Gedenken am Volkstrauertag waren Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden

An die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen erinnerte am Volkstrauertag die Ortsgruppe Süchteln des Sozialverbandes VdK auf dem Süchtelner Waldfriedhof. Eine bewegende Zeremonie, in der den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht wurde.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen-Süchteln – Die Sonne drang an diesem Novembersonntag nur selten durch die Wolkendecke und tauchte den Volkstrauertag in typisches Herbstwetter. Während viele zuhause blieben, folgten dennoch Verbände, Schützen, Feuer- und Bundeswehr sowie zahlreiche Privatleute der Einladung der Ortsgruppe Süchteln des Sozialverbandes VdK, der an der Erinnerungsstätte des Süchtelner Waldfriedhofs zum jährlichen Gedenken einlud.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Vorstandsmitglied Hubert Oistrez konnte mit Freude neben dem Süchtelner Ortsbürgermeister Wolfgang Genenger auch die stellvertretende Bürgermeisterin Simone Gartz sowie weitere Gäste begrüßen, viele hatten zu diesem wichtigen Ereignis ihre Uniformen entstaubt und auf Hochglanz gebracht. Unter den Rednern fand sich zudem ein Vertreter des Bundeswehrverbandes, welcher an das Fundament des Gedenktages erinnerte. Die Zeremonie mit der Kranzniederlegung auf dem Ehrenfriedhof begleiteten musikalisch die White Hackle Pipes and Drums e.V. und Trompeter Ben Köcket mit der deutschen Nationalhymne.

Bereits seit 1952 wird der Volkstrauertag in Deutschland als staatlicher Gedenktag zwei Sonntage vor dem ersten Advent begangen. Zu den „Stillen Tagen“ gehörend wird an ihm an die Kriegstoten Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen. Der Volkstrauertag ist darüber hinaus zu einem Tag der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung sowie Frieden geworden und hat auch 76 Jahre nach Ende des Zeiten Weltkrieges nicht an Bedeutung verloren.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Immer noch wurden nicht alle Überreste toter Soldaten gefunden, noch immer wissen viele Familien nicht, was mit ihren Söhnen geschah. Erst vor kurzem wurden bei Bauarbeiten in Wesel, Hamminkeln und Hückelhoven in der Nähe von Mönchengladbach Knochen und Ausrüstungsgegenstände dreier Soldaten bei Bauarbeiten gefunden. Mittlerweile in Kriegsgräberstätten bestattet ist die Identifizierung der Toten eine Sisyphusarbeit, wenn nicht klare Merkmale wie beispielsweise Erkennungsmarkten erhalten sind.

Auch wenn dies meist nicht der Fall ist, so konnte die Familie des in Hückelhoven bei Sondierungsarbeiten des Kampfmittelräumdienstes unter einem Maisfeld gefundenen Soldaten endlich Gewissheit erfahren, ein Zufall, dass neben Uniformresten auch ein Löffel mit einem kompletten Namen gefunden wurde. Erschwerend käme hinzu, dass es durchaus immer wieder Militaria-Sammler gibt, die mit Metalldetektoren Leichen entdecken, diese allerdings nicht melden und stattdessen Ausrüstung und Erkennungsmarken von den Knochen entfernen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Wer nun meint der Krieg sei lange vorbei und die Angehörigen hätten längst ihre Verwandten vergessen, der täuscht sich. Jährlich gehen rund 20.000 Anfragen zu Toten aus den Weltkriegen beim Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge ein, der sich im Auftrag der Bundesregierung um die Gräber deutscher Kriegstoter in Deutschland und im Ausland kümmert. Alleine in NRW betrifft dies rund 333.000 Kriegsgräber an 2.130 Kriegsgräberstätten in denen nicht nur deutsche, sondern mehr als die Hälfte ausländische Soldaten ihre letzte Ruhe fanden. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz