beschäftigt. In den Folgejahren wurde der Bereich immer weiter bebaut, die heutige Ansicht entstand 1909 mit dem Bau von einem Kontorgebäude, Magazin und nördlich anschließenden Montagehallen. 1971 dann erfolgte der Konkurs der Dinsing Werke. Die ebenfalls der Viersener Metallindustrie entstammende Fa. Rapido (Wilh. Pfahl, Dülken, 1896 gegründet) übernahm, bis 1976 als „Rapido-Dinsing“ firmierend, den Betrieb, schloss die Produktion 2002.

Das seit 2005 unter Denkmalschutz stehende Kontorgebäude ist der eindrucksvolle Beleg für die in Stadt und Kreis Viersen vielfältig entwickelte eisenverarbeitende Industrie. Nun wird sich das Vermächtnis dieses Teils der Viersener Geschichte wohl für immer verändern, auch wenn zurzeit ein kleiner Teil erhalten bleibt und der eine oder andere mag sich, ebenso wie die Bürgerinitiative Viersen-Hamm e. V., fragen: „Warum wurde nicht mehr für den Erhalt dieses Gebäudes getan? Hätte man rechtzeitig mit der Sanierung begonnen, müsste jetzt nicht abgerissen werden.“ So reihe sich dieser Vorgang in eine Reihe ähnlicher Abrisse ein, bei denen der Denkmalschutz mit vordergründiger Argumentation umgangen worden wäre, darunter die Villa Pongs oder die Hammer Mühle. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming