Gegen alle Einwände – Stadtrat macht den Weg frei für Boisheimer Windpark

Gegen die 89. Änderung des Flächennutzungssplans habe viele Bürger protestiert und über 76 Einwände erhoben. Trotzdem stimmte die Mehrheit der Viersener Ratsmitglieder für die Änderung und damit für den Bau eines Windparks an der Boisheimer Nette.

Viersen-Boisheim – Zahlreich waren Boisheimer und Dülkener zum Forum im Kreishaus gekommen, um in der STEP- und Ratssitzung der Stadt Viersen ihr Unverständnis über die geplante Entscheidung mit einem stillen Protest in den Sitzungen zu unterstreichen. Kein Platz war so bei der ersten gestrigen Sitzung, dem STEP-Ausschuss, mehr frei, das Interesse und der Widerstand ist groß. Ein Vorstoß einzelner Ratsmitglieder, angestoßen von der FDP, die Entscheidung aufgrund der neuen Darstellungen der Landesregierung zu vertagen, wurde mit einer Mehrheit von fünfzehn Stimmen abgelehnt. Ebenfalls der FürVIE-Vorschlag einen Arbeitskreis gemeinsam mit Mitgliedern der Bürgerinitiative „Boisheim wehrt sich“ zu gründen, um einen Konsens zu finden, wurde abgelehnt. „Wofür noch einen Arbeitskreis?“, so Heinz Plöckes (SPD), der keine neuen Aspekte sah um die Entscheidung zu vertagen. Dieser Entscheidung schlossen sich in der nachfolgenden Ratssitzung ebenfalls die Grünen an. Martina Maaßen ergriff hierzu das Wort, stellte die Erweiterung des Abstands zwischen Windrädern und Wohnbebauungen als Rückschritt dar. Mehr als 1.100 Seiten hatte die Stadt zur Sitzung vorgelegt, zu knapp um diese zu studieren und um eine Entscheidung zu treffen, fand FürVIE, während die Viersener Baudezernentin wiederholt darauf hinwies, dass die Unterlagen mehrfach in Ausschüssen besprochen wurden, schließlich wurde auch die Baugenehmigung bereits erteilt. Nicht ausreichend war die Meinung einiger Politiker, an der Nicht-Vertagung änderte dies nichts.

Dagegen spricht eine Entscheidung der neuen Landesregierung, die sich intensiv mit den Abständen von Wohnbereich zu Windrädern beschäftigt hatte. Sie sah die hohe Gefahr für die Gesundheit der Bewohner und erhöhte den Mindestabstand von 600 auf 1.500 Meter. Ein Abstand, mit dem der Bau an der Boisheimer Nette nicht mehr machbar wäre, aber ebenfalls eine Regelung, die nur Neuplanungen betrifft.

Gegen den Bau sind hunderte von Boisheimern und Dülkenern, zahlreiche Klagen sind eingegangen. Diese wollten zudem gerne in der Bürgerfragestunde gerade diese Vereinbarung der neuen Landesregierung ansprechen, allerdings verwies die Viersener Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) direkt in der einleitenden Rede darauf, dass Fragen zu Themen auf der Tagesordnung in der Fragestunde der Bürger, und wofür die Bürger erschienen waren, nicht zugelassen sind. Ebenfalls versuchte Zwischenfragen, die nicht der Sitzungssatzung entsprachen, wurden von der Bürgermeisterin unverzüglich unterbunden, die dann merkbar in Eile eine Entscheidung herbei führte. So blieb den Anwohnern nur fassungslos dabei zuzusehen, wie die Entscheidung gegen ihre Einwände und Klagen für die Änderung des Flächenutzungsplanes und den Bau der gesundheitsschädlichen Windräder getroffen wurde.

Zunächst ist damit der Weg für den geplanten Bau der NEW Re, als Tochtergesellschaft der NEW, von vier Windkraftanlagen, die mit einer Höhe von 200 m den Kölner Dom überragen werden, frei. Die Stadt Viersen rechnet damit, dass bis Oktober zudem die weiteren Genehmigungen der Bezirksregierung vorliegen. Die Betroffenen hoffen nun darauf den geplanten Baubeginn auf dem Klageweg stoppen zu könnten.

Die Anwohner führen in ihren Einwänden erhebliche Lärmbelästigungen, Gesundheitsgefahren durch optische Immissionen wie Schattenwurf, Lichtreflexe sowie durch Blinklichter zur Flugsicherung, Ultra- und Infraschall, Störungen der Flugsicherungseinrichtung in Mönchengladbach im sogenannten Drehfunkfeuer, den seismisch aktiven Dülkener Sprung, Umwelt-, Landschaftsschutz- und Tierschutzbedenken auf. Die als windarm geltende Region um die Boisheimer Nette ist unter Ornithologen ein bekanntes Gebiet, das zahlreiche Arten beherbergt, darunter den auf der internationalen Liste der gefährdeten Vogelarten stehenden Kiebitz, dessen Bestand stark bedroht ist. (re)

Foto: Viersen inside

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