Feierliche Einweihung: Der „Alte Evangelische Friedhof“ in Viersen ist jetzt vollständig saniert

„Wir wollen euch aber, liebe Brüder, nicht im Ungewissen lassen über die, die entschlafen sind, damit ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben“, zitiert die neue Pfarrerin Kathinka Brunotte aus dem ersten Brief des Paulus an die Thessalonicher.

Prof. Dr. Leo Peters (LVR), Horst Tamm, Pfarrer Hans Bretschneider, Ellen Westerhoff (Denkmalpflegerin Stadt Viersen), Hans-Henning von Bassewitz (Vorsitzender des Presbyteriums), Armin Huber (NRW Stiftung), Pfarrerin Kathinka Brunotte, Leopold Freiherr von Diergardt (Vorsitzender des Fördervereins)
Foto: Stephan Klaue

Viersen – Feierlich wurde in der letzten Woche der „Alte Evangelische Friedhof“ hinter der Viersener Kreuzkirche eingeweiht und dazu gab es allen Grund: Ein Vierteljahrhundert hat das ehrgeizige Projekt gedauert. „Ziemlich heruntergekommen, düster, dunkel, zugewachsen und eingesperrt“, erinnert sich Denkmalpflegerin Ellen Westerhoff an den Zustand vor der Restaurierung der historischen protestantischen Begräbnisstätte vor 25 Jahren. Sie diente seit 1825 und dann fast bis zum Ende des 19. Jahrhunderts der noch kleinen Evangelischen Gemeinde als Beisetzungsort. Grabsteine bedeutender evangelischer Familien aus Viersen erzählen bis heute von einem wichtigen Teil Viersener Industriegeschichte.

Nachdem in einem ersten Schritt das Areal durch einen umfangreichen Rückschnitt und eine notwendige Auslichtung des Grünbewuchses freigelegt worden war, trat erst der bedauernswerte Zustand der Grabstätten vollständig zutage. „Es war ein Trümmerfeld“ weiß Westerhoff. Ein Förderverein wurde 2010 gegründet, Sponsoren gesucht. Die Sparkassenstiftung gab eine spontane Zusage zur Unterstützung der erforderlichen Maßnahmen. Leopold Freiherr von Diergardt wusste um den beklagenswerten Zustand der Anlage, auch Ruhestätte seiner Viersener Vorfahren. Für den Vorsitzenden des Fördervereins „Alter Evangelischer Friedhof“ war es eine Herzensangelegenheit, das Projekt zu fördern.

Die Grabsteine wurden restauriert, wenn nötig, an den ursprünglichen Standort zurückgeführt, gesichert, neu fundamentiert und verdübelt. Ein Umwerfen der Gedenkstellen ist jetzt nicht mehr möglich. Für die Restaurierung eines historischen Friedhofs ungewöhnlich hohe Zuwendungen gab es von der NRW Stiftung, bei der Feierstunde vertreten durch Regionalbotschafter Armin Huber und dem Landschaftsverband Rheinland. Hier hatte besonders der Vorsitzende des Vergabegremiums,  Prof. Dr. Leo Peters die nötigen Weichen gestellt.

Als 2014 der erste Arbeitsabschnitt abgeschlossen war, wurde substanziell noch einmal durch die Sponsoren kräftig aufgestockt und auch neue Unterstützer akquiriert, denn, so meint Peters: „Ein Friedhof ist ein wichtiger Fingerabdruck der Geschichte eines Ortes.“ Von der Evangelischen Kirchengemeinde, die sowohl materiell als auch planerisch intensiv beteiligt war, hat die Stadt Viersen jetzt den wiederhergestellten Friedhof in Erbbaupacht übernommen. Den Förderverein „Alter Evangelischer Friedhof“ wird es aber auch in Zukunft geben. „Die einen oder anderen Wünsche sind noch offen geblieben“, erklärt Freiherr von Diergardt und versichert der Stadt für die Zukunft weitere engagierte Hilfe durch den Verein. (stb)