„Es tut überhaupt nicht weh“: Bernhard Henkel und sein Diabetes

Die Entdeckung war ein Zufall: Als Bernhard Henkel wieder einmal beim Sonntagskaffee in seinem Elternhaus war, musste sein Vater, der an der Zuckerkrankheit Diabetes litt, seine Blutzuckerwerte messen. Er fragte den Sohn, einfach zum Spaß, ob er seine Werte auch einmal messen wollte.

Viersen-Süchteln – Die Ergebnisse waren ungewöhnlich hoch, so dass sein Vater ihm riet, nach ein paar Tagen noch einmal zu messen. Als dann die gleichen hohen Blutzuckerwerte bei Bernhard Henkel gemessen wurden, war der Gang zum Arzt notwendig.

„Die Geschichte von Herrn Henkel ist symptomatisch für viele Diabetes-Kranke“, berichtet Dr. Peter Schöngen, Oberarzt am St. Irmgardis-Krankenhaus Süchteln und Diabetologe. Denn Diabetes tut nicht weh und die Beschwerden lassen zunächst nicht den Verdacht aufkommen, dass eine Erkrankung vorliegt.

„Symptome wie Müdigkeit, Schlappheit, starkes Durstgefühl und Gewichtsabnahme werden oft anderen Erkrankungen zugerechnet“, berichtet er. Dabei zählt Diabetes mellitus, wie der medizinische Fachausdruck für die Zuckerkrankheit heißt, zu den häufigsten Krankheitsbildern. Allein in Deutschland weiß man von rund sieben Millionen Menschen, die an Diabetes leiden. „Und die Dunkelziffer ist sehr hoch“, betont Peter Schöngen. „Aber natürlich kann man mit einem gut behandelten Diabetes mellitus sehr alt werden“, macht Peter Schöngen seinen Patienten Mut.

Gute Ergebnisse haben die letzten Blutzucker-Untersuchungen in der Diabetologie des St. Irmgardis-Krankenhauses ergeben. Dr. Peter Schöngen und Bernhard Henkel besprechen sie bei einem Kaffee in der hauseigenen Cafeteria. Foto: Andreas Baum

Bei Bernhard Henkel erstellte zunächst sein Hausarzt eine Blutuntersuchung mit Langzeitwert. „Die Ergebnisse waren katastrophal“, erzählt Bernhard Henkel mit einem Schmunzeln. Der Hausarzt überwies ihn zur Weiterbehandlung zu einem Facharzt ans Krankenhaus. „Das ist jetzt zwanzig Jahre her. Mittlerweile bin ich 67 Jahre und lebe mit der Krankheit ein normales Leben.“ Auch wenn er immer ein Sortiment an Spritzen und Traubenzucker für den Notfall bei sich hat. „Ich sorge einfach vor“, erzählt er.

Die ersten zehn Jahre seiner Erkrankung konnte er mit Tabletten behandelt werden. Dann waren die Gaben nicht mehr ausreichend, und Bernhard Henkel musste sich selbst zu den Mahlzeiten Insulin spritzen. „Das tut wirklich nicht weh“, nimmt er anderen die Angst vor der Spritze.

Bernhard Henkel schätzt die kompetente Betreuung und das Fachwissen von Peter Schöngen. Alle drei Monate geht er zum Hausarzt zur Überprüfung der Langzeitwerte. Dann wird auch die Durchblutung an Händen und Füßen kontrolliert.

„Diabetes ist eine tückische Krankheit, wenn man nichts tut“, macht Peter Schöngen deutlich. Denn hohe Blutzuckerwerte zerstören auf Dauer die Blutgefäße im ganzen Organismus. Das kann zu Blindheit, Nieren- und Nervenschäden führen. „Weil diese Krankheit so leicht übersehen wird, bieten wir im Haus regelmäßig Vorträge an. Zusätzlich kann unsere geschulte Diabetes-Beraterin im Rahmen ihrer Ernährungsberatung helfen“, weiß der Diabetologie-Facharzt.