Gegen den Plastikwahn – Boomerang Bags für Dülken

Bunte Garnrollen, Nähmaschinen und Stoffe, die Änderungsschneiderei von Martina Murroni ist ein echtes Paradies für Nähbegeisterte. In ihren Räumen an der Bodelschwinghstraße bietet sie zudem nicht nur Nähkurse an, mittlerweile gestaltet sie ebenfalls bunte Boomerang Bags, um so den hohen Plastikverbrauch einzudämmen. 
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen-Dülken – Immer wieder verschwindet die Nadel in dem bunten Stoff, den die Schneiderin Martina Murroni konzentriert unter dem Nähfuß der Maschine entlanglaufen lässt. Gerade entsteht eine neue Boomerang Bag für Dülken. Keine einfache Tasche, sondern eine Tasche, die in den Geschäften die Wegwerftüten ersetzt.

Dabei verweist der Name schon auf die besondere Eigenschaft. Entstanden ist die Idee in Australien, wo vor über sechs Jahren zwei junge Frauen auf die Idee kamen Stofftaschen ehrenamtlich zu gestalten – umweltfreundlich und plastiksparend. Die Idee hat schnell die Nähgemeinschaften erreicht und auch in Deutschland verbreitete sie sich schnell.

Foto: privat

Eines Sonntags las auch die Dülkenerin Martina Murroni von der Idee und war begeistert. Am Tage darauf startete das Projekt, bei dem jeglichen Stoffresten, alten Hemden und Hosen ein neues Leben als Tasche oder Beutel geschenkt wird. Ein Prinzip, bei dem die Taschen dann in sämtlichen Geschäften zur Mitnahme bereitliegen und der Kunde selbst entscheiden kann, ob der Beutel, wie ein Boomerang, den Weg zurück in den Laden findet oder für weitere Einkäufe behalten wird. Völlig kostenfrei für Geschäft und Verbraucher.

„Es soll zum Nachdenken anregen. Wir schmeißen so viel in den Müll. Aus allen möglichen Stoffresten kann man noch etwas Schickes nähen, statt es einfach achtlos in den Müll zu werfen“, so die Schneiderin. „Ich biete seit einigen Jahren Nähkurse für Kinder und Erwachsene an und bin mehr und mehr erschrocken über die fehlgeschätzte Arbeit, die zum Beispiel in einer Tasche steckt. Damals wurden in Fabriken acht Stunden lang nur Haltebänder genäht – nichts anderes.“

Für ein umweltbewussteres Verhalten sollen die TeilnehmerInnen, die jüngste übrigens gerade einmal zehn Jahre alt, lernen, wie viel Aufwand in dem Nähhandwerk steckt und wie alte Materialien zu einem neuen, individuellen Produkt verwertet werden können. Bisher entstanden rund 100 Taschen, deren Urmaterial wohl einfach auf dem Müll gelandet wäre. Erstaunt stellte die 57-Jährige genauso fest, dass ein solches gemeinnütziges Projekt sehr viel Unterstützung erhält.

Alte Kaffeesäcke dienen, nebst Hosen, Hemden und anderen Stoffen, der Verwertung und stoßen so besonders in Hofläden hiesiger Landwirte auf Anklang. Doch auch die ortsansässigen Lebensmittelmärkte von EDEKA Zielke gehören bereits zu einem künftigen Abnehmer der Boomerang Bags. Ein Projekt mit mitreißender Wirkung, welches die seit über zwanzig Jahren selbstständige Schneiderin begeistert und genau diese Begeisterung gibt sie mit Freude weiter. (dt)