Fronleichnamskirmes in Viersen – Eine Bestandsaufnahme

Noch bis Montag findet vor der Viersener Festhalle die traditionelle Fronleichnamskirmes statt. Viele Kirmesbesucher sehen die Stadt Viersen in der Pflicht für eine lebendige Innenstadt.

Viersen – Es ist Freitagabend, das Wetter spielt mit und trotzdem sind die Besucherzahlen der Viersener Fronleichnamskirmes überschaubar. Die 90er-Jahre-Musik am Scooter, der Geruch frischer Zuckerwatte, an der Losbude baumeln die großen rosa Teddybären, die kleine Mädchen träumen lassen. Das grundsätzliche Angebot auf der Kirmes hat sich kaum verändert, doch die echten Highlights fehlen und auch die Größe ist geschrumpft.

„Ich bin in Viersen groß geworden“, berichtet Beate Müller. „Für mich gehörte der Dschungel-Express einfach immer dazu. Der große Affe in der Mitte mit seinen leuchtenden Augen hat mir als kleines Kind immer Angst gemacht, später war einmal eine Birne kaputt“, erinnert sie sich und lächelt. „Ich habe geweint und mein Großvater tröstete mich.“ Kindheitserinnerungen, denn der Dschungel-Express ist in diesem Jahr nicht in Viersen vertreten.

Bereits 2012 kam der Schaustellerverbund in einer Studie zu dem Ergebnis, dass in den Jahren seit der Jahrtausendwende fast jedes vierte Volksfest von der Bildfläche verschwunden sein wird. Eine Entwicklung, die auch mit der veränderten Freizeitgestaltung zusammenhängt. Noch vor 20 Jahren fieberten die Besucher dem Kirmesbeginn entgegen. Die Lichter lockten und die ersten zarten Versuche des Kennenlernens fanden gerne am Autoscooter statt, bevor eine rote Plastikrose für die Liebste erschossen wurde. Dagegen kostet der Tagesbesuch in einem Freizeitpark heute teilweise sogar weniger oder ein Flug nach Mallorca. Beim diesjährigen Schaustellerjahrestreffen in Bonn sagte Frank Hakelberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Schaustellerbundes (DSB): „Wenn eine kleine Kirmes mit Herzblut betrieben wird, wird es sie immer geben.“ Er sprach aus, was viele Besucher hoffen. Denn eigentlich geht es nicht ohne die gebrannten Mandeln und die Bratwurst. Dafür müssen die Historie und das Herz der Kirmes aber erhalten bleiben.

Eine Entwicklung, vor der auch Viersen steht und die Verwaltung in die Pflicht nimmt. In den sozialen Netzwerken und auf der Kirmes selber wird deshalb fleißig diskutiert und an die Stadt appelliert für eine lebendige Innenstadt tätig zu werden – von Vergrößerung, über eine Zusammenlegung der Stadtteilfeste bis hin zum Ende einer langen Kirmesgeschichte. (pl)

Foto: Martin Häming