Frank a Campo: „Ich setze auf konkrete Maßnahmen statt auf wolkige Versprechungen“

Am 13. September entscheidet Viersen, welcher Bürgermeister oder welche Bürgermeisterin in den kommenden fünf Jahren die Stadt zukunftsfähig gestalten soll. Die Kandidaten stehen in unserer Interviewreihe Rede und Antwort zu Ihren Leserfragen. 
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen – Wir haben unsere Leser gefragt, welche Themen sie interessieren und der FDP-Bürgermeisterkandidat, Dr. Frank a Campo, hat gerne Ihre Fragen als Erster beantwortet. A Campo ist im vergangenen Mai von der Viersener FDP einstimmig zum Bürgermeisterkandidaten gewählt worden. Der Mathematiker ist Vorsitzender des FDP-Stadtverbandes Viersen und Mitglied im Kreisvorstand.

RS: Viersen benötigt moderne Schulen mit Betreuung und Kita-Betreuung während der Randzeiten. Wie sehen Sie den Bedarf in der Kreisstadt?
A Campo: Die Corona-Krise hat offen gelegt, wie weit wir in Deutschland noch von einer modernen digitalen Gesellschaft entfernt sind. Die abrupten Schulschließungen haben gezeigt, wie groß die Lücken in der digitalen Versorgung sind, wie groß die Unterschiede zwischen den Schulen sind. Das hat am stärksten die Kinder getroffen, die zu Hause wenig oder gar keine Unterstützung bekommen. Digitalisierung der Schule und des Unterrichts ist Teil der Bildungsgerechtigkeit, Teil der Chancengerechtigkeit!

Ich will die Digitalisierung der Bildung in Viersen schnell vorantreiben und dazu die Mittel des Digitalpaktes zügiger und zielgerichteter verwenden.
Die ersten Jahre eines Kindes sind besonders wichtig. Dafür sollten bestmögliche Rahmenbedingungen vorliegen. Dazu gehört auch eine flexible und bedarfsorientierte Kinderbetreuung. Der Bedarf nach Randzeitenbetreuung ist da. Jetzt muss die Stadt handeln. Frühkindliche Bildung hat für die FDP höchste Priorität.
Die Sanierung und Modernisierung von Schulgebäuden werde ich konsequent weiter vorantreiben und die Schultoiletten zur Chefsache machen.

RS: Sozialversicherungspflichte Arbeitsstellen sind in Viersen rückläufig, Unternehmer warten teilweise länger als ein Jahr auf eine Baugenehmigung. Gerade erst hat Bad Reuter die Stadt verlassen. Doch Viersen braucht eine vielfältige und gesunde Wirtschaft. Wo wollen Sie den Hebel ansetzen?
A Campo: Unternehmerinnen und Unternehmer sind in Viersen willkommen. Eine starke Wirtschaft, ganz besonders mit Blick auf die kleinen und mittleren Unternehmen, stärkt die ganze Stadt. Denn Arbeitsplätze und Gewerbesteuer bedeuten: soziale Sicherheit, kommunale Einnahmen, geringere Kosten für Transferausgaben und mehr Lebendigkeit. Wir bemühen uns um die Neuansiedelung von Firmen, fördern Neugründungen und unterstützen bestehende Firmen in ihren Anliegen.

Städtische Wirtschaftsförderung heißt für mich: Attraktiv sein, einladen, kümmern. Alle Prozesse, in denen Unternehmen eine Rolle spielen, müssen mit Hinblick auf ihre tatsächliche Effizienz geprüft und optimiert werden. Standortbedingungen – auch digitale – müssen attraktiv gestaltet werden. Neue Unternehmen müssen eine Willkommenskultur vorfinden – das gilt auch für Gründerinnen und Gründer und Startup-Initiativen. Hier ist insbesondere das Viersener Gewächshaus für Jungunternehmer weiter zu entwickeln. Örtliche Player (IHK, Werbering etc.) sind frühzeitig in die Konzeptentwicklung und Projektplanung einzubinden.
Um für ausländische Unternehmen attraktiver zu werden, will ich die Rolle der englischen Sprache in der Verwaltung stärken. Das Internetangebot der Stadt muss auch auf Englisch verfügbar sein, und an der Schnittstelle zum Bürger/Unternehmen muss auch Englisch verwendet werden können. So will ich Viersen für Fachkräfte aus dem Ausland attraktiv machen.

Die Dauer von Plan- und Genehmigungsverfahren in Viersen sind eine seit mehreren Jahren bekannte Schwachstelle. Ich habe kein Verständnis dafür, dass dieses Thema nicht angegangen wurde, und werde als Bürgermeister zügig Verbesserung schaffen.

Frank a Campo ist im vergangenen Mai von der Viersener FDP einstimmig zum Bürgermeisterkandidaten gewählt worden. Der Mathematiker ist Vorsitzender des FDP-Stadtverbandes Viersen und Mitglied im Kreisvorstand. Foto: FDP

RS: Freitags gehen längst nicht mehr nur die Schüler auf die Straße und demonstrieren für mehr Klimaschutz, während Schottergärten häufig das Stadtbild ausmachen. Welchen Beitrag möchten Sie hier als Bürgermeister leisten?
A Campo: In der Entwicklung des Umweltschutzes setze ich auf Innovation und ergebnisoffene Suche nach der besten Technologie. Einen entscheidenden Beitrag muss der Verkehrssektor liefern. Ich setze mich ein für die Umrüstung kommunaler Fahrzeuge und der Fahrzeuge des ÖPNV auf emissionsarme Antriebssysteme. Die dafür zur Verfügung stehenden Fördermittel von Bund und Land müssen in Anspruch genommen werden. Grundsätzlich gilt: Die Belange aller Verkehrsteilnehmer müssen gleichermaßen berücksichtigt werden – jeder und jede muss  gut, schnell und sicher ans Ziel kommen können.

Ich möchte prüfen, wie Transportkonzepte wie Bürgerbusse, Rufbusse oder eine Kombination von Personen- und Gütertransporten auf die Bedürfnisse von Viersen abgestimmt und umgesetzt werden können. Interessant sind auch Konzepte wie Ruf-Taxen, die mehrere Fahrtanfragen zu einer „Busstrecke“ kombinieren. Dabei können wir in Viersen von den in anderen Kommunen gemachten Erfahrungen profitieren, z.B. SWCAR in Krefeld oder CleverShuttle, in Düsseldorf.

Auch beim Thema Begrünung durch Privatleute setzen die Freidemokraten auf Freiwilligkeit. Fachgerechte Begrünung durch Bürger und Bürgerinitiativen soll durch leicht zugängliche, kompetente Beratung und flexiblen städtischen Service gefördert werden. Diese Beratung soll auch solchen Bürgerinnen und Bürger helfen, die den Aufwand der Pflege eigenen Grüns scheuen. Ihnen sollen für sie gangbare Wege aufgezeigt werden, wie sie zur Begrünung der Stadt beitragen können.

RS: Im Casinogarten sind Ratten längst keine Seltenheit mehr, neue Spielgeräte binden Haushaltsgelder. Welche Visionen haben Sie für die jungen Familien in Viersen?
A Campo: Spielplätze stehen wie alle von der Stadt vorgehaltenen Flächen im Spannungsfeld von Kosten und Bürgernutzen. Wir wollen neue Wege gehen, um die Kosten der Spielplätze für die Stadt zu senken. Das eingesparte Geld kann dann zur Verbesserung der Pflege und Instandhaltung der Spielstätten verwendet werden. (Rattenbekämpfung gehört selbstverständlich dazu!)  Wir denken beispielsweise daran, als Pilotprojekt betreute Spielplätze nach Hamburger Vorbild einzurichten. Hierbei schafft die Stadt in Kooperation mit freien Trägern auf öffentlichen Spielplätzen Betreuungsangebote für Kinder, die allen Eltern gegen eine geringe Gebühr offenstehen. Das Projekt wird zum Großteil durch Spenden und Vereinsbeiträge finanziert, während die Stadt im Wesentlichen die Organisation übernimmt. In Viersen bietet sich dafür der Spielplatz im Casinogarten an, in Süchteln und Dülken soll ebenfalls ein geeigneter Standort mit möglichen Kooperationspartnern gefunden werden.

RS: Nur um 4,1 Prozent stieg die Zahl der Wohnungen in Viersen. Viersen benötigt neuen, bezahlbaren Wohnraum von Tinyhouse bis Familienheim – aber wie?
A Campo: Viele Mieterinnen und Mieter kämpfen mit den steigenden Wohnungspreisen. Ein bezahlbares Angebot an Wohnraum zu schaffen und zu sichern, hat für uns Freie Demokraten Priorität. Das beste Mittel gegen steigende Mieten ist es, mehr Angebote an neuem Wohnraum zu schaffen. Vor Ort setzen wir uns für die Bereitstellung ausreichender neuer Flächen für weitere Wohngebiete ein; vorhandener Wohnraum soll ertüchtigt werden. Zudem müssen kommunale Planungs- und Genehmigungsverfahren weiter beschleunigt werden, damit wir mit dem Bauen schneller vorankommen. Außerdem dürfen kommunale Steuern und Abgaben nicht weiter steigen. Insbesondere die Grundsteuer ist hier ein wichtiger Faktor. Neue Formen des Wohnens sind zu prüfen.

RS: Nicht erst seit heute wird die Sicherheit in Viersen emotional diskutiert.
A Campo: Sicherheit ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Bei der Sicherung des öffentlichen Raums setzen wir deshalb auf Ordnungspartnerschaften, also auf die verstärkte Zusammenarbeit von Polizei und Ordnungsamt. So wollen wir verhindern, dass Angsträume entstehen und sich verfestigen. Großflächige Videoüberwachung in Viersen lehnen wir im Grundsatz ab.

In den letzten Jahren ist der Kommunale Ordnungsdienst der Stadt personell massiv ausgebaut worden. Was fehlt, ist allerdings die nötige Weiterbildung im Umgang mit den praxisrelevanten Problemen. Neben der erhöhten personellen Ausstattung sind die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen so zu schulen, dass sie den neuen Herausforderungen entschiedener entgegentreten können.

Ein immer größer werdendes Problem beobachten wir auf unseren Schulhöfen. Kinderpornografie und Cybermobbing gehören heute leider zum Alltag. Wir wollen, dass Lehrer in Viersen vermehrt zu diesen Themen geschult werden, und es soll ein Programm gestartet werden, dass Schülerinnen und Schüler über diese Straftatbestände aufklärt und sie sensibilisiert. Durch eine aktive Aufklärungskampagne sollen auch die Erziehungsberechtigten sensibilisiert werden. Es soll dafür geworben werden, solche Fälle konsequent zur Anzeige zu bringen.

RS: Die Innenstädte sterben. Wie kann eine Belebung erreicht werden?
A Campo: Den lokalen Einzelhandel wollen wir als Attraktivitätsanker, Versorger und Experten für direkten Kundenkontakt und Beratung stärken. Verkaufsoffene Sonntage sorgen für eine Belebung der Innenstädte am Wochenende und sollen deshalb so oft wie möglich realisiert werden können. Dabei setzen wir uns für flexible Lösungen ein. Kein Unternehmen, das sich am verkaufsoffenen Sonntag beteiligen möchte, soll auf Grund einer von der Stadt getroffen Radiusbegrenzung ausgeschlossen werden. Das Zentrenkonzept ist sachdienlich zu gestalten.

In Viersen weist allerdings nur Altviersen ein eigentliches Einkaufsviertel aus. In der Nordstadt findet der Interessierte ein breitgefächertes Angebot, kompetente Beratung und leichte Erreichbarkeit in einem angenehmen Umfeld. Diese Stärken gilt es zu bewahren. Die Stadt muss – soweit möglich – Einfluss auf Branchenmix und Qualität nehmen, den ÖPNV optimieren (Mehrkosten sind vorzusehen!) und innenstadtnahe, bequeme Parkmöglichkeiten vorhalten. Es ist zu prüfen, inwieweit die Kanalstraße in den planerischen Innenstadtbereich einbezogen werden kann.

Eine Innenstadt muss als Gesamtheit aus Handel, Dienstleistung, Gastronomie  und Umgebung betrachtet werden. Ich halte es nicht für erfolgsversprechend, über den täglichen Bedarf hinausgehende Einkaufsmöglichkeiten nach Süchteln oder Dülken zurückholen zu wollen. Die Profile dieser Gemeinden möchte ich schärfen in Richtung eines am Lokalkolorit ausgerichteten Aufenthaltserlebnisses. Gehobene Gastronomie in reizvoller Atmosphäre, naturnahes Erlebnis und deren Kombination mit Kaufangeboten und Events finden dort ihren natürlichen Platz. Auch deswegen will ich die Einbindung in den niederrheinischen Tourismus vorantreiben (Hotel, Stärkung von Einzelhandel und Gastronomie).
Weiter möchte ich Sprachkenntnisse des Niederländischen im Handel fordern und fördern und unsere Stadt verstärkt in den Niederlanden bewerben.

RS: S 28, Ausbau der Radfahrwege, umweltfreundliche Mobilität – wie kann Viersen in den kommenden Jahren gestaltet werden?
A Campo: Um die Anbindung an Düsseldorf bzw. in den Ballungsraum Düsseldorf zu verbessern und die A52 zu entlasten, fordere ich die Verlängerung der S28 nach Viersen und die Verlängerung der S8 bis Viersen. Zudem ist eine höhere Taktung der RE13 zu prüfen.
Der ÖPNV hinkt im Viersener Verkehr dem PKW an Bedeutung hinterher. Hier müssen neue Formen des ÖPNV geprüft werden, die durch bedarfsgerechte Angebote und gute Taktung Teile des Personenverkehrs vom PKW zurückgewinnen können.

Das Fahrrad ist aus ökonomischen, ökologischen und gesundheitlichen Erwägungen ein besonders   förderungswürdiges Verkehrsmittel. Auf innerstädtischen Strecken mit intakter Fahrradinfrastruktur ist es häufig das schnellste Verkehrsmittel und erfreut sich zudem in der Freizeitgestaltung immer größerer Beliebtheit. Ich setze mich dafür ein, kurzfristig ein gut befahrbares und ausgeschildertes Fahrradverkehrsnetz in Viersen einzurichten.

Dabei setze ich auf konkrete Maßnahmen statt auf wolkige Versprechungen. Ein Beispiel: Berufspendler zwischen Viersen und Mönchengladbach benötigen gut ausgebaute fahrradfreundliche Verbindungen zwischen dem Viersener Innenstadtring und der Gladbacher Innenstadt. Weiter muss der Fahrradverkehr auf dem Viersener Innenstadtring diesen flüssig verlassen können, damit der Radfahrer auch die letzten hundert Meter zum Ziel effizient zurücklegen kann. Da die bestehenden Radwege diese Anforderungen nicht oder teilweise nicht erfüllen, haben die Viersener Freidemokraten konkrete Maßnahmen zur Verbesserung beantragt.

RS: Vielen Dank Herr a Campo für die Beantwortung unserer Leserfragen. Haben Sie selbst ein Thema, über welches Sie unsere Leser informieren möchten?
A Campo: Schule, Bildung, Digitalisierung – das sind Herzensthemen von mir. Die Freidemokraten fordern für die Schulen „Raus aus der Kreidezeit!“ – und wir halten Wort! In NRW stehen Fördergelder zur Verfügung.
Allerdings verläuft die Umsetzung in Viersen holperig. Zweimal hat das Vorgehen der Stadt nicht funktioniert. Solche Klemmer müssen in Zukunft vermieden werden.

In der modernen Gesellschaft ist die Versorgung mit schnellem Internet Teil der Grundversorgung. Ich will Genehmigungsverfahren für die digitale Infrastruktur beschleunigen und – soweit möglich – städtische Flächen und Gebäude bereitstellen.
Diese Technik wollen wir, um das Leben von Menschen voranzubringen. Insbesondere brauchen junge Menschen diese Technik, um ihr Leben, ihre Zukunft zu gestalten.

RS: Wie erreichen unsere Leser Sie? Wo können sie einen Einblick in Ihr Programm erhalten?
A Campo: Der Austausch mit Ihnen ist mir wichtig. Gerne möchte ich wissen, was Sie bewegt und was in Viersen wichtig ist für Sie. Kontaktieren Sie mich – ich bin neugierig auf Sie!

frank.acampo@bm-viersen.de | Telefon: 01573 321 9061
Auf meiner Homepage finden Sie weiteres Material: https://frank-a-campo.wahl.freie-demokraten.de/