Gedenken am Volkstrauertag: „Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne den Frieden nichts.“

Mit einer bewegenden Rede begleitete Oberst Helmut Michelis, Ehrenvorsitzender der Kreisgruppe Niederrhein im Reservistenverband, den Volkstrauertag auf dem Viersener Friedhof. Während der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in diesem Jahr 100 Jahre alt wird, ist der Friede zerbrechlich.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen – Eng verbunden mit der deutschen und europäischen Geschichte ist die Geschichte des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Entwickelt aus einer Initiative, die von weiten Teilen der Bevölkerung getragen wurde und deren Aufgabe die Suche, Identifikation und Bestattung der Gefallenen des Ersten Weltkrieges im Ausland war, hin zu einer humanitären, international vernetzten Organisation, die sich für Völkerverständigung und Frieden einsetzt, blickt der Verband mittlerweile auf 100 Jahre zurück. Ein langer und steiniger Weg, auf dem sich der Volksbund mit der Aufarbeitung seiner Geschichte auseinandersetzte und Lehren daraus zog – die nicht überall in der Gesellschaft heute allgegenwärtig sind mit Blick auf Hass und Rassismus.

Am vergangenen Sonntag, dem diesjährigen Volkstrauertag, zogen bundesweit Menschen zu den Kriegsgräbern, häufig auf Friedhöfen, so wie in Viersen. Ursprünglich eingeführt, um den Toten des Ersten Weltkrieges zu gedenken, wird mittlerweile ebenfalls an die Opfer von Gewaltbereitschaft und Gewaltherrschaft erinnert – dazu zählen auch die Opfer rassistischer Übergriffe.
Nach dem Ersten Weltkrieg, in welchem alleine zwei Millionen deutsche Soldaten fielen, wurde der Volkstrauertag erstmals vorgeschlagen, seit 1952 ist er ein gesetzlicher Gedenktag.

Foto: Rheinischer Spiegel

In der Viersener Totenhalle auf dem städtischen Hauptfriedhof sprach in diesem Jahr Oberst Helmut Michels vor den zahlreichen Gästen, darunter Politiker und Vereine. Helmut Michelis ist aktiver Reserveoffizier. Unter anderem ist er der Ehrenvorsitzende der Kreisgruppe Niederrhein im Reservistenverband. Im vergangenen Mai wurde er von der damaligen Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit der Medaille des Verteidigungsministeriums geehrt. In seiner Rede mahnte er die Vergangenheit nicht zu vergessen, erinnerte daran, dass in den vorangegangenen Jahrhunderten hindurch alle 15 Jahre große Kriege in Europa stattfanden. Mit den Worten des Bundeskanzlers Willy Brandt: „Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne den Frieden nichts“, warf er einen Rückblick auf angsterfüllte Bombennächte und erschreckende Ruinen der Kriege.

Gerade mit Blick auf die Welt und die schwelenden Konflikte sei der Frieden kein Normalzustand – Frieden, den sich die Toten so sehnlichst gewünscht hätten. Der Frieden in Deutschland ist zerbrechlich, denn aus Sicht der Islamisten befinde sich Deutschland hier und jetzt in einem Religionskrieg. Helmut Michelis berichtete von seinen Lebenserfahrungen, Erinnerungen und grausamen Taten, darunter der Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt. „Unsere Sicherheitsexperten wissen: Es ist nicht die Frage, ob, sondern wann ein solcher heimtückischer Angriff auf die Zivilbevölkerung wieder bei uns geschehen wird. Wir sind, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, in einer neuen Art von Krieg, wo ein Polizeibeamter, ein Feuerwehrmann oder ein Rettungssanitäter plötzlich näher an der Front ist als ein Kommandosoldat irgendwo im Bürgerkrieg in Afrika“, so Michelis. Umso wichtiger sei es, die Opfer der Anonymität zu entreißen, denn ihre Gräber müssten auch im Alltag eine eindringliche Mahnung sein Fehler nicht zu wiederholen. (cs)