“Fridays for future“: Über 200 Teilnehmer in Viersen

Nicht vor dem Stadthaus als Verwaltungszentrale der Entscheidungsträger, sondern auf dem Sparkassenvorplatz fand heute die erste offiziell angemeldete Freitagsdemonstration für den Klimaschutz statt. Weit mehr als die erwarteten 150 Teilnehmer waren gekommen, die sich allerdings auch Kritik stellen mussten. 
Von RS-Redakteurin Nadja Becker 

Viersen – Schnell füllte sich gegen 10 Uhr am heutigen Freitag der Viersener Sparkassenvorplatz, bunte Plakate und Banner beherrschten das Bild. Organisator Otto Černý (21) konnte mit Stolz über die Menschenmenge blicken, schließlich war die erwartete Teilnehmerzahl weit überschritten worden. Nicht nur Schüler, sondern ebenfalls Eltern und Großeltern nutzten die Chance ihre Stimme für den Klimaschutz zu erheben, hielten Plakate hoch auf denen „Es gibt keinen Planeten B“ oder „Wir haben nur diese eine Erde“ zu lesen war. 

Während auf dem Platz selber Einigkeit herrscht gehen Passanten vorbei, eine Dame bleibt kurz stehen, schüttelt den Kopf und geht weiter. Angesprochen berichtet sie von ihrer ehrenamtlichen Arbeit und sagt: „Demonstrieren reicht nicht, es muss angepackt werden. Viele hier nutzen die Zeit doch nur zum Schuleschwänzen.“ Eine Meinung die sicherlich nicht auf alle Teilnehmer zutrifft, doch auch hier gibt es „schwarze Schafe“, denn die Veranstaltung ist keine halbe Stunde alt als die ersten Schüler den Weg zur Eisdiele und nicht mehr zurück zur Demo finden. Eine Stunde später sitzen sie im Casinogarten. Die Frage nach der Schule wird mit einem Lachen kommentiert, es würde doch nicht auffallen ob man jetzt noch mal zur Schule gehen würde für die letzten Stunden oder nicht. Hätte der Termin am Samstag stattgefunden wären sie nicht dabei. Ein fader Beigeschmack für diese Veranstaltung mit guter Intention, die durchweg friedlich verlief. 

Foto: rs/me

Im Rahmen des heutigen Klimastreiks unterstützen ebenfalls die BUNDjugend und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Forderungen der streikenden Schülerinnen und Schüler, die zahlreich in Städten stattfanden. Linda Mederake, Jugendvertreterin im Bundesvorstand des BUND, sagt dazu: „Die jungen Menschen gehen auf die Straße, weil sie etwas bewegen wollen. Weil sie den Filz zwischen Politik und Industrie satthaben, der maßgeblich zur Klimakrise beiträgt. Insbesondere im Verkehrsbereich gibt es dafür anschauliche Beispiele. Der Verkehr ist der einzige Sektor hierzulande, in dem die CO2-Emissionen nicht zurückgehen.

Die Liste der Beispiele für klimapolitisches Versagen im Verkehrsbereich lässt sich leicht verlängern: Immer mehr Lkw auf den Straßen, immer mehr Lieferwagen in den Städten, immer mehr Pendlerinnen und Pendler, die immer weitere Strecken fahren müssen, weil sie sich das Wohnen in der Stadt nicht mehr leisten können, ein kaputtgesparter öffentlicher Verkehr – alles Auswirkungen verfehlter Investitionen und Regulierungen. Deshalb braucht es mutige Entscheidungen und eine Bundesregierung, die nicht länger im Interesse von Konzernen, sondern im Interesse der Bürgerinnen und Bürger agiert. Nur so kann die globale Klimakatastrophe zumindest noch abgemildert werden.“ (nb)

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