Friedhof ist weiterhin Bühne für dreiste Diebe

Vor zwei Jahren kündigte die Stadt Viersen eine verstärkte Präsenz bei Kontrollen auf den städtischen Friedhöfen an. An den dreisten Diebstählen von Gräbern scheint sich wenig geändert haben, fragt man direkt vor Ort bei den Betroffenen nach. Gerade erst verschwanden wieder Dekorationen und Vasen von Gräbern geliebter Menschen, doch die Chance auf das Wiederfinden ist gering. 
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Die nicht angeleinten Hunde oder das Fahrrad gerade in Nutzung, über das sich gerne aufgeregt wird, sind nicht seltener geworden – dazu kommen Vandalismus und Diebstähle und es stellt sich die Frage: „Ist nichts mehr heilig?“ Vor allen Dingen Kleinigkeiten verschwinden immer wieder von Gräbern und selbst das Gedenken an verstorbene Kinder stellt keine Grenze mehr dar. Erst vor einigen Wochen hatte es wieder ein Kindergrab auf dem Viersener Friedhof getroffen, auch aktuell sind wieder Diebe auf den Friedhöfen aktiv.

„Drei Mal wurden bei uns Steingewächse und Schalen gestohlen. Das Grab meines Mannes hege und pflege ich, ist Ort der Trauer und Gedenken. Unsere Stadtverwaltung sollte mehr tun und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln aktiv werden. Die Toten zu bestehlen, das ist furchtbar, hier muss gehandelt werden.“

Hildegard G., Süchtelner Friedhof

Mittlerweile ist nichts mehr sicher, längst sind nicht mehr nur Kupfer- oder Bronzefiguren im Blick der Diebe. Figuren ohne materiellen, aber mit viel emotionalem Wert verschwinden auf Nimmerwiedersehen. An diesem Wochenende meldeten sich erneut Betroffene in einem sozialen Netzwerk und hoffen auf das Wiederfinden des Diebesguts. „Hallo zusammen, ich wurde heute morgen benachrichtigt, das die Grabstätte meiner Eltern und Großeltern massiv beschädigt worden ist. Unter anderem wurde eine Madonna, eine Vase und eine Lampe, alles aus Bronze, gestohlen. Vielleicht wurde jemandem eine solche Madonna zum Kauf angeboten. Es ist schon mehr als traurig, dass es Menschen gibt die so wenig Achtung vor dem Tod haben.“

„Unser Grab war noch frisch, als unsere Gusseiserne Grablampe gestohlen wurde. Diese dreisten Diebstähle sind pietätlos, sie sind erbärmlich. Es ist eine absolute Frechheit. Krank und verkommen sind diese Diebe.“

Gustav B., Löhfriedhof

Es braucht nicht lange um auf einem Viersener Friedhof jemanden zu finden, der bereits von einem Diebstahl betroffen ist. Seien es nun Blumen, die sogar teilweise ausgegraben werden – oder Figuren. Nimmt der Respekt vor den Toten, den Erinnerungen der Angehörigen in unserer Gesellschaft einen so geringen Stellenwert ein, dass sogar dabei vergessen wird, dass es sich hierbei nicht um ein „einfaches“ Diebstahldelikt handelt? Die Störung der Totenruhe kann mit einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden.
Wichtig ist, dass alle Diebstähle zur Anzeige gebracht werden, die Dunkelziffer nicht weiterhin hoch ist. Diebstähle, mit denen die Täter in die Privat- und Trauersphäre einbrechen. Nur mit einer Anzeige jedoch kann sich die Polizei ein Bild von der Häufigkeit der Diebstähle machen und aktiv werden. (nb)

Ordnungsamt kündigt verstärkte Kontrollen auf den Friedhöfen in der Stadt an