Frühe Förderung und Inklusion: Caritas verzeichnet stark steigende Nachfrage

Der Bedarf an Förderung von kleinen Kindern in Mönchengladbach ist riesig. Das erfuhren Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Caritas während ihres Jahrestreffens im neuen Zentrum des Caritasverbandes für frühe Förderung und Inklusion an der Urftstraße.

Mönchengladbach – Als der 2021 bezogene Caritas-Kindergarten an der Urftstraße mit zwei heilpädagogischen und drei inklusiven Gruppen geplant wurde, machte sich Leiterin Ulrike Sauer so ihre Gedanken. „Hoffentlich bekommen wir die Kita voll“, dachte sie damals. Seit der Eröffnung vor rund einem Jahr steht fest: Die Sorge war unbegründet.

63 Mädchen und Jungen ab zwei Jahre können den Caritas-Kindergarten besuchen – fast doppelt so viele wie früher in der rein heilpädagogischen Einrichtung auf dem Gelände Am Kuhbaum im Hardter Wald. Und über mangelnde Nachfrage kann sich das Team nicht beklagen, ganz im Gegenteil: „Wir haben derzeit 200 Kinder auf der Warteliste“, berichtete Ulrike Sauer während des Treffens der AG Caritas.

Einen immensen Bedarf verzeichnet der Caritasverband Region Mönchengladbach auch bei der Frühförderung, die im selben Gebäude eingerichtet ist. „Wir haben im vergangenen Jahr rund 220 Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsverzögerungen oder jeglicher Form von Behinderung unterstützt – die Tendenz ist stark steigend“, sagte Caritas-Geschäftsführer Frank Polixa. Die vor fünf Jahren geplante und vor gut einem Jahr bezogene Frühförderung sei bereits jetzt wieder zu klein, um der Nachfrage gerecht zu werden. „Wir werden drei weitere Therapieräume anmieten. Sie werden derzeit umgebaut und können voraussichtlich ab dem nächsten Frühjahr genutzt werden“, sagte Polixa.

Eindringlich schilderten die Leiterin der Caritas-Frühförderung, Sabrina Baumann, und Kita-Leiterin Ulrike Sauer die besonderen Herausforderungen, mit denen sie in ihrer Arbeit konfrontiert werden. „Viele Eltern sind multipel belastet durch private und berufliche Aufgaben. Zeitmanagement ist oft eine Herausforderung“, erklärte Sabrina Baumann. Manche Kinder hätten eine bis drei Therapiestunden pro Woche – sie erhalten etwa eine heilpädagogische, ergotherapeutische, logopädische und/oder physiotherapeutische Förderung. Vielen Mädchen und Jungen fehlten Alltagserfahrungen. „Wir beziehen die Eltern ein und coachen sie, damit sich die Interaktion mit ihren Kindern verbessert“, so Baumann. Ein Beispiel: Das Kind schreit. Frage an die Eltern: Was ist der Grund dafür?

Ulrike Sauer beobachtet, dass bei der Bewegung der „Trend zum Sofa“ geht. „Wir hatten schon Kinder hier, die nach einem ersten kleinen Spaziergang am nächsten Tag Muskelkater bekamen“, berichtete die Kita-Leiterin. In den inklusiven Gruppen seien viele Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund, deren Eltern wenig Deutsch sprächen. „Wir möchten die Kinder so an die deutsche Sprache heranführen, dass wir ein gutes Gefühl mit Blick auf die Einschulung haben“, sagte Sauer.

Nach den Berichten der Fachfrauen besichtigten die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Caritas die Frühförderung und den Caritas-Kindergarten. Caritas-Vorsitzender Dr. Christof Wellens betonte, dass sich der Verband nach wie vor für die beiden heilpädagogischen Kita-Gruppen stark mache. „Inklusion hat ganz viel Gutes, aber es gibt auch Kinder, für die eine inklusive Gruppe zu groß ist. Sie brauchen die heilpädagogische Betreuung in einer kleinen Gruppe“, sagte Wellens. (opm)

Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Caritas besichtigten den neuen inklusiven Caritas-Kindergarten und die Frühförderung an der Urftstraße. Foto: Caritasverband