Fall Greta F. – Angeklagte bestreitet alle Tatvorwürfe

Unter Tränen brach die 25-jährige Angeklagte Sandra M. am zweiten Verhandlungstag zusammen. Mit 15 Jahren habe ihr Onkel versucht sie zu missbrauchen, weshalb sie bereits im vergangenen Jahr in Behandlung gewesen sei. 
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen/Region – Das psychologische und psychiatrische Gutachten warf am 2. Verhandlungstag im „Fall Greta“ einen Blick auf die Vergangenheit der Erzieherin Sandra M., die wegen Mordes sowie wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in neun Fällen angeklagt ist.
Zu ihrer eigenen Person berichtete die Angeklagte zunächst aus ihrem Lebenslauf vom Kindergarten bis hin zur Grundschule. Bereits 2016 hätte sie erstmals ein Anerkennungsjahr nach ihrem Fachabitur im Bereich Sozial- und Gesundheitswesen begonnen, dieses jedoch abgebrochen, da ihr wichtige Fähigkeiten zu diesem Zeitpunkt gefehlt hätten.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sie Kontakt mit einer Psychologin aufgenommen, wollte einen Vorfall mit ihrem angeheirateten Onkel aufarbeiten der im Jahre 2010 geschehen sein soll. Als 15-Jährige soll er versucht haben sie zu missbrauchen, unter Tränen brach sie ihre Erinnerung ab. Foto: Rheinischer Spiegel

Sandra M. sprach von fehlender Selbstsicherheit und dem Umgang im Tagesablauf, weshalb sie zunächst ehrenamtlich ein halbes Jahr in einer KiTa arbeitete und dann 2017 zum zweiten Mal ein Anerkennungsjahr begann. 2018 beendete sie dieses mit der Note mangelhaft, gemeinsam mit den schulischen Leistungen erhielt die Erzieherin die Note ausreichend. Mit dieser wurde sie zunächst in Kempen in einer Notgruppe und später in Tönisvorst als Vertretung im Mutterschutz tätig. Dort hätte die Zusammenarbeit nicht funktioniert und sie hätte sich nicht mit den Kollegen wohl gefühlt, weshalb sie bereits nach drei Monaten gekündigt wurde und dann im Januar 2020 eine Stelle in einer städtischen KiTa in Viersen antrat.
Diese Stelle kündigte Sandra M. selber, es war ihr letzter Arbeitstag als die dreijährige Greta F. in das Krankenhaus eingeliefert wurde, in welchem sie später verstarb. Das Haus sei ihr zu groß gewesen, beim Vorstellungsgespräch hätte sie angegeben, dass sie einen Platz in einer kleinen KiTa sucht. Mit dem teiloffenen Konzept, in welchem Kinder stetig die Gruppen wechseln können, seien zu viel schriftliche Arbeiten auf sie zugekommen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sie Kontakt mit einer Psychologin aufgenommen, wollte einen Vorfall mit ihrem angeheirateten Onkel aufarbeiten der im Jahre 2010 geschehen sein soll. Als 15-Jährige soll er versucht haben sie zu missbrauchen, unter Tränen brach sie ihre Erinnerung ab. Die Gutachterin ergänzte den Vorfall, der sich bei einem Besuch bei Tante und Onkel ereignet habe. Dieser soll in Abwesenheit der Tante auf ihre Schönheit hingewiesen haben. Mit der Hand am Hals soll er sie auf das Bett gedrückt haben, mit Einsatz ihres Knies konnte sie sich aus der Situation befreien und habe Schutz im Badezimmer gefunden. Unter dem Druck des Onkels habe sie erst drei Jahre später einem Freund von dem Vorfall erzählt, der dann wiederrum die Eltern informierte. Mit dem Tod des Onkels sei der Vorfall wieder hochgekommen.

Staatsanwalt Stefan Lingens erklärte auf Nachfrage der Medien, dass auch im Ermittlungsverfahren kein Geständnis bekannt geworden war, doch mit den Beweisen bestünde ein hinreichender Tatverdacht. Foto: Rheinischer Spiegel

Der Gutachterin gegenüber hatte die Angeklagte angegeben, dass der Beruf als staatlich anerkannte Erzieherin seit jeher ihr Wunschberuf gewesen sei. Rechtsanwalt Ingo Herbort aus Mönchengladbach machte nur einen einzigen Satz als Einlassung am 2. Verhandlungstag, indem er darauf hinwies, dass die 25-Jährige jegliche Tatvorwürfe bestreitet. „Wir haben erst gestern noch ein medizinisches Ergänzungsgutachten erhalten“, so Rechtsanwalt Herbort. Dieses sei noch nicht mit der Mandantin besprochen worden.
Staatsanwalt Stefan Lingens erklärte auf Nachfrage der Medien, dass auch im Ermittlungsverfahren kein Geständnis bekannt geworden war, doch mit den Beweisen bestünde ein hinreichender Tatverdacht. „Ich gehe weiterhin davon aus, dass der Angeklagten nachgewiesen werden kann, dass sie die Taten, die ihr in der Anklage zur Last gelegt werden, auch begangen hat“, so Lingens. Er bestätigte die Nachfrage, dass die Angeklagte einer Zeugin von einem makabren Hobby erzählt habe, in dem sie in ihrer Freizeit Grabreden für Kinder geschrieben hätte.

Für die Nebenkläger war der 2. Verhandlungstag eher unbefriedigend. „Gretas Mama hat sich natürlich mehr erhofft. Auch die Tatsache, dass die Verteidigung Fragen der Nebenklage, was das gute Recht der Verteidigung ist, nicht beantwortet, ist für die Nebenkläger in Person nicht nachvollziehbar“, so Rechtsanwältin Marie Lingnau. (nb)


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