Füttern an der Nachbarwiese verboten – Oder: Sterben Schafe an altem Brot?

Mit dem schönen Wetter setzen sich wieder viele Menschen auf den Drahtesel und radeln durch den schönen Niederrhein. Immer wieder packen sie dazu Brot, Kartoffeln, Kohl oder Grünschnitt ein – um Tiere auf fremden Weiden zu füttern. Doch die falsche Fütterung kostete zahlreichen Tieren bereits das Leben, weshalb auch in Viersen immer häufiger auf das Fütterungsverbot hingewiesen wird.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Natur/Viersen – Die Schilder „Füttern verboten“ sind nicht zu übersehen und dennoch halten mit den ersten warmen Sonnenstrahlen Besucher mit ihren Fahrrädern an der Wiese am Viersener Stadtrand an um den weidenden Schafen und Ponys „etwas Gutes zu tun“. Altes Brot, rohe Nudeln und Kohl sollen es sein. „Nun haben wir schon drei Tiere verloren“, berichtet die Besitzerin, die nicht genannt werden möchte damit nicht noch mehr Besucher an ihrer grünen Oase halten. „Wir haben auch schon einige angesprochen und auf ‚frischer Tat ertappt‘, die mit Fahrradkörben voller Gemüse, Brot, Kartoffeln oder Grünschnitt, zum Beispiel Eibe, vorgefahren kamen. Noch nicht einmal aus böser Absicht, ich denke eher aus Unwissenheit. Jetzt, wo das schöne Wetter beginnt, befürchten wir, dass die Leute wieder mit Essensresten zu dieser Wiese pilgern und zu allen Wiesen im Kreis, auf denen Tiere stehen.“

Mit dem Problem steht die Tierhalterin nicht alleine, schnell fällt auf, an vielen Weiden und Wiesen hängen mittlerweile die Verbotsschilder. Doch können Brot, Kohl & Co. tatsächlich Schafen oder anderen Tieren schaden? Ja, ist die klare Antwort, denn immer wieder sterben Tiere an der falschen Fütterung von außen. Ein Foto aus Salzweger verbreitete sich vor nicht allzu langer Zeit in den sozialen Netzwerken, als ein Landwirt auf den Tod von fünf Schafen aufmerksam machte. Das Schild „Danke fürs Füttern! Wie viele Tiere müssen noch sterben???“ auf dem leblosen Körper rüttelte auf. Die Tiere starben an altem Brot, denn die leicht verdaulichen Kohlenhydrate führten bei den Wiederkäuern zu einer Übersäuerung. Eine schleichende Vergiftung und qualvolle Tode, die verhindert werden hätten können – mit der richtigen Fütterung und nicht mit Küchenabfällen.

Durchstreift man das Netz, wird jeder Tierliebhaber und Freizeitfütterer schnell fündig. Besitzer berichten von gammeligen Paprikaschoten oder schimmeligem Apfelstrudel, der auf Pferdekoppeln gefunden wurde bis hin zu Mandarinen, weil „die fliegen so schön“ und ungekochten Nudeln. Ein Problem, welches sich bis in die Tierparks zieht, wo ebenfalls immer wieder und stetig auf die gefährlichen Fütterungen hingewiesen wird. Denn welcher Besucher weiß schon, ob ein Tier gerade überhaupt Gras fressen darf, nachdem es gerade erkrankt war und deshalb in dem Gehege ohne den grünen Bodenbelag steht.

Fälle gibt es zahlreich, so starb ein Pony am Niederrhein vor zwei Jahren fast an einer Schlundverstopfung durch falsche Fütterung von außen und zwei Esel erkrankten schwer, nachdem Zaungäste einen Eimer voll Möhren in das Gehege geworfen hatten. Der Fruchtzucker in den Möhren ist für Esel nicht nur gefährlich, er kann zum Tode der Tiere führen. Umso wichtiger ist es, die Tierhaltung zu respektieren und nicht das alte Brot oder die Reste vom gestrigen Abendessen für die Fahrradtour einzupacken. Das Füttern mag für jung und alt ein Erlebnis sein, viel schöner ist es aber doch, wenn die beobachteten Tiere gesund sind und es auch bleiben. (cs)

Nun haben wir schon drei Tiere verloren“, berichtet die Besitzerin, die nicht genannt werden möchte damit nicht noch mehr Besucher an ihrer grünen Oase halten. „Wir haben auch schon einige angesprochen und auf ‚frischer Tat ertappt‘, die mit Fahrradkörben voller Gemüse, Brot, Kartoffeln oder Grünschnitt, zum Beispiel Eibe, vorgefahren kamen.“ Foto: Tim_Hellwig

Ein Kommentar

  1. Oft ist es falsch interpretierte Tierliebe, Unwissenheit, oder um Kindern den Spaß an der Fütterung zu bieten.
    Dumm !

    Dann gibt es auch viele, sehr viele Fälle von Ignoranz und Gleichgültigkeit. Pfui !

    Einige füttern auch, weil sie denken, dass die Tiere leiden oder verwahrlosen.
    Diesen Leuten empfehle ich, an Stelle der evtl. lebensgefährlichen Fütterung, lieber den Tierschutz verständigen!
    So klärt sich die Sache meist zum Wohle der Tiere auf und die Tiere können leben !

    Alle:
    Statt einfach zu füttern, fragen sie doch mal beim Eigentümer nach, ob sie mal bei einer Fütterung zugegen sein können. Gegen eine kleine Spende ist da bestimmt was machbar.

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